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Kloster

Zisterzienserinnenkloster Altfriedland

Bild eines Klosters - Zisterzienserinnenkloster Altfriedland

Die GrĂŒndung der Zisterzienserinnenabtei durch die Askanier wird um 1230 vermutet, die erste urkundliche ErwĂ€hnung ist fĂŒr 1271 ĂŒberliefert. Der ursprĂŒngliche Name des Klosters, „Vredelant“ (Friedland, befriedetes Land), demonstrierte die Macht der brandenburgischen Markgrafen gegenĂŒber den schlesischen Piasten in Lebus. Maßgeblich fĂŒr die Besitzvermehrung und Entwicklung des Klosters war neben dem Grundbesitz die reiche Mitgift der Nonnen, die meist aus regionalen Adels- und reichen BĂŒrgerfamilien stammten. Das Kloster und seine Besitzungen wurden 1546 im Zuge der Reformation sĂ€kularisiert.

Icon eines Kalenders fĂŒr Klosterland-Veranstaltungen

Zisterzienserinnenkloster Altfriedland

Fischerstraße

15320 Neuhardenberg, OT Altfriedland

GrĂŒndungsjahr

1230

Ordenszugehörigkeit

Ziesterzienserinnen

VideoportrÀt Altfriedland

Klosteranlage

Von der mittelalterlichen Klosteranlage stehen heute noch ein Teil des WestflĂŒgels mit Kreuzgang und Refektorium sowie die ursprĂŒnglich gotische Klosterkirche. Im 16. Jh. wurde die Klosteranlage zum weltlichen Rittergut und die Bauten zu WirtschaftsgebĂ€uden umfunktioniert. An das Wirtschaftsgut erinnern heute noch das Roebelsche Haus aus dem 17. Jh. – ein Haus der ersten hier ansĂ€ssigen Ritterfamilie – und das barocke Gutshaus aus der ersten HĂ€lfte des 18. Jh.

Lage und Umgebung

Altfriedland liegt im Naturpark MĂ€rkische Schweiz und erstreckt sich am Rande des Oderbruchs. Die Klosterruine befindet sich malerisch gelegen auf einer Landzunge zwischen dem Kloster- und dem Kietzer See.

Highlights

Der Kreuzgang und das Refektorium mit seinem beeindruckenden Sterngewölbe sind fĂŒr Besucher zugĂ€nglich, die Klosterkirche wird als evangelische Gemeindekirche genutzt.

Die Konzertreihe „Musik im Kloster“ und der traditionelle „Kunstherbst im Kloster“ sind sehr beliebt. Der Klostersee mit seiner angrenzenden Liegewiese lĂ€dt im Sommer zum Baden und Verweilen ein. Im nur 4 km entfernten Neuhardenberg liegt die klassizistische Schlossanlage, die 1820 von Karl Friedrich Schinkel umgebaut wurde und ĂŒberregional bekannt ist.

Das Zisterzienserinnenkloster Altfriedland

Das Land der Zisterzienserinnen

Die Ortschaft Altfriedland trĂ€gt ihren Namen eigentlich erst seit 1845, nachdem im Oderbruch Neufriedland gegrĂŒndet worden war. Vorher hieß sie Friedland – befriedetes Land – und ihre Bezeichnung ging auf das Zisterzienserinnenkloster zurĂŒck, das um 1230 auf einem schmalen Landstreifen zwischen dem Kloster- und dem Kietzersee entstanden war.

Warum fĂŒr die Niederlassung eine nicht gerade gĂŒnstige und ungefĂ€hrliche Lage am Rande des Oderbruchs gewĂ€hlt wurde, ist schwer nachvollziehbar. Doch die Konventualinnen konnten kaum einen reizvolleren Platz fĂŒr ihren RĂŒckzug aus dem weltlichen Leben wĂ€hlen.

Die religiöse Frauenbewegung nahm im Mittelalter verschiedene Formen an. Vielen Frauen erschien ein Leben in einer Klostergemeinschaft erstrebenswert. Auch die reformatorischen Ideen der Zisterzienser mit ihrer RĂŒckkehr zur Einfachheit des Glaubens und des Lebens sprachen viele an. So schlossen sich bereits in der Entstehungszeit des Ordens Frauengruppen mit mĂ€nnlichen Gemeinschaften zusammen, was auf Widerspruch der OrdensvĂ€ter stieß. Noch zu Beginn des 13. Jahrhunderts war es den mĂ€nnlichen Zisterzienserklöstern verboten, neue Frauenzisterzen zu unterstĂŒtzen oder gar zu grĂŒnden. Der Adel sah dagegen im Klosterleben eine angemessene Versorgung fĂŒr unverheiratete Familienmitglieder. Mit dem RĂŒckhalt des Papstes und der Bischöfe unterstĂŒtzte er die NeugrĂŒndungen der Frauenklöster und trug zu einer raschen Entwicklung des Klosternetzes bei. Offiziell in den Orden aufgenommen wurden die weiblichen Gemeinschaften erst Ende des 13. Jahrhunderts. Die Inkorporation stellte die Nonnen unter den Schutz, aber auch unter die Aufsicht des Ordens.

Ideal und Wirklichkeit

Die Nonnen lebten genau wie die Mönche nach der Ordensregel der Zisterzienser, die ihren Ursprung in der Regel des hl. Benedikt von Nursia hatte. Im Vordergrund standen die Ideale eines gemeinschaftlichen, einfachen Lebens, das – fernab von weltlichen EinflĂŒssen und ohne Privatbesitz – mit Arbeit und Gebet erfĂŒllt sein sollte.

Dass man sich im Kloster Friedland nicht immer danach richtete, zeigen die Akten einer bischöflichen Visitation aus dem Jahr 1381. Die Nonnen standen demnach in regem Austausch mit ihren Familien und weltlichen BĂŒrgern, hielten die Klausur nicht ein, verließen das Kloster und empfingen GĂ€ste. Sie lebten weltlichen Kleiderluxus aus, verfĂŒgten ĂŒber eigene Dienerinnen oder sogar eigene Zimmer und feierten ausgelassen. Dies alles war u.a. deshalb möglich, weil die Schwestern teilweise ĂŒber private Leibrenten verfĂŒgten, was an sich bereits ein Verstoß gegen die Ordensregel war.

Das Verhalten der FriedlĂ€nder Zisterzienserinnen war in dieser Hinsicht sicher nicht die Regel, aber auch keine große Ausnahme. Viele rechtliche Zeugnisse, wie Visitations- oder Reformakten, literarische Quellen, wie Predigten und SchwĂ€nke, aber auch die in Klöstern entstandenen Koch- und BenimmbĂŒcher zeigen, dass weltliches und manchmal ausschweifendes Leben vielfach Eingang in den klösterlichen Alltag weiblicher und mĂ€nnlicher Gemeinschaften fanden.

In Frauenklöstern wurde dies besonders dadurch gefördert, dass der Zugang meist nur den Adels- oder wohlhabenden Kaufmannstöchtern offen stand. Im Gegenzug fĂŒr ihre Mitgift bekamen sie als Unverheiratete und Witwen ein ehrenhaftes Leben garantiert. Viele von ihnen lebten zudem als Stiftsdamen, die kein GelĂŒbde ablegten. Sie konnten ihr Vermögen behalten und selber verwalten, wobei sie nur ungern ihren frĂŒheren Lebensstandard aufgeben wollten.

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Verwendete Literatur:

  • BILANG, Karla: Die Frauenklöster der Zisterzienser im Land Brandenburg. Berlin 1989.
  • ELM, Kasper/FEIGE, Peter: Der Verfall des zisterzienserischen Ordenslebens im spĂ€ten Mittelalter. In: ELM, Kasper/JOERISSEN, Peter (Hrsg.): Die Zisterzienser. Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit. S. 237–242.
  • FRISKE, Matthias/GAHLBECK, Christian: Altfriedland. Zisterzienserinnen. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 72–88.
  • GRALAK, Justyna: Das Kloster Friedland. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-UniversitĂ€t Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 108–115.
  • REDDIG, Wolfgang F.: Die Organisationsstruktur des Ordens vom spĂ€ten Mittelalter bis zur Gegenwart. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-UniversitĂ€t Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 20–22.

Klosteranlage

Nonnen und Adlige in Friedland

Die GebÀude und Ruinen auf der schmalen Landzunge zwischen dem Kloster- und Kietzer See, die man heute besichtigen kann, zeugen von einer langen und ereignisreichen Geschichte des Ortes. Hier lebten und wirkten bis ins 16. Jahrhundert Zisterzienserinnen, hier betrieb man bis ins 18. Jahrhundert ein Rittergut und danach ein markgrÀfliches DomÀnengut.

Nach 1734 stand das Gut nacheinander unter der Obhut dreier adliger Familien. Die wechselnden Besitzer passten die Anlage baulich an ihre BedĂŒrfnisse an, die KlostergebĂ€ude wurden umgebaut oder wichen neuen Bauten.

 

Weil die GebĂ€ude von der Enteignung der letzten Besitzer 1945 bis 1985 sich selbst ĂŒberlassen blieben, verfielen sie. Teile wurden aus SicherheitsgrĂŒnden abgetragen. Und doch dominiert die Anlage mit ihrer interessanten Geschichte noch heute das Bild von Altfriedland.

Von der mittelalterlichen Klosteranlage ĂŒberdauerten ein Teil des westlichen KonventsflĂŒgels und die Klosterkirche. So sind ein StĂŒck des Kreuzgangs und das Refektorium erhalten. Der ehemalige zweischiffige Speisesaal der Nonnen ist im frĂŒhgotischen Stil erbaut und wurde in der zweiten HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts – vermutlich nach einem Klosterbrand – mit einem Sterngewölbe, das sich auf drei schlanke SĂ€ulen stĂŒtzt, ausgestattet.

VollstĂ€ndig intakt prĂ€sentiert sich dagegen die Klosterkirche. Vom ursprĂŒnglichen Bau sind allerdings nach vielen Umbauten nur noch wenige Elemente, so die Fußbodenplatten, eine steinerne Rosette und die Reste der spitzbogigen Fenster erhalten. Nach der SĂ€kularisation des Klosters blieb die Kirche bis ins 18. Jahrhundert ungenutzt. Nachdem die Dorfkirche baufĂ€llig geworden war, fasste man den Entschluss, die Klosterkirche an ihrer Stelle zur Gemeindekirche umzufunktionieren. So fĂŒhrte man 1733 grĂ¶ĂŸere Umbaumaßnahmen durch. Die bis dahin turmlose Kirche erhielt einen Glockenturm und ein neues Dachwerk. Weitere Umbauten erfolgten bis in die 1950er Jahre und verĂ€nderten die mittelalterliche Kirche weitgehend.

Zwei Höfe

Nachdem die Klosteranlage im 16. Jahrhundert zu einem weltlichen Rittergut geworden war, bekamen die Bauten eine neue Bestimmung zugewiesen. Sie dienten von nun an als WirtschaftsgebĂ€ude. Neuzeitliche Baulösungen sollten helfen sie praktischer zu gestalten. Man baute RĂ€ume an, verĂ€nderte Strukturen der Bauten und unterteilte die Anlage in zwei Höfe. So wurde der KonventsflĂŒgel seit dem 18. Jahrhundert als MĂ€lzerei, spĂ€ter zusĂ€tzlich als Brauerei und Brennerei genutzt.

Besteht auch heute keine Möglichkeit mehr, die Anlage in ihrer Gesamtentwicklung und -ausbreitung zu bewundern, so geben uns Schrift- und Bildquellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert darĂŒber Auskunft. Die Beschreibungen erwĂ€hnen mehrere WirtschaftsgebĂ€ude, eine neuzeitliche Probstei sowie das 1746 abgerissene Markgrafenhaus.

An das Wirtschaftsgut erinnern heute noch das Roebelsche Haus aus dem 17. Jahrhundert – ein Haus der ersten hier ansĂ€ssigen Ritterfamilie von Roebel – und das barocke Gutshaus aus der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts. Dieses zeichnet sich durch einen zweigeschossigen massiven Kopfbau aus der GrĂŒnderzeit aus, der – Ă€hnlich wie andere Umbauten an dem Gutshaus – auf das Betreiben der GrĂ€fin Luise von Oppen zurĂŒckgeht. DarĂŒber hinaus existieren noch die Stallscheune und die Gutsmauer. Sie beide stammen, wie das Gutshaus aus der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts.

Heute wird die Klosterruine durch Konzerte im ehemaligen Refektorium wiederbelebt. Der KonventsflĂŒgel ist gesichert und fĂŒr Besucher zugĂ€nglich gemacht, wĂ€hrend die Klosterkirche weiterhin Verwendung als evangelische Gemeindekirche findet. Eine Obstwiese auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Klostergartens wird wieder bewirtschaftet und der Klostersee bietet im Sommer BadegĂ€sten Erfrischung.

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Verwendete Literatur:

  • GRALAK, Justyna: Das Kloster Friedland. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-UniversitĂ€t Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 108–115.
  • ONASCH, Gregor/WITTKOPP, Blandine: Altfriedland. Zisterzienserinnen. Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 79–81.
  • SENST, Ingetraut: Gutachtliche Stellungnahme zum Denkmalwert. Gutsanlage mit Herrenhaus, Roebelschem Haus, Stallscheune, straßenseitiger GrundstĂŒckseinfriedung und Park, Fischerstraße 36–39, 15320 Altfriedland. Brandenburgisches Amt fĂŒr Denkmalpflege und ArchĂ€ologisches Museum. WĂŒnsdorf/Zossen 2001.

Lage und Umgebung

Am Rande des Oderbruchs

Altfriedland liegt an der Grenze der zwei Landschaften Barnim und Lebuser Land. Die Klosterruine befindet sich auf einer Landzunge zwischen dem Kloster- und dem Kietzer See. Die malerische Lage gewinnt noch mehr Reiz durch das Oderbruch, an dessen Rand sich die Ortschaft erstreckt.

Das Oderbruch, ein Oder-Binnendelta, dehnt sich in 60km LĂ€nge und bis 20km Breite aus und war vor seiner Trockenlegung in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine durch Moore und Feuchtwiesen geprĂ€gte Landschaft. Diese lassen sich noch auf der polnischen Seite finden, wĂ€hrend der westliche Teil durch Eindeichung und Urbarmachung in der Zeit Friedrichs des Großen zu einem wertvollen Landwirtschaftsgebiet wurde. Das Oderbruch wird im Osten vom NeumĂ€rkischen HĂŒgelland und der Wartheniederung und im Westen durch die Hochebenen des Barnims und der Lebuser Platte begrenzt. An den HĂ€ngen der Hochebenen liegen die Orte Seelow mit der GedenkstĂ€tte Seelower Höhen und Wriezen mit zahlreichen DenkmĂ€lern, u.a. der gotischen Marienkirche.

Altfriedland ist zudem von verschiedenartigen LandschaftsrĂ€umen umgeben: Das Strausberger Wald- und Seengebiet mit dem RĂŒdersdorfer MuschelkalkrĂŒcken, die HĂŒgellandschaft der MĂ€rkischen Schweiz, die bewaldeten Höhen des Barnims sowie die von Rinnen, Fließen und Seen durchzogene Lebuser Platte.

Schinkel und Lenné

Altfriedland gehört heute zur Gemeinde Neuhardenberg, bekannt durch die klassizistische Schloss- und Parkanlage. Der Ursprung des Schlosses war ein Herrenhaus, das seit 1814 zum Besitz der Familie von Hardenberg gehörte. 1820 wurde es von Friedrich Schinkel zu einem großzĂŒgigen, klar proportionierten und minimalistisch gehaltenem Schloss umgebaut. Peter Joseph LennĂ© und Hermann FĂŒrst von PĂŒckler-Muskau ĂŒbernahmen die Gestaltung des Gartens.

Die Ortschaft Neuhardenberg trÀgt auch an anderen Stellen die Handschrift Schinkels, und zwar sowohl bei der 1814 errichteten Dorfkirche, als auch bei der Dorfanlage und den HofhÀusern des Schlosses. Letztere entwarf er 1801 als junger Architekt, nachdem das Dorf durch einen Brand zerstört worden war.

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Literatur:

  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder. Köln 2
  • BECK, Friedrich/SCHMOOK, Reinhard (Hrsg.): Mythos Oderbruch. Das Oderbruch einst und jetzt. Berlin 2006.
  • FRISKE, Matthias/GAHLBECK, Christian: Altfriedland. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/HEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 72–88.

Touristisches Angebot

Musik und Geschichte

Die Anlage des Zisterzienserinnenklosters Friedland und des Wirtschaftsguts prÀgen heute mit ihren historischen Bauten das Bild des Ortes Altfriedland.

Der westliche KonventsflĂŒgel wurde gesichert fĂŒr Besucher zugĂ€nglich gemacht.

Durch Konzerte wird das Refektorium mit dem bewundernswerten Sternengewölbe wieder zum Leben erweckt und verzaubert durch seine einmalige AtmosphĂ€re. Von August bis September finden hier und in der Klosterkirche die traditionellen „Klosterkonzerte“ statt.

Der Verein LANGES HAUS Altfriedland e.V. ist Veranstalter des „AltfriedlĂ€nder Kunstherbst am Kloster“ und fĂŒhrt mit thematischen Wanderungen durch das Jahr. JĂ€hrlich findet am 1. Augustwochenende das AltfriedlĂ€nder Fischerfest auf der Festwiese am Klostersee statt.

Das in der NĂ€he gelegene Schloss Neuhardenberg wird von der Stiftung Schloss Neuhardenberg als Kulturzentrum betrieben. Hier finden Konzerte, TheaterauffĂŒhrungen und Konferenzen in der reizvollen Umgebung des klassizistischen Baus und der Gartenanlage statt. Bei den Veranstaltungen wird auf InternationalitĂ€t und die Öffnung nach Osteuropa Wert gelegt.

Radeln im Oderbruch

Radfreunde können auf verschiedenen Wegen wunderbar die Natur rund um Altfriedland und Neuhardenberg genießen. Mit E-Bikes lassen sich auch lĂ€ngere Strecken leicht ĂŒberwinden und beispielsweise das Oderbruch und die historischen Ortschaften Seelow, Wriezen, Lebus, den Kurort Bad Freienwalde oder Buckow, den einzigen Kneipp-Kurort Brandenburgs, besichtigen.

Buckow ist zudem das Zentrum des Naturparks MĂ€rkische Schweiz. Die FlĂ€che des Naturparks betrĂ€gt rund 205km2und wird von einem 150km langen Wanderwegenetz und dem Europaradweg Euroroute R1 durchzogen. Die Landschaft charakterisieren sanfte HĂŒgel und dichte WĂ€lder. Die AltfriedlĂ€nder Teiche sind EuropĂ€isches Vogelschutzgebiet.

Den Besuchern des Klosters Friedland bietet die Gemeinde Neuhardenberg mit ihren Ortsteilen zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Ferienwohnungen, Pensionen und Hotels stehen zur VerfĂŒgung, darunter auch das Hotel Schloss Neuhardenberg auf dem GelĂ€nde des Schlossparks. Speisen kann man außer in Hotelrestaurants und GaststĂ€tten auch in der KlosterschĂ€nke in Altfriedland. Die Betreiber setzen auf Produkte aus der Region. Frischer Fisch und handverlesene KrĂ€utertees können mit einem Blick auf den See und die Ruinen der ehemaligen Zisterzienserinnenabtei genossen werden.

Altfriedland und Neuhardenberg sind gut mit dem Auto von der Autobahn A12 oder ĂŒber die B1 oder die B167 zu erreichen.

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Quellen:

  • amt-neuhardenberg.de/
  • klosterkirche-altfriedland.de/
  • maerkischeschweiz.com/naturpark/
  • schlossneuhardenberg.de/

Geschichte

Befriedetes Land

Der Name der Zisterzienserinnenabtei „Vredelant“ – Friedland, befriedetes Land – verrĂ€t in Verbindung mit der Lage am Rande des Oderbruchs und der damaligen Mark Brandenburg sehr viel ĂŒber Motivation fĂŒr die GrĂŒndung des Klosters. So demonstrierte die Anlage die Macht der neuen Landesherren, der Brandenburgischen Markgrafen, die um 1230 den Barnim erworben hatten, gegenĂŒber den schlesischen Piasten in Lebus. Obwohl eine urkundliche ErwĂ€hnung des Klosters erst fĂŒr 1271 ĂŒberliefert ist, wird die GrĂŒndung bereits kurz nach 1230 als symbolischer Akt der Askanier vermutet. Diese statteten das neue Kloster großzĂŒgig mit Landbesitz aus, was eine stabile Grundlage fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung darstellte. Der Gesamtbesitz des Klosters konnte sich am Ende des 15. Jahrhunderts durchaus sehen lassen: Neun Dörfer, zwanzig EinzelgĂŒter, mehrere Seen und Fischteiche, MĂŒhlen und Weinberge, sowie zehn Kirchenpatronate. Sicher spielte bei der Besitzvermehrung auch die Tatsache eine Rolle, dass in Friedland meist Töchter des regionalen Adels und des reichen BĂŒrgertums aufgenommen wurden. Sie steuerten reiche Mitgift und Schenkungen zum Klosterbesitz bei. So konnte die Abtei trotz der unsicheren Lage in der Grenzregion und im gefĂ€hrdeten Oderbruch und trotz zweier BrĂ€nde sowie mehrerer Überschwemmungen zum Reichtum gelangen.

ora et labora

Das Kloster folgte der Ordensregel der Zisterzienser, war aber nicht in den Orden eingegliedert – was bei Frauenzisterzen oft der Fall war – sondern unterstand dem Bischof von Brandenburg. Genauso abgeschieden wie die Lage des Klosters auf der Landzunge zwischen zwei Seen, so zurĂŒckhaltend war die Teilnahme der Nonnen am politischen und wissenschaftlichen Leben der Mark Brandenburg. Aus den Quellen lĂ€sst sich nur wenig ĂŒber die TĂ€tigkeitsfelder der Schwestern entnehmen, Landwirtschaft und Besitzverwaltung mit Hilfe von Konversen standen wohl im Zentrum der klösterlichen AktivitĂ€ten. Die Nonnen fĂŒhrten vermutlich eine Schule, die auch fĂŒr Dorfkinder zugĂ€nglich war, und ein Hospital.

Der Alltag im Kloster ist nur anhand von Vergleichen mit anderen Frauenklöstern zu beschreiben. Vorstellbar sind jegliche Haushalts-, Garten- und Handarbeiten, die Frauen aus guten HÀusern zumutbar waren.

Der Grundsatz „ora et labora“ wurde jedoch von den FriedlĂ€nder Nonnen nicht immer befolgt. Dies zeigt eine Ermahnung des Bischofs Dietrich II. von Brandenburg, der 1381 das Kloster visitierte. Darin wird den Ordensschwestern ein weltlicher Lebensstil, gar Luxus, Kontakte mit der Außenwelt und Ungehorsam vorgeworfen. Besserung wurde unter Androhung der Exkommunikation, einer sehr drastischen Strafe, erwartet.

Wirtschaftsgut und starke Frauen

Das Kloster und seine Besitzungen wurden 1546 sĂ€kularisiert und gingen an den Landesherren ĂŒber. Den noch dort lebenden 40 Nonnen wurden das Bleiberecht eingerĂ€umt und großzĂŒgige EinkĂŒnfte belassen. Doch mussten die Schwestern von nun an die Verwaltung ihrer Anlage und des Besitzes an einen weltlichen Verwalter abtreten, was zu vielen Konflikten und Streitigkeiten fĂŒhrte. Als Joachim von Roebel die Klosteranlage 1564 kaufte, wohnten dort weiterhin ehemalige Ordensschwestern. Erst 1568 wurde das Kloster als Institution vom Markgrafen Joachim II. endgĂŒltig aufgehoben.

Zu diesem Zeitpunkt begann die Geschichte des Ortes Friedland als ritterlicher und adeliger Gutsanlage. Es wurden dort Obst, Wein und Tabak angebaut, Bier gebraut und Schnaps gebrannt. Nacheinander besaßen drei mĂ€rkische Adelsfamilien das Gut, die von Lestwitz, die von Itzenplitz und – bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs – die von Oppen. Aus den Familien sind besonders zwei Frauen hervorzuheben: Helene Charlotte von Friedland (+ 1803), eine herausragende Persönlichkeit ihrer Zeit und erfolgreiche GeschĂ€ftsfrau sowie GrĂ€fin Luise von Oppen (+ 1901), der das Gut seine endgĂŒltige bauliche Form verdankte.

Nach der Enteignung in Zuge der Bodenreform nach 1945 wurde das Kloster    von Fischern und GĂ€rtnern bewirtschaftet sowie teilweise als Wohnungen benutzt. Nichtsdestotrotz verfielen die Bauten zur Ruine. Bereits 1966 war ein Teil des Klosterdaches eingestĂŒrzt und 1969 verließ die letzte Familie ihre Unterkunft. Wesentliche Teile des Klosters mussten aus SicherheitsgrĂŒnden 1966 und 1971 abgetragen werden. Dank langjĂ€hriger BemĂŒhungen der BĂŒrger und der Gemeindevertretung wurden schließlich Ende 1984 erste Schritte unternommen, die Klosterruine vor fortschreitendem Verfall zu schĂŒtzen. Zwischen 1992 und 1995 fĂŒhrte man weitere Sanierungsarbeiten durch und stellte einen neuen Schutzdach ĂŒber dem Refektorium fertig.

ArchĂ€ologische Untersuchungen auf dem KlostergelĂ€nde folgten. Der zweite Teil der Sanierung des ruinösen Mauerwerkes wird Ende 2012 abgeschlossen sein. Daran knöpft 2013 die vollstĂ€ndige Erneuerung des vorhandenen Schutzdaches ĂŒber den gesamten Baukörper sowie eine Regulierung des GelĂ€ndeniveaus an. Die gesicherten Überreste des Klosters können heute besichtigt werden.

Ebenfalls die beiden GutshĂ€user –  das Roebelsche Haus aus dem 17. Jahrhundert und das barocke Gutshaus aus der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts – sowie die Gutsscheune dienten nach dem Zweiten Weltkrieg der Gemeinde. Die HĂ€user beherbergten FlĂŒchtlingsfamilien und spĂ€ter unterschiedliche Institutionen, wie beispielsweise eine Tischlerei, eine Poststelle, die Gemeindeschwesternstation, das GemeindebĂŒro mit Sitz des BĂŒrgermeisters, die Bibliothek, das LPG-BĂŒro sowie eine Konsum-Verkaufsstelle. Die Bauten wurden bis zum Auszug der letzten Bewohner 1996 durch unterschiedliche Sanierungs- und Baumaßnahmen instand gehalten.

Die Gutsscheune war bis 2005 in Benutzung, zunĂ€chst u.a. als Stall und Aufkaufstelle fĂŒr Tabak und seit 1974 als Jugendclub und  Versammlungs- und Festraum der Gemeinde.

2001 wurde ein denkmalpflegerisches Gutachten erstellt und die ersten Sanierungsarbeiten – u.a. Fundamentsanierung und Wiederherstellung der alten Raumaufteilung – des in den 90er Jahren der 20. Jahrhunderts verfallenen Gutshauses durchgefĂŒhrt. Sie wurden durch einen Privatinvestor finanziert.1

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Fußnote:

  1. FĂŒr die Informationen zur Nachkriegsgeschichte der Gutsanlage danken wir Herrn Dr. Hans-Hermann Kain und Herrn GĂŒnter Biesel (Persönliche Mitteilung von GĂŒnter Biesel vom 28.10.2012 sowie private Aufzeichnungen und Dokumente von Hans-Hermann Kain aus den Jahren 1974–2012).

Verwendete Literatur:

  • BIESEL, GĂŒnter u.a.: Ortschronik Altfriedland, Jahre 1987–2009.
  • FRISKE, Matthias/GAHLBECK, Christian: Altfriedland. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 72–88.
  • GRALAK, Justyna: Das Kloster Friedland. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-UniversitĂ€t Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 108–115.
  • SCHMIDT, Rudolf: Die Herrschaft Friedland: Nachrichten zur Geschichte von Alt- und Neufriedland, Gottesgabe, Carlsdorf, Kleinbarnim, etc. Im Auftrage des Kreisausschusses Oberbarnim. Bad Freienwalde (Oder) 1928.
  • SENST, Ingetraut: Gutachtliche Stellungnahme zum Denkmalwert. Gutsanlage mit Herrenhaus, Roebelschem Haus, Stallscheune, straßenseitiger GrundstĂŒckseinfriedung und Park, Fischerstraße 36-39, 15320 Altfriedland. Brandenburgisches Amt fĂŒr Denkmalpflege und ArchĂ€ologisches Museum. WĂŒnsdorf/Zossen 2001.

Kontakt

Dieter Arndt
Ortsvorsteher Altfriedland
Fischerstr. 8
15320 Neuhardenberg, OT Altfriedland

E-Mail altfriedland@klosterland.de
Telefon +49 (0)172 8884006
Internet www.kultur-altfriedland.de

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