Gärten

Klostergarten in Beuron. Foto: Br. F. Weckenmann

Klostergärten – mehr als Entschleunigungsoasen für müde Besucher

Der Klostergarten gehört in der Tradition der alten Mönchsorden zu den wichtigsten Einrichtungen, deren Gesamtheit ein Kloster ausmacht: Die Kirche, der Kreuzgang, die Mönchszellen, die Bibliothek, der Kapitelsaal, das Gästehaus, die Krankenabteilung und eben der Garten. Seine Funktion ist vielfältig: neben der Gewährleistung von Autarkie und Selbstversorgung dient er auch dem ganzheitlichen Menschenbild des Klosterlebens. Im Garten begegnet der Mönch dem ursprünglichen Sehnsuchtsort, dem Paradies und tritt über die Natur in eine Zwiesprache mit dem Schöpfer. Dort kann er sich auch schöpferisch betätigen im Umgang mit Erde, Pflanzen und Bäumen. So entstanden schon früh die symbolischen Kreuz- und Meditationsgärten. Der Gottesdienst im Geiste, der in der Kirche stattfindet, erfährt damit seine Ergänzung im Arbeiten an Gottes Schöpfung.

Der Klostergarten hat gerade in unserer Zeit eine neue Bedeutung erhalten im Suchen nach unserer Position innerhalb einer immer technischer ausgerichteten Zivilisation. Er ist nach wie vor Sehnsuchtsort. Die Vielfalt an Klostergärten fasziniert, ganz gleich, ob sie historisch geprägt sind (Barockgärten) oder aktuell als Schau- oder auch Nutzgärten (besonders Kräuterzucht) in Betrieb sind. Tradiertes Wissen um Heilpflanzen und Wirkungen der Aromen und Essenzen ist in vielen Klostergärten handgreiflich. Gleichzeitig müssen immer mehr Klöster aus Überalterungsgründen geschlossen werden. Daher ist es umso wichtiger, die Kultur der Klostergärten zu sichern, zu beschreiben und in einer zeitgemäßen Perspektive nutzbar zu machen – auch über die klösterlichen Orte hinaus im Sinne von tragfähigen Antworten zu Fragen der Nachhaltigkeit und Achtsamkeit im Umgang mit unserer Welt.