Der christliche Garten in Berlin-Marzahn

Eine kleine Meditation

von Martin Erdmann

»Der Ort im Kloster, wo man Gott am nächsten ist, ist nicht nur die Kirche, sondern der Garten. Dort erfahren die Mönche ihr größtes Glück.«

Es erstaunt zu erfahren, dass dieses Zitat aus ganz alter Zeit zu uns herübergekommen ist. Es wird dem heiligen Pachomius (ca. 292- 346) zugeschrieben, der im vierten Jahrhundert die ersten Klöster mit gemeinschaftlichem Leben in Ägypten gründete. Er war Soldat, bevor er Mönch wurde, und entsprechend militärisch war auch die äußere Organisation seiner Klöster. Doch scheint er wohl gerade als Soldat eine besondere Beziehung zum friedlichen Leben im Garten gehabt zu haben. Und eine hohe Wertschätzung des Gartens begleitet die gesamte Entwicklungsgeschichte des christlichen Klosterwesens bis heute.

Wir wollen ein wenig beim Motiv des Klostergartens verweilen anhand eines Bildes, das einen neuen, besonderen Garten zeigt. Es ist der sogenannte Christliche Garten, und dieser liegt in einem sonst nicht so sehr beachteten Stadtteil Berlins, nämlich in Marzahn. Dort gibt es die bezaubernde Anlage der Gärten der Welt, und nachdem schon viele Jahre besonders die unterschiedlichen asiatischen Gärten die Besucher in den Bann ziehen, ist erst vor kurzem dieser christliche Garten entstanden.

Wenn wir uns diesen christlichen Garten genauer ansehen, kommen wir auf den Gedanken, dass dieser Garten die Form eines klösterlichen Kreuzgartens angenommen hat. Er ist im Quadrat angelegt und von einer Architektur umschlossen, die unschwer an den klösterlichen Kreuzgang erinnert, in dessen Mitte sich zumeist ein Garten befindet. Dieser Garten war schon im Mittelalter ein künstlerischer, symbolischer Garten, zumeist mit einem Kreuz oder Brunnen in der Mitte. Er diente nicht so sehr der Versorgung der Klosterinsassen, sondern dem Gebet und der Sammlung. Im Vergleich zu den anderen Gärten in Marzahn fällt auf, dass er besonders artifiziell wirkt. Seine Begrenzung ist nicht nur durch eine umlaufende Hecke gegeben, sondern durch ein ungewöhnliches metallenes Wortgeflecht. Dies gibt es nur hier, nicht aber in historischen Vorbildern der Klostergärten. Ein Garten, umgeben von Worten. Mir hat dies sehr zu denken gegeben.