Kloster

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Zisterzienserkloster Neuzelle

1. Allgemein

Ortsname
Neuzelle
Institution des Mitglieds
Stiftung
Arten Mitarbeitende in Tourismus und Kultur
fest
HaupteigentĂŒmer*In auf dem KlostergelĂ€nde
Stiftung
Weitere EigentĂŒmer*Innen auf dem KlostergelĂ€nde
keine Angaben

2. Geschichte

GrĂŒndungsjahr
1268
GrĂŒndungsorden
Zisterzienser
Auflösung
SĂ€kularisation 19. Jh.
Jahr der Auflösung
1817
Fand eine Wiederbesiedlung statt?
Ja
Wiederbesiedlung Typ
wiederbesiedelt bis heute
Wiederbesiedelung Beschreibung
2018
Zentrale Begebenheiten
keine Angaben

3. Baulichkeiten

Geschlossenes Bild der Klosteranlage
ja
Klosterkirche vorhanden
ja
Weitere GebÀude aus Klosterzeit
Leutekirche, FĂŒrstenflĂŒgel, Kreuzgang, KlausurgebĂ€ude, KanzleigebĂ€ude, KutschstallgebĂ€ude, Sommerresidenz des Abtes, Orangerie und Barockgarten, Schlachthaus, Waschhaus, ehem. Winzerhaus
Vorherrschender Architekturstil
Barock
Vorherrschendes Baumaterial
Mauerwerk und Stuck
PrÀgende bauliche ErgÀnzungenaus nachklösterlicher Zeit
keine Angaben

4. Denkmalpflege

KlostergelÀnde ist FlÀchendenkmal
Ja
Denkmalpflege Status
FlÀchendenkmal
GebÀuderekonstruktion seit Mitte 20. Jahrhundert
Ja
GebÀuderekonstruktion
Klosterkirche, Leutekirche, FĂŒrstenflĂŒgel, Kreuzgang, KlausurgebĂ€ude, KutschstallgebĂ€ude, Sommerresidenz des Abtes, Orangerie und Barockgarten, Schlachthaus, ehem. Winzerhaus
NutzungsÀnderungen seit etwa 1990
Ja
NutzungsÀnderungen
Kreuzgang - Museum und Veranstaltungsbereich; Kutschstall - Museum, Internat, Pfarramt und Pfarrwohnung; KlausurgebĂ€ude - Schule; Schlachthaus - Schule und SchĂŒlermensa; Winzerhaus - Internat

5. Nutzung

Nutzung der Klosterkirche
Gottesdienste
Konzerte
Arten Nutzer*innen auf dem KlostergelÀnde
Kirche
Schule
geistliche Gemeinschaft

6. Kultur

Kulturelles Zentrum
keine Angaben
Ausstellungen werden angeboten
Ja
Ausstellungen
Dauerausstellung und Wechselausstellungen

7. SpiritualitÀt

Eine geistliche Gemeinschaft ist im Kloster ansÀssig
ja
Lebens- und Wohnorte der Gemeinschaftsmitglieder
Klosteranlage
Kirchengemeinde an Klosterkirche ansÀssig
Ja
Konfession Kirchengemeinde
katholisch
Gibt es weitere Gottesdienstorte?
keine Angaben
Weitere Gottesdienstorte sind
keine Angaben
Gibt es weitere Formen spirituellen Engagements?
Ja
Formen des weiteren spirituellen Engagements
klösterliches Leben mit zisterziensischem Stundengebet
Liegt das Kloster an Pilgerwegen?
Nein
Angebundene Pilgerwege
keine Angaben
Kloster ist Wallfahrtsort
Ja
Beschreibung des Wallfahrtsortes
Stiftskirche St. Marien ist die Wallfahrtskirche des Bistums Görlitz; Bistumswallfahrt, Jugendwallfahrt; Haar-Reliquie von Johannes Paul II.

8. Wissenschaft

Kloster mit wissenschaftlicher Arbeit in den Bereichen Religion, Klosterkultur, Denkmalpflege, Ordensforschung oder Geschichte
ja
Formen wissenschaftliche Anbindung
keine Angaben
Gibt es andere wissenschaftliche AktivitÀten?
nein
Andere Wissenschaftliche Arbeit
keine Angaben

9. Tourismus

Ist Klosteranlage offen fĂŒr touristische Nutzung
ja
Gibt es ein gastronomisches Angebot
Ja, ganzjÀhrig
Werden Klosterprodukte vermarktet?
Ja

10. Klosterkultur

Sind Arbeitsbereiche mit einem Bezug zur Klosterkultur dauerhaft ansÀssig?
Ja
Formen der Klosterkultur
Bildung ermöglichen (Schule, KiTa, Bibliothek, pÀdagogische Programme etc.)
Formen der Klosterkultur Beschreibung
keine Angaben

11. Vernetzung

Kloster arbeitet in Netzwerken mit
Ja
Art von Netzwerken
Tourismus
Kultur
Kirche oder religiöse Netzwerke
Bildungspolitik
Wissenschaft
Denkmalpflege

12. Kernkompetenzen

Kloster verfĂŒgt Kernkompetenzen in
Kultur
Wirtschaft
Beschreibung Kernkompetenzen und weitere Ansprechpartner
Kultur, Opernfestival, Veranstaltungsmanagement, Denkmalpflege, Bauen im Denkmal, Fördermittelakquise, Forstbewirtschaftung Kultur - Tilman Schladebach Bauen, Denkmalspflege, Fördermittel - Jan Battmer Forst - Boris Schnittker
Bild eines Klosters - Zisterzienserkloster Neuzelle

Zisterzienserkloster Neuzelle

Stiftsplatz 7

15898 Neuzelle

GrĂŒndungsjahr

1268

Ordenszugehörigkeit

Zisterzienserzienser

1268 stiftete Markgraf Heinrich von Meißen das Kloster Neuzelle. Im 15. Jahrhundert war die Abtei mehrfach den Zerstörungen durch Hussiten ausgesetzt und wurde um 1500 wiederaufgebaut. Die Zugehörigkeit zur Niederlausitz und damit zum Königreich Böhmen und seit 1635 zu Sachsen brachte vor allem Mönche aus Böhmen nach Neuzelle, die im 17. und 18. Jh. die barocke Umgestaltung und Erweiterung der Anlage veranlassten. Die Aufhebung des Klosters erfolgte 1817 mit der Übernahme der Niederlausitz durch Preußen. Die BesitztĂŒmer wurden in ein preußisches Stift Neuzelle ĂŒberfĂŒhrt. Die KlostergebĂ€ude werden seit 1820 fĂŒr Bildungs- und Verwaltungsaufgaben genutzt, die Klosterkirchen dienen als Pfarrkirchen.

VideoportrÀt Neuzelle

Klosteranlage

Im 17. und 18. Jh. wurde die Klosteranlage in ein reprĂ€sentatives Barockensemble umgebaut. Die Klausur, die Kirche und das Amtshaus mit dem „FĂŒrstenflĂŒgel” begrenzen den Stiftsplatz im Norden, westlich davon verlĂ€uft der Arkadengang mit Eingangsportal und Stiftskanzlei. Im SĂŒden stehen die „KutschstallgebĂ€ude” und im Osten erstreckt sich der Klostergarten. Die Stifts- und die „Leutekirche“, beide im Stil des sĂŒddeutsch-böhmischen Barocks, standen fĂŒr die neue GrĂ¶ĂŸe des Klosters im 18. Jh. SpĂ€tgotische Elemente des ursprĂŒnglichen Baus findet man noch in den KlausurrĂ€umen und im Kreuzgang.

Lage und Umgebung

Das Kloster liegt am östlichen Rand der Lieberoser HochflĂ€che in der historischen Grenzregion zwischen der Niederlausitz und der Mark Brandenburg. Westlich des Ortes erstreckt sich das eiszeitlich geprĂ€gte Schlaubetal, nördlich liegt EisenhĂŒttenstadt, die 1961 aus der Stadt FĂŒrstenberg und der Trabantensiedlung der Stalin-EisenhĂŒttenwerke entstand.

Highlights

Mit den prachtvollen Kirchen, den KlostergĂ€rten, dem Kreuzgang sowie KunstschĂ€tzen zĂ€hlt Neuzelle zu den grĂ¶ĂŸten Barockdenkmalen Ost- und Norddeutschlands. Auch Kulinariker und Musikfreunde kommen hier auf ihre Kosten: Branntwein und Bier werden produziert und das Festival „OperOderSpree“ belebt die Anlage alljĂ€hrlich mit Musiktheaterwochen.

Galerie

Das ehemalige Zisterzienserkloster Neuzelle

Museum im Kreuzgang

Die Ansicht des Klosters Neuzelle wird heute von der Barockarchitektur des 17. und des 18. Jahrhunderts geprĂ€gt. Dabei ist das Kloster in seinen verschiedenen Bauphasen zunĂ€chst im Stil der Gotik erbaut und erneuert worden, bis ab 1650 der barocke Umbau erfolgte. Heute eröffnet der Kreuzgang im KlausurgebĂ€ude mit seinen RĂ€umlichkeiten immer noch einen beeindruckenden Einblick in die gotische Architektur des Klosters und fĂŒhrt zurĂŒck in die mittelalterliche Klosterbaukunst

Nach fast zehnjĂ€hriger Bauzeit konnten die Maßnahmen zur Sanierung und Restaurierung des Neuzeller Kreuzganges und der anliegenden KlausurrĂ€ume 2009 zum Abschluss gebracht werden.

In den RĂ€umlichkeiten ist ein Klostermuseum entstanden. Die bereits 2004 eröffnete Ausstellung “Ora et labora” dokumentiert die Geschichte und die Bedeutung des Klosters In einem zweiten Ausstellungsteil werden unter dem Titel “Auf Leben und Tod” die spannungsreichen Wechselbeziehungen zwischen der Klostergeschichte und dem religiösen und politischen Zeitgeschehen dargestellt. Wertvolle EinzelstĂŒcke und KunstgegenstĂ€nde aus der Klosterausstattung veranschaulichen die Klostergeschichte.

Abt Martinus Graff

Zu den bedeutendsten Ausstattungsexponaten gehört der Weiheornat von Abt Martinus Graff, der von 1727 bis 1741 dem Kloster Neuzelle vorstand.

Abt Martinus wurde 1678 im Klosterdorf Wellmitz bei Neuzelle geboren und gilt heute als einer der bedeutendsten und bekanntesten Äbte des Klosters. Nach den Zerstörungen des 30-jĂ€hrigen Krieges und einer schwierigen Wiederaufbauphase, fĂŒhrte er das Kloster Neuzelle im 18. Jahrhundert nicht nur zu wirtschaftlicher BlĂŒte, sondern engagierte sich insbesondere auch fĂŒr die barocke Umgestaltung der Klosteranlage. Drei Tage nach der Weihe des barocken Hochaltars in der Stiftskirche starb Abt Martinus Graff am 27. September 1741.

Wertvolle Seidenstickerei

Sein Weiheornat gehört zu einer Sammlung von liturgischen GewĂ€ndern und anderen Textilien fĂŒr den sakralen Gebrauch, die zum großen Teil im 17. und 18. Jahrhundert in Sachsen oder Böhmen gefertigt wurden. Der Bestand gilt neben den PrunkgewĂ€ndern in Dresden als grĂ¶ĂŸte geschlossene Sammlung sĂ€chsischer Seidenstickerei.

Die kostbarste Stickerei besitzt der Ornat von Abt Martinus Graff, den er zur Weihe des barocken Altars in der Neuzeller Stiftskirche St. Marien am 24. September 1741 herstellen ließ. Herkunftsort und Herstellungsdaten des Ornats mit seinen Reliefstickreien mit Seiden- und MetallfĂ€den auf Leinengrund sind bisher nicht bekannt. Elf Teile des Ornats sind erhalten geblieben, darunter das Pluviale (Mantel), Kasel (Obergewand des Priesters), zwei Dalmatiken (Obergewand der Diakone), zwei Stolen (Amtsabzeichen), drei Manipel (Bekleidung der Handgelenke), Bursa (Stofftasche fĂŒr die Aufnahme der Korporale) und Palla (Schutztuch fĂŒr den Kelch).

Der neue Glanz

Die Arbeiten zur Restaurierung und PrĂ€sentation des Ornats wurden von den Textilrestauratoren vom Atelier Twist in Berlin durchgefĂŒhrt und durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung sowie die Sparkasse Oder-Spree finanziert. Zu den konservatorischen Arbeiten zĂ€hlten unter anderem die aufwendige Reinigung der OberflĂ€chen mit einem Mikrosauger sowie die umfangreiche nĂ€htechnische Sicherung am Grundgewebe, dem Futter, der Stickerei und den Borten. Besonders wichtig fĂŒr die dauerhafte Erhaltung des Weiheornats war die Entwicklung eines PrĂ€sentationskonzeptes. Neben der Schaffung optimaler Klima- und Lichtbedingungen war hierfĂŒr die Anfertigung von individuell angepassten StĂŒtzkonstruktionen erforderlich.

Text: Walter Ederer

Klosteranlage

Langes Bestehen

Das Kloster Neuzelle blieb von seiner GrĂŒndung im 13. Jahrhundert bis 1817 in den HĂ€nden der Zisterzienser. Unter preußischer Herrschaft wurde es letztendlich aufgehoben. Ernsthafte BauschĂ€den erlitt die Klosteranlage nur wĂ€hrend der HussiteneinfĂ€lle 1429 und 1432 sowie wĂ€hrend eine Großbrandes 1892. Sie war zwar im DreißigjĂ€hrigen Krieg von den Schweden besetzt und zeitweilig als Kloster aufgegeben, doch die Bauten ĂŒberstanden die Zeit. Die Anlage wurde bei der Reformationswelle des 16 Jahrhunderts nicht sĂ€kularisiert und erlitt keine gravierenden SchĂ€den im Zweiten Weltkrieg. So können wir heute ein beeindruckendes barockes Bauensemble auf einem Bergsporn ĂŒber der Oder bewundern.

UrsprĂŒnglich gotisch

Der Kern der ursprĂŒnglichen Anlage wurde zwischen 1290 und 1330 errichtet. Die Bauarbeiten zogen sich bis in die erste HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts hin. Von 1385 bis 1390 erweiterte man die Kirche und die Klausur.

Heute ist das mittelalterliche Kloster in der Form der vierflĂŒgeligen Anlage mit der Kirche im SĂŒden und im Inneren der Klausurbauten zu entdecken. SpĂ€tgotische Elemente finden sich noch im Bereich des Klausurerdgeschosses. Im OstflĂŒgel sind das backsteinerne Baudekor und die Kreuzrippengewölbe erhalten, im NordflĂŒgel kann man die Netzrippengewölbe des frĂŒhen 16. Jahrhunderts sehen. Auch der spĂ€tgotische Kreuzgang ĂŒberdauerte bis heute.

Nachdem das Kloster wirtschaftliche und politische Krisen des 15. bis 17. Jahrhunderts ĂŒberwunden hatte, baute man die gesamte Anlage zu einem reprĂ€sentativen Barockensemble um. Doch vor allem die Wiederaufbauarbeiten, die nach einem großen Brand in den Jahren von 1894 bis 1897 folgten, beeinflussten die Anlage nachhaltig und verĂ€nderten weitgehend ihre ursprĂŒngliche Form.

Die barocke Form

Die ehemalige Klausur und die Kirche, sowie das barocke Amtshaus mit dem “FĂŒrstenflĂŒgel” bilden heute den nördlichen Teil des den Stiftsplatz umschließenden Ensembles. Im Westen verlĂ€uft ein Arkadengang mit dem Klosterportal – beide von 1736 – und der Stiftskanzlei von 1723. Im sĂŒdlichen Teil des Stiftplatzes stehen die “KutschstallgebĂ€ude”, welche 1806 und 1840 einheitlich umgebaut wurden. Im Osten erstreckt sich der Barocke Klostergarten.

Ganz besonders spiegelt die barocke Klosterkirche die neue GrĂ¶ĂŸe und Bedeutung des Klosters im 18. Jahrhundert wider. Die ersten Umbauten der ursprĂŒnglich dreischiffigen, spĂ€tgotischen Hallenkirche erfolgten im Innenraum bereits im 17. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche neu konzipiert und dementsprechend umgestaltet. In den Jahren 1728 bis 1748 erhielt der Bau u.a. neue NebenaltĂ€re und einen neuen Altarraum. Die Außenfassade wurde neu gegliedert und den Formen des böhmischen Barocks angepasst.

Wo frĂŒher die Pfortenkapelle ihren Platz hatte, wurde in den Jahren 1728 bis 1734 eine zweite Kirche, die „Leutekirche“, errichtet, die höchste QualitĂ€t des sĂŒddeutsch-böhmischen Barocks aufweist.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder.Kölln 2
  • BADSTÜBNER, Ernst: Kloster Neuzelle. Berlin 1995.
  • KÜHN, Angelika: Kloster Neuzelle. In: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-UniversitĂ€t Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 122–128.
  • WITTKOPP, Blandine/SCHUMANN, Dirk: Neuzelle. Zisterzienser. Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 930–934.

Lage und Umgebung

Nacheiszeitliche Landschaft, seltene Tiere und Pflanzen

Die historische Lage des Dorfes und des Klosters Neuzelle in der Grenzregion zwischen der Niederlausitz und der Mark Brandenburg, im Land Beeskow-Storkow, trug dazu bei, dass der Ort sich im Laufe der Geschichte unter piastischer, sĂ€chsischer, brandenburgischer, böhmischer und preußischer Herrschaft befand. In geographischer Hinsicht liegt Neuzelle am östlichen Rand der Lieberoser HochflĂ€che, die dort zum Odertal hin malerisch abfĂ€llt und zusammen mit der Flussaue eine reizvolle Landschaft bildet.

Westlich von Neuzelle erstreckt sich der Naturpark Schlaubetal, der von den GewĂ€ssern der Schlaube, der Oelse, der Demnitz und der Dorche durchzogen wird – alle vier entstanden durch das Schmelzwasser der Weichseleiszeit. Die nacheiszeitliche Landschaft ist sehr vielfĂ€ltig und ĂŒberrascht durch Kontraste zwischen ruhigen Seen und reißenden BĂ€chen, weiten Feuchtwiesen und tiefen Schluchten, dichten MischwĂ€ldern mit Kiefern, Buchen- und Traubeneichen sowie moorigen ErlenbrĂŒchen. Die NaturrĂ€ume sind alle nahezu unberĂŒhrt und bieten LebensrĂ€ume fĂŒr ĂŒber 140 Vogel- und 1000 Pflanzenarten. Mehrere Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete wurden ausgewiesen, um die Besonderheiten der Natur zu bewahren. Dreizehn Tier- und Pflanzenarten, darunter zwei Orchideenarten und die Smaragdeidechse, sind in Brandenburg nur noch im Naturpark Schlaubetal anzutreffen.

SĂŒdöstlich von Neuzelle erstreckt sich der Landschaftspark Dorchetal, der zum Naturpark Schlaubetal gehört. Das 7km lange Tal der Dorche ist mit MischwĂ€ldern, kleinen Schluchten und Teichen durchzogen und wurde ebenfalls in der letzten Eiszeit geprĂ€gt. Der Wasserlauf spielte fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung des Neuzeller Klosters eine wichtige Rolle. Eine vielfĂ€ltige Pflanzen- und Tierwelt mit wilden Orchideen, Eisvögeln und Biebern ist hier heimisch.

Die sozialistische Vorzeigestadt

Einen starken und spannenden Kontrast zur umgebenden Natur bietet das nur 8km nördlich von Neuzelle liegende EisenhĂŒttenstadt. Es entstand 1961 aus der historischen Stadt FĂŒrstenberg an der Oder und der zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alten Trabantensiedlung der Stalin-EisenhĂŒttenwerke – der Stalinstadt. Als erste “sozialistische Stadt” der DDR sollte sie eine Vorzeigesiedlung der Eisenindustrie und des Staates werden. Ihr Bild prĂ€gen zahlreiche neoklassizistische Monumental- und Plattenwohnbauten. Die Hauptachse der Stadt bildet die Lindenstraße – frĂŒher Leninallee – vom Zentralen Platz bis zum mĂ€chtigen Haupttor der Werke. Die ehemalige Wohnstadt des HĂŒttenwerks steht als Ensemble unter Denkmalschutz.

Im Schatten der Industrie und der Bauten des 20. Jahrhunderts lebt im Norden von EisenhĂŒttenstadt immer noch die alte Stadt FĂŒrstenberg mit kleinen HandwerkerhĂ€usern und der spĂ€tgotischen Stadtkirche St. Nikolai. Die Ortschaft wurde Mitte des 13. Jahrhunderts gegrĂŒndet und gehörte eine geraume Zeit zum Grundbesitz des Klosters Neuzelle. Hier mĂŒndet auch der 1891 eröffnete Oder-Spree-Kanal in die Oder. Die 15m Höhenunterschied zum Fluss werden mit einer Zwillingsschleuse ĂŒberwunden, die heute als technisches Denkmal geschĂŒtzt ist.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder.Kölln 2
  • BEIER, Rosmarie (Hrsg.): aufbau west – aufbau ost. Die PlanstĂ€dte Wolfsburg und EisenhĂŒttenstadt in der Nachkriegszeit. Wissenschaftlicher Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung. Stuttgart 1997.
  • seenland-os.de/docs/Wandern-Tagestour/Dorchetal.html
  • brandenburg.rz.htw-berlin.de/schlaubetal.html
  • naturpark-schlaubetal.de/naturpark/index.htm

Touristisches Angebot 

Musik und Theater im barocken Bauensemble

Kloster und Stift Neuzelle bieten ein sehr umfangreiches und vielfĂ€ltiges Kulturprogramm an. Über die Einzelheiten und Termine informiert die tĂ€glich geöffnete Tourismusinformation des Amtes Neuzelle. Auf Besucher warten organisierte FĂŒhrungen durch das Kloster, aber auch durch die Klosterbrennerei und die -brauerei, an die man eine Verköstigung anschließen kann.

Auf dem ehemaligen KlostergelĂ€nde finden neben Ausstellungen, VorfĂŒhrungen des “Sommernachtskinos”, „Weltmusikkonzerten“, „SommerklĂ€ngen in der Orangerie“, Lesungen, regelmĂ€ĂŸig auch die Neuzeller Klosterkonzerte im Refektorium und das bekannte Musiktheaterfestival Oper Oder-Spree statt. Das Festival gehört seit Jahren zu den wichtigsten Kulturveranstaltungen in Brandenburg und findet, außer in Neuzelle, gleichzeitig in Frankfurt (Oder) und auf der Burg Beeskow statt.

Die Stiftung nimmt regelmĂ€ĂŸig am bundesweiten Tag der Parks und GĂ€rten und dem Tag des Offenen Denkmals teil. Je nach Schwerpunkt und Thema der Veranstaltungen werden im Kloster Aktionstage organisiert und kulturelle Sonderangebote vorbereitet. Das GaleriegebĂ€ude des Klosters beherbergt ein Antiquariat und ein KĂŒnstleratelier.

Kultur und Natur im Dorchetal

FĂŒr Wanderer und SpaziergĂ€nger ist besonders der Landschaftspark Dorchetal empfehlenswert. Ein 20km langer Rundweg fĂŒhrt von Neuzelle entlang des Bachs, durch Wiesen, WĂ€lder und an einigen kulturhistorischen SehenswĂŒrdigkeiten vorbei. So kann man die letzte noch intakte von sieben MĂŒhlen besichtigen. Heute ist die Schwerzkoer MĂŒhle ein liebevoll restauriertes Denkmal in einer nahezu unberĂŒhrten Natur und Ausflugslokal mit regionalem Schwerpunkt. Saisonale kulinarische Veranstaltungen und FĂŒhrungen durch das Tal werden hier angeboten.

Nach etwa der HÀlfte der Strecke kommt man am ehemaligen Gutshof Bomsdorf vorbei, der seit dem 14. Jahrhundert bis 1689 der Ritterfamilie von Bomsdorf gehörte. Das heutige Gutshaus, gelegen in einem schönem Park wurde jedoch durch ihren Nachfolger Friedrich von Hayn 1731 in Barockstil errichtet. Das frisch restaurierte Haus beherbergt heute eine GaststÀtte.

Ein Teil vom Ganzen

Das Dorchetal ist Teil des Naturparks Schlaubetal, der  sich auf einer FlĂ€che von 227,8km2 erstreckt. Besucher können ihn auf guten Wander- und Radwegen erkunden und Paddeltouren in der reizvollen Landschaft unternehmen. Auch thematische Gruppenreisen zu Natur und Kultur werden angeboten. Die beiden kleinen, die Gemeinde Schlaubetal und das malerische StĂ€dtchen MĂŒllrose mit seiner Tourismusinformation laden zum Verweilen ein und bieten eine Auswahl an Restaurants und CafĂ©s.

Gut speisen kann man natĂŒrlich auch in Neuzelle selbst. Die Klosterklause und das KulturcafĂ© Barocco in der Orangerie, das Landhotel Prinz Albrecht und das neue Klosterhotel, aber auch ein Weinladen, der SpezialitĂ€tenladen Himmlische Schwestern sowie die LĂ€den der Klosterbrennerei und -brauerei sorgen in der nĂ€chsten Umgebung des Klosters fĂŒr das leibliche Wohlbefinden der GĂ€ste. Auch in Neuzelle besteht eine Toursimusinformation.

Neuzelle erreicht man mit der Bahn RE11 von Frankfurt (Oder) bzw. von Cottbus, mit dem Auto von Berlin mit der A10 Richtung Frankfurt (Oder) und dann von der Abfahrt MĂŒllrose auf der B112.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • bomsdorferschlossgaststaette.de
  • hotel-neuzelle.de
  • hotel-prinz-albrecht.de
  • klosterbrauerei.com
  • neuzellerklosterbrennerei.de
  • klosterklause.de
  • naturpark-schlaubetal.de/naturpark/index.htm
  • neuzelle.de/index.php?page=bomsdorf
  • operoderspree.de
  • schlaubetal-online.de
  • schwerzkoer-muehle.de
  • seenland-os.de/docs/Wandern-Tagestour/Dorchetal.html
  • stift-neuzelle.de
  • tourismus.neuzelle.de

Geschichte

Schwierige AnfĂ€nge und großer Besitz

Die Geschichte des Klosters Neuzelle begann am 12. Oktober 1268. Der Wettiner Heinrich der Erlauchte (1221–1288), Markgraf von Meißen und der Ostmark, bekrĂ€ftigte mit der Unterzeichnung der GrĂŒndungsurkunde seine Absicht, „ein Kloster zu grĂŒnden und zu errichten zu Lob und Ehre der glorreichen und unversehrten Jungfrau Maria und in dieses Kloster Mönche des Zisterzienserordens zu berufen.“ Das Kloster sollte den Namen Neuzelle tragen.

Das Haus- und BegrĂ€bniskloster der Stifterfamilie Marienzelle bei Nossen wurde beauftragt, die KlostergrĂŒndung vorzunehmen.

Die Situation des Klosters war nach seiner GrĂŒndung 1268 und Besiedlung um 1280 weder gĂŒnstig, noch einfach. So ist auch der spĂ€te Baubeginn im frĂŒhen 14. Jahrhundert am heutigen Standort zu erklĂ€ren. Aber die Markgrafen zogen sich aus der Verantwortung fĂŒr die Anlage zurĂŒck, die Niederlausitz gelangte an die böhmische Krone. Und doch konnten die Zisterzienser bis 1370 einen enormen Besitz zusammentragen, zu dem nicht nur mehrere Dörfer und Wirtschaftshöfe gehörten, sondern auch das Hospital in Beeskow, die Burg Schiedlo (SzydƂów) und die kleine Stadt FĂŒrstenberg. Bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts verlor das Kloster immer wieder einige seiner BesitztĂŒmer, konnte jedoch auch einiges dazu erwerben.

Politisches und kulturelles Wirken

Die Äbte von Neuzelle erfreuten sich offensichtlich eines sehr guten Rufes, denn sie wurden auch von den höchsten Kreisen als Ratgeber oder Schiedsrichter berufen. Einige Konventsmitglieder absolvierten seit 1477 Studien an der UniversitĂ€t Leipzig. Das Kloster selbst war an der GrĂŒndung des Zisterzienser-Kollegs an der Alma Mater Viadrina in Frankfurt an der Oder in den Jahren von 1507 bis 1511 beteiligt.

Einen schweren RĂŒckschlag erlitt das Kloster mit der Zerstörung der Anlagen wĂ€hrend der Hussitenkriege. Zwei Mal – 1429 und 1432 – fielen die Truppen in das Kloster ein, töteten oder vertrieben seine Bewohner und zerstörten Teile der Bauten. Unter Abt Nikolaus II. von Bomsdorf (1432–1469) wurde das Kloster wieder aufgebaut.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam die wiedergewonnene stabile Situation des Klosters ins Wanken. Es kam zu innenpolitischen Konflikten und zu einer finanziellen Krise, die durch die neue Steuerpolitik des böhmischen Königshauses verursacht wurde. Die unruhigen Zeiten der Reformation trugen ebenfalls dazu bei und verĂ€nderten wesentlich die Ă€ußeren UmstĂ€nde. Der Konvent hielt zwar der neuen Lehre stand, doch um 1560 waren die meisten Gebiete um Neuzelle protestantisch.

Die BlĂŒtezeit

Das Kloster arrangierte sich mit der Situation und konnte im 17. Jahrhundert wieder StabilitĂ€t erlangen. Diese wurde jedoch durch den DreißigjĂ€hrigen Krieg wesentlich erschĂŒttert, so dass man von einer erneuten BlĂŒtezeit des Neuzeller Konvents erst im 18. Jahrhundert sprechen kann. Von dem großen Wohlstand zeugen heute noch die barockisierten KlostergebĂ€ude. Nachdem die Niederlausitz 1815 unter preußische Herrschaft gekommen war, wurde das Kloster 1817 aufgehoben. Die Anlage und der Besitz wurde dem preußischen Stift Neuzelle ĂŒbertragen, das als Forst- und DomĂ€nenverwaltung bis 1955 bestand. Die KlostergebĂ€ude wurden seit 1818 von Bildungseinrichtungen genutzt, 1991 erfolgte die GrĂŒndung eines Deutsch-polnischen Gymnasiums. Die beiden Barockkirchen dienen als Pfarrkirchen der Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinde.

1996 wurde erneut eine Stiftung, diesmal vom Land Brandenburg, ins Leben gerufen. Die Stiftung Stift Neuzelle betreut nun die Anlage als historisches Denkmal und Kulturzentrum. Bis zum 750. GrĂŒndungsjubilĂ€um im Jahr 2018 soll die Sanierung der Klosteranlage weitgehend abgeschlossen sein.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder.Kölln 2
  • BADSTÜBNER, Ernst: Kloster Neuzelle. Berlin 1995.
  • KÜHN, Angelika: Kloster Neuzelle. In: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-UniversitĂ€t Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 122–128.
  • TÖPLER, Winfried: Neuzelle. Zisterzienser. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 923–942.
  • TÖPLER, Winfried, Die Zisterzienserabtei Neuzelle in der Niederlausitz, Regensburg 2010
  • EDERER, Walter, SCHUMANN, Dirk, Kloster Neuzelle, Berlin-MĂŒnchen 2012

Kontakt

Stiftung Stift Neuzelle
Stiftsplatz 7
15898 Neuzelle

Telefon +49 (0)33652 8140
Email neuzelle@klosterland.de
Internet www.stift-neuzelle.de

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