Klosterkultur

Die Klosterkultur zeigt sich historisch als Erfahrungshorizont, der trotz aller Wellenbewegungen eine große Beständigkeit aufweist, wie auch als Experimentalraum, denn im Laufe der Geschichte – gestern wie heute – haben Klöster auf ihre Zeit reagiert und standen in Wechselwirkung mit der Zeit. So können nach wie vor gesellschaftliche Entwicklungen vor diesem Erfahrungshorizont und in diesem Experimentalraum in den Blick genommen werden. Vieles, was bewusst lebende Menschen heute umtreibt, kann im Kloster wiedergefunden und als intensiv gelebt entdeckt werden. Hier zeigt sich die unverzichtbare, gesellschaftliche Relevanz der Klosterkultur.

Heutzutage rührt die Betrachtung der Klöster, die Begeisterung für sie und deren Anziehungskraft nicht zuletzt von einem romantischen Standpunkt her. Zweifellos sind die großen Leistungen klösterlicher Architektur, der Kunst und Wissenschaft bewundernswert und stilbildend. Jeder wird wohl in vielen Fällen auf Anhieb schon von weitem erkennen, dass es sich um ein Kloster handelt. Doch mit dieser historisch-ästhetischen Perspektive ist erst einmal nur eine Ausdrucksform der Klosterkultur erfasst. Immerhin aber eine zweifellos sehr wichtige, denn sie verwiest darauf, dass Klosterleben gestaltetes Leben ist. Und dies wird schon daran deutlich, dass sogar ehemalige Klöster, die heute als Museum und Kulturzentrum dienen, von den Besuchern immer noch in erster Linie als Kloster wahrgenommen werden.

Klosterkultur kann sehr gut vom Begriff her verstanden werden: Kloster = Claustrum = das Abgeschlossene. Kultur = das Gepflegte. Also eine Lebensform, die in der Abgeschiedenheit, hinter der Klostermauer gepflegt wird. Der Mönchsvater Benedikt beschreibt in seiner Klosterregel, dass sich nach Möglichkeit alles innerhalb der Klostermauern befinden solle, was man zum Leben braucht. Denn draußen herumzulaufen, so hält er fest, sei für Mönche überhaupt nicht gut. Und so zeigt sich Klosterkultur als eine kritische Distanz zur Welt, als eine Lebensform, die zwischen Kloster und Welt unterscheidet. Hier ist aber nicht so sehr das Element der Ablehnung wirksam, als vielmehr dasjenige der Auswahl. Denn auch Klöster stehen selbstverständlich in der Welt.

Diese Haltung hat der Klosterkultur von jeher ihr eigenes Gepräge als Binnenkultur mit bestimmten Verhaltensweisen und Formen verliehen, aber auch zugleich in die Welt gewirkt in einem Dialog, der wesentlich vom Motiv des Suchens bestimmt ist. Suche, im Kloster als Gottsuche näher bestimmt, in der Welt als Suche nach dem Woher? und Wohin? des Lebens. Letztlich nach authentischem Leben und mit dem Wunsch, das Ziel, zu dem man ins Leben gesetzt wurde, zu erreichen. Das verbindet alle Menschen, ob bewusst oder unbewusst.