Spiritualität

Klosterleben findet seine Motivation in der Gottsuche, im Gottesdienst und im Dienst am Nächsten. Dazu hat sich im Laufe der Jahrhunderte im Westen eine sehr reich gegliederte Kloster- und Ordenslandschaft entwickelt und zu unterschiedlichen spirituellen Betonungen geführt. Die alten Orden mit ihrer kontemplativen Ausrichtung, ihrem Schwerpunkt auf Gebet, Meditation, Stille und Gottesdienst wurden ergänzt durch die tätigen Orden, die alle Arten von menschlicher Zuwendung praktizieren und die gemeinschaftliche Kraft zum Nutzen einer menschlicheren Gesellschaft selbstlos einsetzen. Auch Männer und Frauen haben eine je unterschiedliche Spiritualität entwickelt, sofern man darunter Ausdrucksformen versteht, sich dem Göttlichen zuzuwenden, davon zu reden und im Leben nach Sinn zu suchen. Daher ist ein Kernbegriff klösterlicher Spiritualität das Suchen. Man kann in der Geschichte diese Suche beobachten, in großen Linien wie der Ordensentwicklung und in persönlichen Ausprägungen in der Beschäftigung mit einzelnen Orten oder Ordensangehörigen.

Aus dieser Suche heraus, die eine Rückbindung im Geistigen voraussetzt, also ein Ziel hat, das nicht weltimmanent ist, lässt sich auch eine Brücke zur Gegenwart schlagen. Suchende finden im Kloster Wege, die sie einschlagen können, sei es in explizit religiöser Weise, in einer Praxis, die von vielen Ordensleuten erprobt und entwickelt wurde, sei es in einer zwar nicht ausdrücklich religiösen, aber doch existenzialistischen Weise. Denn klösterliche Spiritualität führt im Idealfall zu einem gestalteten Leben, das nach seinem Woher?  und Wohin? fragt und zu bewussten Entscheidungen führt. Die Sehnsucht vieler Menschen nach authentischem, gelingendem Leben kann im Kloster einen Ort finden.