Kloster

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Franziskanerkloster Kyritz

1. Allgemein

Ortsname
Kyritz
Institution des Mitglieds
Stadt
Arten Mitarbeitende in Tourismus und Kultur
fest
HaupteigentĂŒmer*In auf dem KlostergelĂ€nde
Stadt
Weitere EigentĂŒmer*Innen auf dem KlostergelĂ€nde
keine Angaben

2. Geschichte

GrĂŒndungsjahr
1275
GrĂŒndungsorden
Franziskaner
Auflösung
Reformation 16. Jh.
Jahr der Auflösung
1541
Fand eine Wiederbesiedlung statt?
Nein
Wiederbesiedlung Typ
nie wiederbesiedelt
Wiederbesiedelung Beschreibung
keine Angaben
Zentrale Begebenheiten
Anfang 14. Jh. Umbau und Bau Klosterkirche, 1427 - 1461 Provinzialminister Matthias Döring (ab 1427 Provinzialminister Saxonia, ab 1443 Ordensgeneral), Auflösung 1541, nach 1781 Abriss der Klosterkirche (außer Nordwand) und weiterer GebĂ€ude, Mitte des 18. Jahrhunderts Umbau des KlausurflĂŒgels zum barocken Wohnhaus, seit 2016 Entwicklung des Klosterviertels zum Kulturstandort der Stadt

3. Baulichkeiten

Geschlossenes Bild der Klosteranlage
nein
Klosterkirche vorhanden
teilweise
Weitere GebÀude aus Klosterzeit
KlausurflĂŒgel, Klostermauer, Pfortenhaus
Vorherrschender Architekturstil
keine Angaben
Vorherrschendes Baumaterial
Backstein, Feldstein
PrÀgende bauliche ErgÀnzungenaus nachklösterlicher Zeit
bis 2022: VeranstaltungsgebĂ€ude, VerbindungsgebĂ€ude fĂŒr Wechselausstellungen, CafĂ©, Sanierung ehemal. Brennerei mit Nutzung als Stadtbibliothek, weitere Sanierungen (teilwe. Bereits abgeschlossen)

4. Denkmalpflege

KlostergelÀnde ist FlÀchendenkmal
keine Angaben
Denkmalpflege Status
EinzeldenkmÀler
GebÀuderekonstruktion seit Mitte 20. Jahrhundert
Ja, und weitere in Planung
GebÀuderekonstruktion
ja und in Planung: Klostergarten, Klostermauer, Nordwand der Klosterkirche, Sanierung der GebĂ€ude Johann-Sebastian-Bach-Straße 4 und 6 (bereits fertig); in Planung: siehe "Baulichkeiten"
NutzungsÀnderungen seit etwa 1990
Ja, und weitere in Planung
NutzungsÀnderungen
Nutzung des Gartens fĂŒr Veranstaltungen, Johann-Sebastian-Bach-Straße 4 als Wohnhaus und KostĂŒmfundus/BĂŒro der Kyritzer Knattermimen, Johann-Sebastian-Bach-Straße 6 als Heimatstube, WĂ€scherei/chemische Reinigung auf dem Klostervorplatz (Abriss GebĂ€ude aus DDR-Zeiten 2018) und frĂŒhere Brennerei, vorĂŒbergehende Nutzung des KlausurflĂŒgels als Requisitenhaus und Ausstellungsraum (bereits fertig); in Planung: siehe "Baulichkeiten"

5. Nutzung

Nutzung der Klosterkirche
keine Angaben
Arten Nutzer*innen auf dem KlostergelÀnde
Vereine
öffentliche Einrichtungen
Sonstiges

6. Kultur

Kulturelles Zentrum
Ja: Klosteranlage, die sich ihrem SelbstverstÀndnis nach als kulturelles Zentrum der Region begreift
Ja: Klosteranlage, die sich ihrem SelbstverstÀndnis nach als kulturelles Zentrum der Region begreift
Ausstellungen werden angeboten
keine Angaben
Ausstellungen
Dauerausstellung und Wechselausstellungen

7. SpiritualitÀt

Eine geistliche Gemeinschaft ist im Kloster ansÀssig
nein
Lebens- und Wohnorte der Gemeinschaftsmitglieder
keine Angaben
Kirchengemeinde an Klosterkirche ansÀssig
keine Angaben
Konfession Kirchengemeinde
keine Angaben
Gibt es weitere Gottesdienstorte?
Ja
Weitere Gottesdienstorte sind
Klostergarten jÀhrlich zu Himmelfahrt (open air)
Gibt es weitere Formen spirituellen Engagements?
Nein
Formen des weiteren spirituellen Engagements
keine Angaben
Liegt das Kloster an Pilgerwegen?
Ja
Angebundene Pilgerwege
Berlin - Wilsnack
Kloster ist Wallfahrtsort
keine Angaben
Beschreibung des Wallfahrtsortes
keine Angaben

8. Wissenschaft

Kloster mit wissenschaftlicher Arbeit in den Bereichen Religion, Klosterkultur, Denkmalpflege, Ordensforschung oder Geschichte
in Planung
Formen wissenschaftliche Anbindung
MuseumsgrĂŒndung steht noch aus, daher noch keine Angabe möglich
Gibt es andere wissenschaftliche AktivitÀten?
in Planung
Andere Wissenschaftliche Arbeit
MuseumsgrĂŒndung steht noch aus, daher noch keine Angabe möglich

9. Tourismus

Ist Klosteranlage offen fĂŒr touristische Nutzung
ja
Gibt es ein gastronomisches Angebot
Nein, nur weiter entfernt
In Planung
Werden Klosterprodukte vermarktet?
Nein

10. Klosterkultur

Sind Arbeitsbereiche mit einem Bezug zur Klosterkultur dauerhaft ansÀssig?
In Planung
Formen der Klosterkultur
Bildung ermöglichen (Schule, KiTa, Bibliothek, pÀdagogische Programme etc.)
Kreativ tÀtig sein
Formen der Klosterkultur Beschreibung
keine Angaben

11. Vernetzung

Kloster arbeitet in Netzwerken mit
Ja
Art von Netzwerken
Tourismus
Kultur
Kirche oder religiöse Netzwerke
Bildungspolitik
Wissenschaft
Denkmalpflege
Landschaftspflege
Wirtschaft

12. Kernkompetenzen

Kloster verfĂŒgt Kernkompetenzen in
Kultur
Tourismus
Bildung
Archiv & Geschichte
Beschreibung Kernkompetenzen und weitere Ansprechpartner
Partizipative Entwicklung eines brachliegenden, denkmalgeschĂŒtzten GebĂ€udekomplexes zum Kulturstandort der Stadt mit ĂŒberregionaler Ausstrahlung; Sanierung eines denkmalgeschĂŒtzten GebĂ€udekomplexes; Partizipativer Aufbau eines stadtgeschichtlichen Museums; Neueinrichtung einer Stadtbibliothek in einem historischen GebĂ€ude; Neueinrichtung einer Touristinformation in Kombination mit einem Museumsshop/-Empfang; Kulturelle Nutzung des GelĂ€ndes wĂ€hrend der Baumaßnahme
Bild eines Klosters - Franziskanerkloster Kyritz

Franziskanerkloster Kyritz

Johann Sebastian Bach Straße 6

16866 Kyritz

GrĂŒndungsjahr

1275

Ordenszugehörigkeit

Franziskaner

Das Franziskanerkloster St. Johannis in Kyritz entstand in der zweiten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts. Im ausgehenden Mittelalter erlangte das Kloster innerhalb des Konvents ĂŒberregionale Bedeutung. Zu den Förderern des Klosters gehörten markgrĂ€fliche AmtstrĂ€ger, aber auch wohlhabende BĂŒrger – und nicht nur aus Kyritz. Nach der Aufhebung des Klosters 1541 erhĂ€lt ein Landadliger das KlostergelĂ€nde als Lehen und ĂŒbertrĂ€gt einen Teil der Anlage an die Stadt als Armenhaus. Nachdem diese GebĂ€ude verfielen, erfolgt zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Abriss. Die Klosterkirche diente im 17. Jahrhundert als Stadt- und danach als Garnisonskirche und wurde Ende des 18. Jahrhunderts bis auf den erhaltenen Teil der nördlichen LĂ€ngswand abgebrochen. Lediglich der als Wohnhaus genutzte und in Barock umgebaute KlausurflĂŒgel blieb erhalten. In den Jahren 2013/14 wurden die erhaltenen Teile der Nordwand, des Kirchenschiffs mit dem Pfortenhaus, die Stadt- und Klostermauer sowie der Gartenpavillon saniert.

Klosteranlage

Das Kloster war ursprĂŒnglich – wie fĂŒr den Bettelorden typisch – eine vierflĂŒgelige Anlage mit turmloser Kirche. Das erhaltene zweistöckige ehemalige KlausurgebĂ€ude im frĂŒheren OstflĂŒgel beherbergte einst den Kapitelsaal sowie den Speise- und Schlafsaal der Mönche. An der Klosteranlage wurde stĂ€ndig gebaut, anfangs mit geschlagenen Feldsteinen und spĂ€ter mit Ziegeln (Klosterformat). In der zweiten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts wurde der hochgotische Kirchenbau gewölbt, und auch der KlausurflĂŒgel wurde um den nördlichen Teil erweitert.

Lage und Umgebung

Die im Nordwesten Brandenburgs gelegene Kulturlandschaft Prignitz zeichnet sich durch gut erschlossene Rad- und Wanderwege aus. Im Herbst und Winter rasten tausende Zugvögel in den Prignitzer Elbauen, die seit 1999 zum UNESCO-BiosphĂ€renreservat Flusslandschaft Elbe gehören. Das Kloster liegt in der Ostprignitz, am Rand der Kyritzer Altstadt mit dem historischen Marktensemble, FachwerkhĂ€usern und der St. Marienkirche. In unmittelbarer NĂ€he bietet die Kyritzer Seenkette beste Bedingungen fĂŒr sportliche BetĂ€tigung, Erholung und Naturbeobachtungen.

Highlights

Seit Mitte der 1990er Jahre finden im Garten der leerstehenden Klosteranlagen auf einer Open-Air-TheaterbĂŒhne vielfĂ€ltige Kulturveranstaltungen statt. Mit dem jĂ€hrlichen „Bassewitztag“ feiert Kyritz, auch bekannt als „Kyritz an der Knatter“, seine Stadtgeschichte.

Das ehemalige Franziskanerkloster Kyritz

Entwaffnende Natur

Pregyncia, „ungangbares Waldgebiet“, nannten die Wenden die Landschaft, inmitten derer im 10. Jahrhundert Kyritz entstand.[1] Im Nordwesten Brandenburgs, auf halbem Wege zwischen Hamburg und Berlin gelegen, zeichnet sich die Prignitz heute als Kulturlandschaft mit gut erschlossenen Rad- und Wanderwegen aus. Neben dem Elberadweg, dem beliebtesten Fernradweg Deutschlands und der landesweiten Tour Brandenburg, existieren mit der GĂ€nsetour, der Bischofstour und der Dosse-StĂ€dte-Tour mehrere regionale Routen.[2] Die Dosse-StĂ€dte-Tour ist Teilstrecke der Tour 2 der Radrouten „Historische Stadtkerne des Landes Brandenburg“, die vom ADFC mit vier Sternen ausgezeichnet wurde. Wanderer auf den Spuren des mittelalterlichen Pilgerwegs Berlin-Wilsnack gelangen auf der fĂŒnften Etappe von Wusterhausen kommend in die Hansestadt Kyritz. An der etwa 20 Kilometer langen Kyritzer Seenkette mit der Untersee-Insel, zwei StrandbĂ€dern, mehreren Badestellen, Bootsverleih und Fahrgastschifffahrt finden Schwimmer, Segler, Angler, Radfahrer und Wanderer beste Bedingungen fĂŒr sportliche BetĂ€tigung, Erholung und wunderbare Naturbeobachtungen. Im Herbst und Winter rasten tausende Zugvögel in den Prignitzer Elbauen, die seit 1999 zum UNESCO-BiosphĂ€renreservats „Flusslandschaft Elbe“ gehören. Bekannt und geschĂ€tzt als eine der storchenreichsten Gegenden Europas nistet Meister Adebar in vielen historischen Stadtkernen in der Prignitz, die mit ihren Burgen, Schlössern und Klöstern von der bewegten Geschichte der Vormark erzĂ€hlen.[3]

Entwaffnete Raubritter

Dazu gehörten auch, historisch nicht gesichert, aber bis heute mit einem mittelalterlichen Festspiel vergnĂŒglich und sehenswert gefeiert, die fehlgeschlagenen Eroberungsversuche des Ritters Kurt von Bassewitz, der 1381 und 1411 die reiche Handels- und Hansestadt Kyritz bestĂŒrmte.[4] Neben dem Bassewitztag, der jedes Jahr am Montag nach Invokavit (dem 6. Sonntag vor Ostern) mit einem Festgottesdienst begangen wird, feiern die Kyritzer mit der „Langen Nacht des Bassewitz“ jedes zweite Jahr im SpĂ€tsommer ein Freiluftspektakel, dass bei freiem Eintritt ein ganzes Wochenende lang ein buntes Mittelalterprogramm mit Gottesdienst, Bassewitz-Szenen der Kyritzer Knattermimen, Ritterspielen fĂŒr Kinder und einem Mittelaltermarkt bietet. Dem Verein „Kyritzer Knattermimen“ e.V. ist es auch zu verdanken, dass der Jahrzehnte lang verwilderte Garten des ehemaligen Franziskanerklosters – eines der Ă€ltesten Bauwerke der Stadt – seit 1996 in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Kyritz entrĂŒmpelt und zwischen gotischen Mauerresten eine KleinkunstbĂŒhne eingerichtet werden konnte, die mit ihrem wildromantischen Ambiente im weiten Umkreis ihres gleichen sucht.[5]

Quellen - Bitte hier klicken

Fußnoten:

  1. Die Stiftungsurkunde des Bistums Havelberg verzeichnete den Ort Kyritz 948 erstmals, da er zum bischöflichen Sprengel gehörte; vgl. EICHENHOLZ, Paul: Kyritz. In: BÜTTNER, Georg (Hrsg.): Die KunstdenkmĂ€ler des Kreises Ostprignitz. Berlin 1907, S. 124-146, S. 125.
  2. Zur Prignitz allgemein vgl. FALKENHAUSEN, Elisabeth v.: Die Prignitz entdecken. Natur und Kultur einer Region. Berlin 52013 sowie die entsprechenden Onlineportale. Detaillierte Tourempfehlungen durch die Prignitz im Stationsbuch www.dieprignitz.de/fileadmin/user_upload/PDF_Uploads/Stationsbuch_innen.pdf
  3. Als besonderes „Storchenparadies“ gilt das StĂ€dtchen RĂŒhstĂ€dt; vgl. http://www.reiseland-brandenburg.de/reiseziele/prignitz.html.
  4. Theodor Fontane berichtet in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg, dass 1381 ein von Bassewitz Kyritz bestĂŒrmte, die gut bewehrten Stadtmauer, die heute das Kyritzer Stadtwappen ziert, jedoch nicht ĂŒberwinden konnte. Auf Grund ihrer strategisch gĂŒnstigen Lage an der Handelsstraße Berlin-Hamburg sowie einem weitverzweigten GewĂ€ssernetz war Kyritz, seit 1359 Mitglied der Hanse, zu Ansehen und Wohlstand gelangt. Der Raubritter Kurt von Bassewitz, Nachkomme des 30 Jahre zuvor gescheiterten, unternahm darum 1411 einen weiteren Versuch die Stadt zu erobern. Er grub einen Tunnel, dessen Bau bereits weit fortgeschritten war, als ein Gefangener im Stadtturm ein HĂ€mmern und Klopfen vernahm und den BĂŒrgermeister in Kenntnis setze. Als Bassewitz auf offenem Marktplatz zutage stieg sah er sich von wĂŒtenden Kyritzer BĂŒrgern umstanden, die ihn auf der Stelle gefangen setzten und mit dem eigenen Schwert enthaupteten. Der StrĂ€fling, der die rettende Warnung gegeben hatte, wurde begnadigt. „Schwert und Panzer aber befinden sich bis diesen Tag im Rathause, wĂ€hrend die Stadt selbst alljĂ€hrlich am Montage nach Invokavit ihr doppeltes Bassewitzfest feiert“ (FONTANE, Theodor: Spreeland. Wanderungen durch die Mark Brandenburg IV. In: ders.: SĂ€mtliche Werke. Bd. 1-25. MĂŒnchen 1959-1975. Bd. 13, S. 397). Das Schwert ist auch heute noch im Rathaus von Kyritz zu besichtigen; vgl. OEFELEIN, Rainer: Brandenburg. Auf den Spuren des mittelalterlichen Pilgerweges Berlin-Wilsnack. Welver 2006, S. 65f.
  5. www.kyritzer-knattermimen.de. Historische Aufnahmen vom Bassewitzfest und umfangreiche Informationen zum Kyritzer Gelehrten Matthias Döring bietet die Seite des Kyritzer Knattermimen Eckhard Kutzer: http://www.eckhardkutzer.de/46001.html.

Quellen:

  • BIKELINE: Radtourenbuch. Radfernweg Tour de Brandenburg. Rund um Berlin durch ganz Brandenburg. Wien/Berlin 2007.
  • EICHENHOLZ, Paul: Kyritz. In: BÜTTNER, Georg (Hrsg.): Die KunstdenkmĂ€ler des Kreises Ostprignitz. Berlin 1907, S. 124-146, S. 125.
  • FALKENHAUSEN, Elisabeth v.: Die Prignitz entdecken. Natur und Kultur einer Region. Berlin 52013.
  • FONTANE, Theodor: Spreeland. Wanderungen durch die Mark Brandenburg IV. In: ders.: SĂ€mtliche Werke. Bd. 1-25. MĂŒnchen 1959-1975. Bd. 13, S. 397.
  • OEFELEIN, Rainer: Brandenburg. Auf den Spuren des mittelalterlichen Pilgerweges Berlin-Wilsnack. Welver 2006.
  • http://www.dieprignitz.de/fileadmin/user_upload/PDF_Uploads/Stationsbuch_innen.pdf
  • http://www.reiseland-brandenburg.de/reiseziele/prignitz.html
  • http://www.dieprignitz.de
  • www.kyritzer-knattermimen.de

Klosteranlage

Anlage und Nutzung der ehemaligen KlostergebÀude

Wo im Nordwesten von Kyritz heute die Gartenstraße verlĂ€uft, begrenzten frĂŒher die Wallanlagen die Stadt und das Franziskanerkloster. Das erhaltene zweistöckige KlausurgebĂ€ude beherbergte einst das Refektorium, den Kapitelsaal und das Dormitorium des Konvents. Bauhistorische Untersuchungen in den 1990er Jahren offenbarten vier mittelalterliche Bauphasen. Der aus Feldstein errichtete Anfangsbau wurde noch vor 1300 mit Ziegelsteinen weitergefĂŒhrt und um 1350 betrĂ€chtlich aufgestockt. Um 1450, zur Zeit als Matthias Döring Franziskaner-Provinzial war, wurde das KlausurgebĂ€ude nach Norden verlĂ€ngert.[1] Ein Gewerkhaus und eine Gerbkammer gehörten zu den WirtschaftsgebĂ€uden des Klosters.[2] Die Reste der sĂŒdlichen Pforte an der RĂŒckseite der Klosterkirche lassen auf einen zweigeschossigen Kreuzgang schließen.[3] Vom WestflĂŒgel der Klausur sind allein die Ruinen eines kleinen mit Diagonalstrebepfeilern besetzten zweigeschossigen Baus erhalten, in dessen auf einem Kreuzgewölbe ruhendem Obergeschoss eine TĂŒr nach Osten in die Apsis der Klosterkirche fĂŒhrte.[4]

Klosterkirche

Ähnlich den KlausurflĂŒgeln wurde auch die einschiffige, turmlose Konventskirche im SĂŒden der Klausur zunĂ€chst in Feldstein begonnen, um in der zweiten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts gewölbt zu werden und ihren bis heute sichtbaren Backsteinteil zu erhalten.[5] Der in annĂ€hernd ganzer Höhe nur als sĂŒdliche Giebelwand des KlausurgebĂ€udes erhaltene Teil der nördlichen LĂ€ngswand der Klosterkirche maß einstmals 50 m und reichte bis in den heutigen Straßenraum der Johann-Sebastian-Bach-Straße.[6] Paul Eichenholz rekonstruiert in seiner Beschreibung einen hochgotischen Kirchenbau von knappster Einfachheit, dessen WandflĂ€chen bis zum KĂ€mpfer aus verputzten Feldsteinmauerwerk bestanden, ĂŒber dem sich putzfreier Backstein erhob, an den Kapitellen zierlich mit WeinblĂ€ttern geschmĂŒckt. Auf diesen setzten die fĂŒr die Gotik typischen Spitzbögen auf, deren Rippen mit birnenförmigem Profil verziert waren. Durch die bunte Bleiverglasung der Rundfenster fiel farbiges Licht ins Innere.[7] Der eine Marienkrönung zeigende dreiflĂŒgelige Hauptaltar, an dessen Fuße ehedem der Grabstein Matthias Dörings lag, war 1753 noch vorhanden.[8] Das reiche Kircheninventar dagegen, war bereits kurz nach der Aufhebung des Klosters vom Kyritzer Rat beschlagnahmt worden und ist ebenso verloren wie das Archiv und die Bibliothek des Klosters.[9]

In der erhaltenen LĂ€ngswand der ehemaligen Klosterkirche sind mehrere zugesetzte Öffnungen verschiedener Form sichtbar, von denen die im Erdgeschoss liegenden deshalb sehr niedrig erscheinen, weil man den Boden ĂŒber die Jahrhunderte um etwa einen Meter aufgefĂŒllt hat. Die SpitzbogentĂŒr auf der rechten Seite fĂŒhrte in das Erdgeschoss des anstoßenden Dormitoriums, womöglich in die Sakristei. Die mittig ĂŒber Resten von Balken und einer Schwelle in Höhe des Obergeschosses liegende TĂŒr fĂŒhrte in den Schlafsaal der Mönche. Die linksseitig liegenden Öffnungen gehörten zu den beiden Geschossen des nebenliegenden Kreuzganges, dessen SchildbogenansĂ€tze auf der Nordseite der Kirchenwand noch heute zu sehen sind.[10]

Quellen - Bitte hier klicken

Fußnoten:

  1. EICHENHOLZ: Kyritz. In: BÜTTNER (Hrsg.): KunstdenkmĂ€ler, S. 135f.; Weigel, Kyritz,In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 709)
  2. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 709
  3. Die Jocheinteilung zeigt, dass sieben schmale Joche an den Enden von je zwei breiten eingeschlossen waren. Eichenholz hĂ€lt es jedoch fĂŒr fraglich, ob man hieraus auf zwei anschließende nordsĂŒdlich verlaufende Hallen von zwei Joch Tiefe schließen darf; EICHENHOLZ: Kyritz. In: BÜTTNER (Hrsg.): KunstdenkmĂ€ler, S. 141.
  4. ebd.
  5. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S.709f.
  6. EICHENHOLZ: Kyritz. In: BÜTTNER (Hrsg.): KunstdenkmĂ€ler, S. 137. Die Fundamente der Kirche wurden beim Pflastern der Straße gefunden. Eichenholz schlussfolgert aus der Richtung der kurzen AnsĂ€tze der Diagonalrippen an der heute freiliegenden Innenwand der Klosterkirche auf eine Breite des GebĂ€udes von etwa 10 m; vgl. ebd.
  7. EICHENHOLZ: Kyritz. In: BÜTTNER (Hrsg.): KunstdenkmĂ€ler, S.138. ArchĂ€ologische Funde deuten auf eine bunte Bleiverglasung der Rundfenster; vgl. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 710.
  8. BEKMANN, Johann C.: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg nach ihrem Ursprung, Einwohnern, NatĂŒrlichen Beschaffenheit [etc.]. Bd. 2 Berlin 1753 (= Nachdr. Hildesheim 2004), S. 159.
  9. 1549 beschwerten sich vier Franziskaner wegen der Beschlagnahme des Kircheninventars, darunter zwei Kelche, fĂŒnf Pacificale, ein goldenes Kreuz, ein Salvator, andres Silber und zwei KristallgefĂ€ĂŸe; vgl. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 710.

Quellen:

  • BEKMANN, Johann C.: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg nach ihrem Ursprung, Einwohnern, NatĂŒrlichen Beschaffenheit [etc.]. Bd. 2 Berlin 1753 (= Nachdr. Hildesheim 2004)
  • EICHENHOLZ, Paul: Kyritz. In: BÜTTNER, Georg (Hrsg.): Die KunstdenkmĂ€ler des Kreises Ostprignitz. Berlin 1907, S. 124-146.
  • WEIGEL, Petra: Kyritz. Franziskaner. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 1 Berlin 2007, S. 707- S.713.
  • WENTZ, Gottfried: Das Franziskanermönchskloster Kyritz, in: Ders.: Das Bistum Havelberg. Der Germania Sacra 2. Im Auftrag des Kaiser-Wilhelm-Instituts fĂŒr Deutsche Geschichte. Leipzig 1933 (= Neudr. 1963), S. 344-348.

Ausflugstipps rund um Kyritz

Alle folgenden Tipps finden Sie hier zum Download und Druck als PDF.

Kyritz und Umgebung

Auch bekannt als „Kyritz an der Knatter“, weil an dem FlĂŒsschen JĂ€glitz, das durch Kyritz fließt, frĂŒher zahlreiche WassermĂŒhlen lagen, die schon von weither zu hören waren. Ein Exportschlager aus Kyritz war im ausgehenden Mittelalter ein Bier mit dem freundlichen Namen „Mord und Totschlag“, das u.a. bis nach LĂŒbeck exportiert wurde. Bis zu ihrer Schließung wurde das Bier in der nahe gelegenen Dessower Brauerei gebraut. Die Brautradition des kraftvollen Schwarzbiers wird heute von der Neuzeller Klosterbrauerei fortgefĂŒhrt.

Der 30jĂ€hrige Krieg fĂŒhrte auch in Kyritz zum Niedergang der Stadt, die zu einem unbedeutenden AckerbĂŒrgerstĂ€dtchen herabsank. Im Zuge der Kreis-Hardenbergschen Reformen wurde Kyritz 1817 Kreisstadt fĂŒr die Ostprignitz. Der spĂ€tere PrĂ€sident der DDR, Wilhelm Pieck, verkĂŒndete am 2. September 1945 in Kyritz das Programm der Bodenreform, das die entschĂ€digungslose Enteignung von Grundbesitz ĂŒber 100 ha und die Verteilung an landarme Bauern, Landarbeiter und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten vorsah. 1952 wurde die ehemalige Ostprignitz in die Kreise Kyritz, Pritzwalk und Wittstock geteilt, mit der Kreisneugliederung 1993 ging Kyritz dieses Privilegs verloren.

Ein Tag in Kyritz

Das Stadtbild wird durch einen großen Bestand an FachwerkhĂ€usern geprĂ€gt, deren Sanierung anlĂ€sslich der 750-Jahrfeier im Jahr 1987 begann und nach 1990 bis heute kontinuierlich fortgesetzt wurde. Auch Teile der Stadtmauer sind erhalten geblieben.

Der Marktplatz wird von einem klassizistischen Rathaus dominiert, in dessen Ratssaal das Bassewitzschwert ausgestellt ist. Der Überlieferung nach grub sich der Ritter Bassewitz bei seinem zweiten Versuch, die Stadt zu erobern, unter der Stadtmauer durch. Ein im Keller des GefĂ€ngnisses festgesetzter Bösewicht hörte GerĂ€usche – so vorgewarnt konnten die Kyritzer BĂŒrger den Ritter beim Durchbruch auf den Markt mit heißem GrĂŒtzbrei empfangen, den sie ihm ĂŒber den Kopf gossen. Mit dem ausgestellten Schwert soll der Ritter 1411 hingerichtet worden sein. Ein Brunnen auf dem Marktplatz und eine Figurengruppe erinnern an dieses Ereignis. Ebenfalls im Rathaus aufbewahrt wird eine seltene Kölnische Bibel von 1478.

Die Marienkirche, eine dreischiffig kreuzgewölbte Backsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert, ist eine weitere SehenswĂŒrdigkeit der Stadt. Durch Brand wurde sie mehrfach zerstört, im 18. Jahrhundert erhielt sie einen barocken Umbau, 1849 durch Friedrich August StĂŒler eine neugotische Turmfassade (wegen der besonderen Form im Volksmund auch „Kyritzer Stiefelknecht“ genannt). Der Innenraum zeigt spĂ€tgotische Plastiken – Maria und Anna Selbdritt, Altar- und Kanzel aus der barocken Umbauphase, eine Reubke-Orgel (1873) und Kunstwerke wie u.a. GemĂ€lde aus der Rubensschule „Kreuztragung Christi“.

Ein Wochenende in Kyritz und Umgebung

Vorschlag 1

Tag 1: Von Berlin ĂŒber die A24 bis Neuruppin mit Stadtrundgang und Kaffeetrinken im CafĂ© und Restaurant Tempelgarten dann weiter bis Heiligengrabe und Einchecken im Kloster, Abendessen im Klosterhof.

Tag 2: Aufbruch nach dem FrĂŒhstĂŒck nach Kyritz ĂŒber Vehlow oder/und Demerthin mit Kirchenbesuch. Klosterbesichtigung (nach Voranmeldung), Stadtrundgang und Kirchenbesuch in Kyritz. Mittagessen (nach Voranmeldung) in Rosenwinkel und anschließend Museumsbesuch Heiligengrabe (oder FĂŒhrung ab 14 Uhr). 19 Uhr Konzert im Kloster Heiligengrabe (Juni bis August). Abendessen im Klosterhof.

Tag 3: FrĂŒhstĂŒck, Auschecken, Sonntagsspaziergang auf dem Naturlernpfad „Rote BrĂŒcke“ im Stiftsforst von Heiligengrabe und RĂŒckfahrt ĂŒber Wusterhausen mit Besuch des Wegemuseums. Mittagessen in Kampehl und Besuch der Gruft vom Ritter Kahlbutz (Mumie) in der Ostseite der Kirche. Weiterfahrt ĂŒber die B167 Richtung A24 oder ĂŒber die B5 mit abschließendem Besuch in Ribbeck („Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“) mit Ortsrundgang, Schloss- und Kirchenbesichtigung und ggfs. Kaffeetrinken.

Vorschlag 2

Tag 1: Von Berlin ĂŒber die A24 Abfahrt Neuruppin Richtung Kyritz. Klosterbesichtigung (nach Voranmeldung), Stadtrundgang und Kirchenbesuch in Kyritz. Mittagessen auf der INSL im Kyritzer Untersee (FrĂŒhjahr bis Herbst). Fahrt nach Heiligengrabe ĂŒber Vehlow oder/und Demerthin mit Kirchenbesuch. Einchecken im Kloster, Abendessen im Klosterhof.

Tag 2: Aufbruch nach dem FrĂŒhstĂŒck, Besuch des Stifts Marienfließ in Stepenitz (ehem. Zisterzienserinnenkloster), Mittagessen in Meyenburg (Eisenbahnromantikhotel oder Hotel Germania). Am Nachmittag Besuch des Modemuseums Meyenburg oder FĂŒhrung durch die Klosteranlage Heiligengrabe (14.00 Uhr) mit anschließendem Besuch des Klostermuseums, 19 Uhr Konzert im Kloster Heiligengrabe (Juni bis August). Abendessen im Klosterhof.

Tag 3: FrĂŒhstĂŒck, Auschecken, Sonntagsspaziergang auf dem Naturlernpfad „Rote BrĂŒcke“ im Stiftsforst von Heiligengrabe, Mittagessen in Rosenwinkel (mit Voranmeldung) und RĂŒckfahrt ĂŒber Wusterhausen mit Besuch des Wegemuseums. Weiterfahrt ĂŒber die B167 Richtung A24 oder ĂŒber die B5 mit abschließendem Besuch in Ribbeck mit Ortsrundgang, Schloss- und Kirchenbesichtigung und ggfs. Kaffeetrinken.

Klösterliche Nachbarschaft (www.klosterland.de)

Zisterzienserinnenkloster Lindow (Mark) (54 km östlich): Heute: Klosterruine, im Sommer finden Kulturveranstaltungen statt (www.klosterland.de/Kloster/Lindow).

Dominikanerkloster Neuruppin (37 km östlich): In der Kirche finden regelmĂ€ĂŸig Gottesdienste und Konzerte statt (http://bit.ly/1BKxR0q)

Kloster Stift zum Heiligengrabe (30 km nördlich): Wohl das besterhaltende mittelalterliche Kloster der Mark Brandenburg, 1287 gegrĂŒndet, nach der Reformation in ein adliges Damen-Stift umgewandelt, bis heute Heimat eines evangelischen Frauenkonvents (http://bit.ly/1Mlqumt)

Kloster Stift Marienfließ (55 km nördlich): Die Klosterkirche ist fĂŒr Besucher geöffnet, die evangelische Stephanus-Stiftung unterhĂ€lt in einem Teil der GebĂ€ude ein Seniorenzentrum, die Klosterstiftung selbst plant

Sehenswertes in der Umgebung und auf dem Weg nach Kyritz

Im Norden von Kyritz:

Demerthin (8 km nordwestlich): Schloss Demerthin – von der Anlage her eines der schönsten Renaissanceschlösser der Mark Brandenburg, 1604 vollendet, vermutlich auf Ă€lteren Fundamenten aus der Burgenzeit errichtet. Bis 1945 im Besitz der Familie von Klitzing. Das GebĂ€ude wurde bis Anfang der 1990er Jahre genutzt, u.a. fĂŒr Wohnzwecke, als Schule und Dorfkonsum, daher viele Umbauten im Inneren. Außenanlage saniert, beherbergt ein kleines Heimatmuseum, auf Anfrage geöffnet. (http://www.museen-brandenburg.de/86.0.html). SpĂ€tgotische Dorfkirche, in den 1960er Jahren wurden bei Restaurierungsarbeiten Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert freigelegt, die biblische Geschichten erzĂ€hlen. Kanzelaltar aus dem 17. Jahrhundert.

Lindenberg (26 km nordwestlich): Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg e.V. – Feldbahn und Museum, regelmĂ€ĂŸige Fahrtage (u.a. rund um Nikolaus, Februar)

Papenbruch (30 km nördlich): Geburtsort des Orgelbaumeisters Friedrich Herrmann LĂŒtkemĂŒller (1815-1897); im Außenbereich des Landpfarrhofs befindet sich ein „Schaugarten Arche“ – Spaziergang und CafĂ© (mit Voranmeldung) (www.schaugarten-arche.de)

Vehlow (10 km nördlich): Sehenswerte Feldsteinkirche aus dem 15. Jahrhundert, seit 1670 umfangreiche Ausbaumaßnahmen, die eindrucksvolle SpĂ€trenaissance-Ausstattung ist bis heute erhalten. Der spĂ€tgotische Marienaltar wurde dabei in einen Renaissance-Aufbau eingefĂŒgt.

Wutike (15 km nördlich): Mittelalterliche Feldsteinkirche mit einer Erweiterung aus Fachwerk von 1625; wĂ€hrend die Prignitz durch den 30jĂ€hrigen Krieg allgemein einen Bevölkerungsverlust von ca. 60 {b6d0881c9296a961f5769758df4dbb38852050b6c8ec49eaf531a9e02d002656} verkraften musste, muss Wutike in dieser Zeit wohl so abgelegen gewesen sein, dass Schutzsuchende in so großer Zahl hierher flohen, dass die Kirche erweitert werden musste.

Im SĂŒden von Kyritz:

Großderschau (24 km sĂŒdlich): In den 1870er Jahren entstand durch Kultivierung und Trockenlegung von Dosse-, Rhin- und JĂ€gelitzbruch eine Reihe von sog. Kolonien. In diesen neuen Dörfern wurden vor allem Siedler aus dem Ausland angesiedelt. Das Museum Kolonistenhof gibt Einblick in die Zeit der Besiedlung (www.grossderschau.de).

Kampehl (13 km sĂŒdlich): Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert, am SĂŒdportal gotische Sonnenuhr, wahrscheinlich die Ă€lteste Deutschlands. In einem Anbau zur Kirche ist die Mumie des Ritter Kahlbutz zu besichtigen (1654-1702), der Legende nach soll er bei einer Auseinandersetzung vor Gericht seine Unschuld beteuert mit einem Schwur beteuert haben mit dem Zusatz, dass seine Leiche nicht verwesen möge, solle er der Schuldige gewesen sein.

Neustadt (Dosse) (15km sĂŒdlich): Nach dem 30jĂ€hrigen Krieg wurde aus dem unbedeutenden Dorf durch gezielte Besiedlung (Franzosen, HollĂ€nder, Franken) und Aufbau einer Infrastruktur in wenigen Jahren eine prosperierende Stadt. Höhepunkt und bis in die heutige Zeit wirkend: der Aufbau einer Pferdezucht. Heute kann hier die klassizistische Architektur der GebĂ€ude des Haupt- und LandgestĂŒts Neustadt (Dosse) mit dem Landschaftspark besichtigt werden.

Wusterhausen (10 km sĂŒdlich): Die Stadt ist am SĂŒdende einer ca. 20 km langen Seenkette gelegen. Bis ins 16. Jahrhundert war sie ein Zentrum des Salzhandels, der die Stadt wohlhabend machte. Im 19. Jahrhundert wurde sie durch ihre Schuhmacher bekannt und mit dem Spottnamen „Schusterhausen“ versehen, bereits 1858 gab es 98 selbststĂ€ndige Meister, die weit ĂŒber den Eigenbedarf der ca. 2000 Einwohnern v.a. fĂŒr das MilitĂ€r produzierten. Eine große Anzahl von FachwerkhĂ€usern prĂ€gt das Stadtbild. Unbedingt sehenswert ist das „Wegemuseum“ am Markt in einem der stattlichsten barocken Fachwerk-BĂŒrgerhĂ€user (www.wegemuseum.de)! Ebenso lohnt ein Besuch der Pfarrkirche St. Peter und Paul, einer dreischiffigen Backsteinkirche mit gedrungenem Westturm aus dem 14. Jahrhundert, die in ihren Ausmaßen an den Wohlstand der Stadt im Mittelalter erinnert und eine Wagner-Orgel von 1742 vorweist (www.kirche-wusterhausen.de). Die Stephanuskapelle (heute Friedhofskapelle) mit mittelalterlichen Wandmalereien lag im Mittelalter vor den Toren der Stadt und wurde vermutlich auch als Pilgerstation (Weg nach Bad Wilsnack) genutzt (Besichtigung nach Voranmeldung).

Im Osten von Kyritz:

Neuruppin (37 km östlich): Die Stadt wurde nach einem großen Stadtbrand 1787 unter der Leitung Bernhard Matthias Brasch als klassizistische Stadtanlage wiederaufgebaut. Sie ist Geburtsstadt von Karl Friedrich Schinkel (1781) und Theodor Fontane (1819). Der Kronprinz Friedrich (spĂ€ter Friedrich II.) war mit seinem Regiment „Kronprinz“ von 1732 bis 1740 in Neuruppin stationiert und ließ einen Teil der Wallanlagen zu einem Garten umgestalten, der heute den Namen „Tempelgarten“ trĂ€gt (www.tempelgarten.de). Seit 1810 entstanden „gedruckt bei Gustav KĂŒhn“ die kolorierten Neuruppiner Bilderbögen – VorlĂ€ufer der heutigen Illustrierten. Die Klosterkirche St. Trinitatis und die sog. Wichmann-Linde, ein 750jĂ€hriger Baum, der an den ersten Prior, Wichmann von Arnstein erinnert, sind die Zeugen des ehemaligen Dominikanerklosters Neuruppin.

Öffnungszeiten und Kontakt offene Kirchen siehe: www.altekirchen.de

Im Westen von Kyritz:

Berlitt (9 km westlich): Berlitt liegt am Pilgerweg Berlin – Wilsnack. Im Gutshaus („Schloss“) wurde eine Pilgerwohnung eingerichtet. Die Dorfkirche wurde 1526 als Wehrkirche errichtet und 1710 um den Turm erweitert. Im Zuge vor Sanierungsarbeiten wurde vor einigen Jahren eine mit Engeln bemalte barocke Holzdecke entdeckt und restauriert. Die Kirche steht Besuchern offen.

Havelberg (30 km sĂŒdwestlich): Geschichtsinteressierte werden den historischen Stadtrundgang bevorzugen, der Traditionen und mittelalterliche Besonderheiten wieder aufleben lĂ€sst, wenn man z. B. Rathaus, Stadtkirche, St. Annen-Kapelle oder die AltstadtplĂ€tze und ihre Geschichte unter die Lupe nimmt. WĂ€hrend der BUGA-Zeit vom 18. April bis 11. Oktober 2015 gehören der Dom St. Marien und die Stadtkirche St. Laurentius zum BUGA-Bereich. Der touristische Stadtrundgang offenbart vor allem herrliche Blickwinkel vom Dom auf die Stadtinsel und Havelniederungen und von der Altstadt auf die Werftanlagen, die DomberghĂ€userzeile und die SpĂŒlinsel. Die Wassertourismusmeile fĂŒhrt Sie ĂŒber die Promenade, die grĂŒne Campinginsel, eine neue FußgĂ€ngerbrĂŒcke und am Bus- und Schiffsterminal vorbei durch unser idyllisches Wassertouristikzentrum. (www.havelberg.de)

Essen & Trinken

Hohe Heide – KrĂ€uter und Heidelbeerhof und WaldcafĂ©, Heiligengrabe

Hotel Klosterhof, Heiligengrabe (www.hotel-klosterhof.net)

In Kampehl befinden sich mehrere Restaurants

Gut Hesterberg mit hofeigenen Produkten und regionaler Gastronomie in Lichtenberg

GaststĂ€tte Lamprecht, Prignitzer Original: sehr rustikale regionale Dorfkneipe mit besonderer Bedienung und Ambiente: Empfehlung Knieperkohl im Winter (Prignitzer „Nationalgericht“, Voranmeldung empfohlen) in Lindenberg

Café und Restaurant Tempelgarten in Neuruppin (www.tempelgarten.de)

MeickelÂŽs Taverne, Empfehlung: zur Spargelzeit, Wild im Herbst, GĂ€nsebraten ab November, Vorbestellung ist empfehlenswert. Kontakt: Tel. 033984-70248, Rosenwinkler Dorfstr 11, Amt Heiligengrabe Blumenthal, OT 6928 Rosenwinkel

Übernachtung

BekeMĂŒhle, rustikales Hotel Garni in Dannenwalde (Übernachtung mit FrĂŒhstĂŒck, weitere Mahlzeiten auf Bestellung) (www.bekemuehle.homepage.t-online.de)

Übernachten auf dem KlostergelĂ€nde in Heiligengrabe (GĂ€stewohnungen, Klosterhotel, auch Kloster auf Zeit): (www.klosterstift-heiligengrabe.de/wohnen.html)

Gut Burghof in Horst: Gutsanlage von Georg von Blumenthal, Reste der mittelalterlichen Burganlage und Anbauten und Anlagen aus den Folgejahrhunderten bis Mitte des 20. JH. (www.gutburghof.de)

Bluhms Hotel und Restaurant Kyritz (www.bluhms-hotel.de)

Landhotel Heine Kyritz (www.landhotelheine.de)

Pension HÀnsel und Gretel, rustikales Landhaus, Schönebeck (www.pensionhaenselundgretel.de)

Aktiv & Natur

Stiftsforst von Heiligengrabe (Nadelbach): Naturlernpfad (Heidelbeeren im August!)

Der 22 km lange „Annenpfad” ist als Rundweg konzipiert und verbindet das Kloster Stift zum Heiligengrabe mit seiner Heiliggrabkapelle, der Wallfahrtskirche Alt KrĂŒssow und der Bölzker Dorfkirche (www.dieprignitz.de/annenpfad.html)

Kyritzer Seenkette: Rundwanderweg, Bootsverleih, StrandbÀder Wusterhausen und Kyritz

Pilgerweg Berlin – Wilsnack (ĂŒber Wusterhausen und Kyritz)

Kreativ

Figuren und Marionettenbau, Lindenberg 67, 16928 Groß Pankow, (www.marion-etten-theater.de)

Feste & Veranstaltungen in Prenzlau und Umgebung:

Lange Nach des Bassewitz in Kyritz – alle zwei Jahre

Kyritzer Knatterminen: Theater im Klostergarten (www.kyritzer-knattermimen.de)

Konzerte in der St. Marienkirche Kyritz (www.altekirchen.de), (www.kirchenkreis-kyritz-wusterhausen.de)

 

Fotos: unsplash.com

Geschichte

Anlage und Nutzung der ehemaligen KlostergebÀude

Wo im Nordwesten von Kyritz heute die Gartenstraße verlĂ€uft, begrenzten frĂŒher die Wallanlagen die Stadt und das Franziskanerkloster. Das erhaltene zweistöckige KlausurgebĂ€ude beherbergte einst das Refektorium, den Kapitelsaal und das Dormitorium des Konvents. Bauhistorische Untersuchungen in den 1990er Jahren offenbarten vier mittelalterliche Bauphasen. Der aus Feldstein errichtete Anfangsbau wurde noch vor 1300 mit Ziegelsteinen weitergefĂŒhrt und um 1350 betrĂ€chtlich aufgestockt. Um 1450, zur Zeit als Matthias Döring Franziskaner-Provinzial war, wurde das KlausurgebĂ€ude nach Norden verlĂ€ngert.[1] Ein Gewerkhaus und eine Gerbkammer gehörten zu den WirtschaftsgebĂ€uden des Klosters.[2] Die Reste der sĂŒdlichen Pforte an der RĂŒckseite der Klosterkirche lassen auf einen zweigeschossigen Kreuzgang schließen.[3] Vom WestflĂŒgel der Klausur sind allein die Ruinen eines kleinen mit Diagonalstrebepfeilern besetzten zweigeschossigen Baus erhalten, in dessen auf einem Kreuzgewölbe ruhendem Obergeschoss eine TĂŒr nach Osten in die Apsis der Klosterkirche fĂŒhrte.[4]

Klosterkirche

Ähnlich den KlausurflĂŒgeln wurde auch die einschiffige, turmlose Konventskirche im SĂŒden der Klausur zunĂ€chst in Feldstein begonnen, um in der zweiten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts gewölbt zu werden und ihren bis heute sichtbaren Backsteinteil zu erhalten.[5] Der in annĂ€hernd ganzer Höhe nur als sĂŒdliche Giebelwand des KlausurgebĂ€udes erhaltene Teil der nördlichen LĂ€ngswand der Klosterkirche maß einstmals 50 m und reichte bis in den heutigen Straßenraum der Johann-Sebastian-Bach-Straße.[6] Paul Eichenholz rekonstruiert in seiner Beschreibung einen hochgotischen Kirchenbau von knappster Einfachheit, dessen WandflĂ€chen bis zum KĂ€mpfer aus verputzten Feldsteinmauerwerk bestanden, ĂŒber dem sich putzfreier Backstein erhob, an den Kapitellen zierlich mit WeinblĂ€ttern geschmĂŒckt. Auf diesen setzten die fĂŒr die Gotik typischen Spitzbögen auf, deren Rippen mit birnenförmigem Profil verziert waren. Durch die bunte Bleiverglasung der Rundfenster fiel farbiges Licht ins Innere.[7] Der eine Marienkrönung zeigende dreiflĂŒgelige Hauptaltar, an dessen Fuße ehedem der Grabstein Matthias Dörings lag, war 1753 noch vorhanden.[8] Das reiche Kircheninventar dagegen, war bereits kurz nach der Aufhebung des Klosters vom Kyritzer Rat beschlagnahmt worden und ist ebenso verloren wie das Archiv und die Bibliothek des Klosters.[9]

In der erhaltenen LĂ€ngswand der ehemaligen Klosterkirche sind mehrere zugesetzte Öffnungen verschiedener Form sichtbar, von denen die im Erdgeschoss liegenden deshalb sehr niedrig erscheinen, weil man den Boden ĂŒber die Jahrhunderte um etwa einen Meter aufgefĂŒllt hat. Die SpitzbogentĂŒr auf der rechten Seite fĂŒhrte in das Erdgeschoss des anstoßenden Dormitoriums, womöglich in die Sakristei. Die mittig ĂŒber Resten von Balken und einer Schwelle in Höhe des Obergeschosses liegende TĂŒr fĂŒhrte in den Schlafsaal der Mönche. Die linksseitig liegenden Öffnungen gehörten zu den beiden Geschossen des nebenliegenden Kreuzganges, dessen SchildbogenansĂ€tze auf der Nordseite der Kirchenwand noch heute zu sehen sind.[10]

Quellen - Bitte hier klicken

Fußnoten:

  1. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 707 und 710.
  2. Kyritz stand wegen seiner kirchlichen Reden in hohem Ansehen; vgl. PRIEBATSCH, Felix: Der mÀrkische Handel am Ausgange des Mittelalters. Berlin 1899, [Seite wird nachrecherchiert]; TEICHMANN, Lucius: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223-1993. Dresden 1995, S. 129.
  3. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 709.
  4. WEIGEL, Petra: Ordensreform und Konziliarismus. Der Franziskanerprovinzial Matthas Döring (1427-1461 [Amtszeit]). Frankfurt a.M. 2005, Regest Nr. 116, S. 391f., S. 391.
  5. ebd.; WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 707-709; TEICHMANN: Franziskanerklöster, S. 129.
  6. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 707f.
  7. ZunĂ€chst Kirche der Armen- und Krankenanstalt wurde die ehemalige Klosterkirche 1622/28-1708/1711 als Pfarrkirche und als Kirche der seit 1715 in der Stadt liegenden Garnision genutzt; vgl. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 708; EICHENHOLZ: Kyritz. In: BÜTTNER (Hrsg.): KunstdenkmĂ€ler, S.126.
  8. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 708.
  9. www.kyritzer-knattermimen.de. Der aktuelle Veranstaltungskalender ist online abrufbar unter https://www.kyritz.de/verzeichnis/objekt.php?mandat=47826.

QUELLEN:

  • EICHENHOLZ, Paul: Kyritz. In: BÜTTNER, Georg (Hrsg.): Die KunstdenkmĂ€ler des Kreises Ostprignitz. Berlin 1907, S. 124-146.
  • TEICHMANN, Lucius: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223-1993. Dresden 1995.
  • PRIEBATSCH, Felix: Der mĂ€rkische Handel am Ausgange des Mittelalters. Berlin 1899.
  • WEIGEL, Petra: Kyritz. Franziskaner. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 1 Berlin 2007, S. 707- S.713.
  • Dies.: Ordensreform und Konziliarismus. Der Franziskanerprovinzial Matthas Döring (1427-1461 [Amtszeit]). Frankfurt a.M. 2005.
  • WENTZ, Gottfried: Das Franziskanermönchskloster Kyritz, in: Ders.: Das Bistum Havelberg. Der Germania Sacra 2. Im Auftrag des Kaiser-Wilhelm-Instituts fĂŒr Deutsche Geschichte. Leipzig 1933 (= Neudr. 1963), S. 344-348.
  • https://www.kyritz.de/verzeichnis/objekt.php?mandat=47826 .
  • www.kyritzer-knattermimen.de.

Kontakt

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Maxim-Gorki-Str. 32
16866 Kyritz

Telefon +49 (0)33971 608279
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