Kloster

Franziskanerkloster Angermünde

Bild eines Klosters - Franziskanerkloster Angermünde

Die Gründung des Klosters erfolgte vermutlich um 1250 unter dem Stifter Markgraf Johann I. Die Angermünder Franziskanermönche beteiligten sich im 14. Jh. an den Inquisitionsprozessen gegen die als Häretiker geltenden Waldenser. Anfang des 15. Jhs. schloss sich der Konvent der Observanzbewegung an. 1556 wurde das Kloster im Zuge der Reformation durch Kurfürst Joachim II. enteignet und der Konvent aufgehoben. 1567 erwarb die Stadt Angermünde die Anlage.

Icon eines Kalenders für Klosterland-Veranstaltungen

Franziskanerkloster Angermünde

Klosterstraße 43a

16278 Angermünde

Gründungsjahr

1250

Ordenszugehörigkeit

Franziskaner

Klosteranlage

Die Franziskaner errichteten ihre Klosteranlage im südöstlichen Teil der Stadt direkt an der Stadtmauer. Der Komplex setzte sich aus der Kirche und einer zweifachen Klausuranlage zusammen, die aus zwei Klausurhöfen und einem Mittelflügel bestand. Die Bauten erlitten im Dreißigjährigen Krieg starke Schäden und wurden bis 1800 abgetragen. Heute ist noch die Klosterkirche erhalten, die bis 1990 u.a. als Kirche, Lager, Heimatmuseum und Feuerwehrdepot diente. Heute wird das Gebäude als städtisches Kulturzentrum genutzt.

Lage und Umgebung

Angermünde liegt in der südöstlichen Uckermark zwischen den zwei größten Naturschutzgebieten der Region. Die Stadt ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg“ und wartet mit einer sanierten Altstadt, mittelalterlichen Stadtstrukturen und Handwerkshäusern aus dem 17. bis 19. Jh. auf. Sehenswert sind auch die Stadtpfarrkirche St. Marien aus dem 13. Jh. und Teile der Stadtmauer mit dem Pulverturm.

Highlights

Der Lettner der ehemaligen Klosterkirche zwischen Hauptschiff und Chor ist fast vollständig original erhalten und damit eine Besonderheit in Brandenburg. Herausragend sind auch die Wandmalereien aus dem 13.  bis 15. Jh. und die verzierte Sakristei. Der „Angermünder Klostersommer” belebt die Kirche mit vielfältigen Kulturveranstaltungen.

Das ehemalige Franziskanerkloser Angermünde

Waldenser – die Armen Christi

1336 wurden in Angermünde 14 Menschen zum Tode verurteilt und auf dem Marktplatz verbrannt. Dieses Ereignis brachte der Stadt den Beinamen „Ketzer-Angermünde“, denn bei den Hingerichteten handelte es sich um Anhänger einer als Häresie verfolgten Lehre – um Waldenser.

Sie waren neben den Katharern eine der wichtigsten häretischen Gruppen des Mittelalters, die seit ihrer Entstehung in Frankreich in den 70er Jahren des 12. Jahrhunderts bis zur Reformation aktiv blieb. Die meisten Häresien waren dagegen durch die intensive Tätigkeit der Inquisition bereits im 13. Jahrhundert ausgerottet worden. Vor allem unter armen Stadtbewohnern erfreuten sich die Waldenser eines großen Zuspruchs, was vor dem Hintergrund der starken sozialen Unterschiede in den Städten des Hochmittelalters verständlich ist. Die „Pauperes Christi“ (Armen Christi), wie sie sich selbst nannten, predigten ursprünglich die Rückkehr zur Armut und zum apostolischen Leben, nicht jedoch gegen die Lehren der Kirche. Da die katholische Kirche durch das Auftreten des Begründers der Bewegung, Petrus Valdes, ihr Predigtmonopol gefährdet sah, belegte Papst Lucius III. die Waldenser 1184 mit dem Kirchenbann. Später stigmatisierte man sie als Häretiker. Aus der anfänglichen Waldensergemeinschaft gingen unterschiedliche Gruppen hervor, die sich in ganz Europa verbreiteten. Einige von ihnen radikalisierten sich und lehnten die sieben Sakramente sowie u.a. die Heiligenverehrung und den Glauben an das Fegefeuer ab. Sie lebten in kleinen Gruppen, meist im Verborgenen, verzichteten auf jeglichen Luxus oder gar persönliches Eigentum, betrieben weiterhin die untersagte Laienpredigt und passten sich nach außen der Gesellschaft an, um den Verfolgungen zu entgehen.

Die 14 Waldenser, die in Angermünde verbrannt wurden, bezichtigte man der Teufelsanbetung. Der Prozess war angeblich durch die Angermünder Franziskaner angeregt worden.

Franziskaner – die Minderbrüder

Die Stärke der Bettelorden lag zweifellos in ihrem unmittelbaren Kontakt zur Bevölkerung, der sich durch ihre Tätigkeit als Seelsorger und Prediger entfaltete. Aus diesem Grund setzte das Papsttum die Dominikaner und Franziskaner gerne im Kampf gegen die Häresien ein, sei es als Volksprediger – wie Berthold von Regensburg – sei es als Brüder-Inquisitoren.

Dabei entgingen die Franziskaner selbst nur knapp einer Verurteilung als Häretiker. Ihre Ansätze und Ideale waren denen der Waldenser recht ähnlich. Die Gruppe, die sich um 1208 um Franz von Assisi gebildet hatte, wollte in Armut und im Einklang mit dem Evangelium leben, um ihren Mitmenschen zu helfen. Zu dieser Zeit war – anders als 20 Jahre zuvor – die grundsätzliche Haltung der Kirche gegenüber Armutsbewegungen nicht mehr völlig ablehnend. Die Bereitschaft von Franziskus, sich den kirchlichen Hierarchien unterzuordnen, führte dazu, dass Papst Honorius III. die Gemeinschaft 1223, nach anfänglichen Schwierigkeiten, offiziell als Orden der Minderbrüder („Fratres Minores“) anerkannte.

So spielten die Bettelorden nicht nur eine aktive Rolle im Kampf gegen die Häresien. Die Anerkennung der Armutsbewegung als Gegenströmung zu den als ketzerisch eingestuften Gruppierungen bot den Menschen, die nach dem Armutsideal leben wollten, eine Nische im Rahmen der Kirche. Die Orden bildeten seitdem eine Brücke zwischen dieser und dem einfachen Volk und sprachen den „unorthodoxen“ Bewegungen ihre Existenzberechtigung ab.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BLASCHKE, Wolfgang: Angermünde. Franziskaner. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 96–105.
  • ERBSTÖSSER, Martin: Ketzer im Mittelalter. Leipzig 1984.
  • ESSER, Kajetan: Anfänge und ursprüngliche Zielsetzungen des Ordens der Minderbrüder. Leiden 1966.
  • MERLO, G. G.: Waldenser, Waldensertum. In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. VIII, Sp. 1953–1955.
  • MOLLAT, Michel: Die Armen im Mittelalter. München 1987.
  • PELLEGRINI, L: Franziskaner. Allgemeine Struktur des Ordens (Entstehung, Verfassung, Ordensleben). In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. IV, Sp. 800–806.

Klosteranlage

Ein Kloster am Rande der Stadt

Die Angermünder Franziskaner errichteten ihre Klosteranlage im südöstlichen Teil der mittelalterlichen Stadt, direkt an der Stadtmauer, unweit des Hohen Tores. Die Klosterkirche stand im Norden. An die Südseite der Kirche lehnte sich die zweifache Klausuranlage aus zwei Höfen und einem Mittelflügel. Der Mittelflügel entstand zeitgleich mit der Kirche und dem westlichen Hof und bildete zunächst das Zentrum des Klosters. Dort waren das Dormitorium, das Refektorium und der Kapitelsaal untergebracht. Wie viele der Brandenburgischen Klöster erlitt auch die Franziskaneranlage in Angermünde große Schäden während des Dreißigjährigen Krieges. Vor allem die Konventsgebäude wurden stark beschädigt und teilweise abgetragen. Das Baumaterial verwendete man für den Wiederaufbau der Stadt. Noch bis um 1800 konnten einige Räume als Herberge genutzt werden. Danach wurden die Klostergebäude jedoch immer weiter zurück gebaut. Die Steine wurden für andere Baumaßnahmen verwendet, u. a. für den Fabrikbau in der Klosterstraße und der Schleusenstraße. So erinnert heute nur noch ein Mauerstück an die Klausur.

Lettner und Wandmalereien

Doch die ehemalige Klosterkirche ist noch vorwiegend original erhalten und gibt Zeugnis von der Geschichte der Franziskanermönche in Angermünde. Sie überstand den Dreißigjährigen Krieg und wurde 1699 in Stand gesetzt. Im 18. Jahrhundert diente sie teilweise als Kirchenraum, teilweise dem Militär als Magazin und Gefängnis. Im 19. Jahrhundert wurde sie, je nach Verwendungszweck, mehrfach umgebaut und verlor dabei völlig ihre ursprüngliche Bestimmung.

So beherbergte das Gebäude nacheinander die Feuerwehr, das Heimatmuseum, unterschiedliche Stadtämter und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es erneut als Lagerraum verwendet. Erst 1984 folgten erneute denkmalpflegerische Maßnahmen.

Die zweischiffige Hallenkirche wurde um 1300 aus Backsteinen errichtet. An einigen Stellen ist noch der Feldstein-Vorgängerbau zu entdecken. Der Bau ist asymmetrisch und besteht aus einem breitem Hauptschiff und einem schmaleren Seitenschiff. Der Baudekor der Außenwände weist auf enge Verbindungen mit der „Choriner Bauhütte“ hin. Im 15. Jahrhundert erhielt die Kirche nachträglich u.a. das Gewölbe und ein neues Dachwerk.

Die Besonderheit der Kirche besteht nicht nur in dem schlichten doch eindrucksvollen Außendekor, sondern ist im Rauminneren zu suchen. Dazu gehören die Reste der ersten Wandbemalung aus dem späten 13. Jahrhundert, die noch den Feldsteinbau schmückten, aber auch spätgotische Fresken aus dem 15. Jahrhundert und die polychromen Malereien auf den Gewölben der Sakristei. Einzigartig in Brandenburg ist der gotische Lettner aus Backstein. Die Trennwand zwischen dem Haupthaus und dem Chor, die den Bereich der Klostergemeinschaft von der „Leutkirche“ trennen sollte, datiert ins 14. Jahrhundert.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder. Köln 2000.
  • SCHUMANN, Dirk: Angermünde. Franziskaner. Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 98–99.

Lage und Umgebung

Eine Stadt mitten in der Natur

Die Stadt Angermünde liegt in der südöstlichen Uckermark, zentral zwischen den zwei größten Naturschutzgebieten der Region, dem UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und dem Nationalpark Unteres Odertal. Beide Schutzgebiete umfassen für die Uckermark charakteristische und doch äußerst unterschiedliche Landschaften.

Das Biosphärenreservat prägen vor allem Seen und das dicht bewaldete Gebiet der Choriner Schorfheide, aber auch historische Spuren der Kulturlandschaft. Im Nationalpark Unteres Odertal ist die Oderaue mit ihren wechselhaften Landschaften, Flussaltarmen, Wiesen, Wäldern, sowie der besonderen Fauna und Flora unter Schutz gestellt.

Die wechselvolle, geologisch interessante Landschaft mit Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal, die sich während der Vereisung der Weichselzeit vor ca. 15.000 Jahren bildete, war die Motivation zur Gründung des Nationalen Geoparks Eiszeitland am Oderrand. Das Besucherzentrum in Groß Ziethen dient mit ausführlichen Informationen zum glazialen Landschaftsraum und zur Eiszeit.

Angermünde selbst hat außer der ehemaligen Franziskanerklosterkirche eine während des Zweiten Weltkrieges kaum zerstörte und schön sanierte Altstadt, mit gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtstrukturen und Handwerkshäusern aus der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert zu bieten. Angermünde ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg. Diese vereinigt Städte, die es sich zum Ziel gesetzt haben, ihren wertvollen Baubestand zu schützen, aber auch in ein modernes Stadtbild einzubinden und ins Bewusstsein der Stadtbewohner zu rufen.

Über der Stadt Angermünde ragt die Stadtpfarrkirche St. Marien auf. Der Bau datiert in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Als Besonderheit der dreischiffigen Hallenkirche mit Sterngewölbe zeigt sich der mächtige Westturm aus Granitquadern. Zur mittelalterlichen Stadt gehörte auch das Hospital „Zum Heiligen Geist“ an ihrem südwestlichen Rand. Das Hospital wurde 1336 errichtet und während des Dreißigjährigen Kriegs bis auf die Kapelle zerstört. Der dreijochige Bau mit einem Sterngewölbe, überdauerte bis heute. Stadtmauern sind nur noch abschnittsweise vorhanden. Hervorzuheben ist der Pulverturm – auch Storchenturm genannt – mit seinem spitzen Steindach im Süden. Die Ursprünge der Stadt spiegeln sich in der Ruine der askanischen Burg wider, deren spärliche Reste im Nordwesten der Altstadt zu finden sind.

Burgen als Grenzsicherung

In der heutigen Stadtgemarkung von Angermünde liegen zwei Ortschaften mit weiteren bemerkenswerten mittelalterlichen Burgruinen. Greiffenberg, nördlich der Stadt, im ehemaligen gleichnamigen Städtchen, wurde im Verlauf des 13. Jahrhunderts errichtet und war ursprünglich die Burg der Familie von Greiffenberg. Die Anlage ist rechteckig mit einem Haupthaus im Norden, einem runden Flankierungsturm in der Nord-Ost-Ecke und einem mächtigen eckigen Torhaus im Westen. Heute sind noch die Überreste aller Bauten und der Ringmauer zu sehen.

Die Burganlage in Stolpe an der Oder stellt einen anderen Burgtypus dar. Es handelt sich um einen auf und in einen künstlichen Hügel gebauten runden Backsteinturm, der von mehreren Wallanlagen umgeben ist. Der sog. „Grüttpott“ wurde höchstwahrscheinlich von den Pommern unter dänischer Lehnshoheit um 1200 errichtet und sollte der Grenzsicherung gegen die Mark Brandenburg dienen. Fertiggestellt wurde der Bau wohl in der Mitte des 13. Jahrhunderts, bereits unter der Herrschaft der Askanier. 1446 wurde das Obergeschoss des Turms, der zu dieser Zeit unter pommerscher Lehnshoheit stand, während einer Belagerung von Kurfürst Friedrich II. zerstört. Bemerkenswert sind die von diesem Kampf herrührenden Waffenfunde, von denen einige im Brandenburgischen Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel zu sehen sind.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BREITLING, Stefan: Adelssitze zwischen Oder und Elbe 1400–1600. Braubach 2005.
  • HOLST, Jens Christian: The Tower named „Grüttpott“ at Stolpe upon Oder. In: JENSEN, Brigitte FLØE/WILLE-JØRGENSEN, Dorthe (Hrsg.): Expansion? – Integration? Danish-Baltic Contacts 1147–1410 AD. Vordingborg 2009, S. 95–118.
  • KRAUSKOPF, Christof: Gegen den Kurfürsten. Waffenfunde aus dem Obergeschoss des Grützpotts bei Stolpe an der Oder. In: aedificatio terrae. Festschrift für Eike Gringmuth-Dallmer zum 65. Geburtstag. Rahden/Westfalen 2007, S. 247–254.
  • SCHÜTZ, Antonia: Die hoch- und spätmittelalterlichen Burgen und Adelssitze in der Uckermark, Land Brandenburg. Bestandsaufnahme und vergleichende Untersuchungen vom späten 12. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Berlin 2006.
  • ag-historische-stadtkerne.de
  • dhm.de/ausstellungen/burg-und-herrschaft/brandenburg/start.htm
  • historischerstadtkern.de
  • landesmuseum-brandenburg.de
  • nationalpak-unteres-odertal.eu
  • schorfheide-chorin.de

Touristisches Angebot

Benachbarte Naturschutzgebiete

In der Nähe von Angermünde wartet erholsamer Naturgenuss. Dazu laden beide benachbarten Naturschutzgebiete ein. Im Nationalpark Unteres Odertal kann aktive Erholung beim Wandern und Radfahren mit Naturbeobachtung kombiniert werden. Flussauen, Trockenwiesen und Waldgebiete sind Brut- und Überwinterungsstätte für zahlreiche, auch vom Aussterben bedrohte Vogelarten. Ausgeschilderte Wanderwege, thematische Wanderrouten und organisierte Wanderungen ermöglichen es, die Natur mit ihren Besonderheiten kennenzulernen.

Über gute Fahrrad- und Wanderwege verfügt auch das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Sie erlauben sowohl mehrtägige Ausflüge, als auch kurze Tageswanderungen entlang der Seen und an vielen historischen Denkmälern vorbei. Besonders interessant erscheint eine Wanderung mit einem der Landschaftsführer, die sich auf unterschiedliche Themengebiete spezialisiert haben und den Touristen ihr Wissen und ihre Erfahrung anbieten. Viele Gemeinden und Vereine, wie der Wildpark Schorfheide, das Informationszentrum Blumberger Mühle des Naturschutzbundes oder das Ökodorf Brodowin, sind im Biosphärenreservat aktiv.

UNESCO-Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin

Im Juni 2011 hat die UNESCO-Kommission dem bestehenden Buchenurwald-Erbe der Welt in den Karpaten auch einen deutschen Anteil hinzugefügt. Der Buchenwald Grumsin kann seinen Beitrag dazu leisten, er ist als größtes Naturentwicklungsgebiet des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin seit 1990 nutzungsfrei und zeigt bereits Zeichen für den Beginn einer natürlichen Waldentwicklung. Ungestörtheit und Weitläufigkeit des Waldes bieten Seeadler, Kranich und Schwarzstorch eine Heimat, seltene Orchideen finden ihren sehr speziellen Standort ebenso wie die Sumpfcalla im Erlenbruch oder das Torfmoos in den Mooren. Im Informations- und Besucherzentrum Geopark in Groß Ziethen und im NABU Informationszentrum Blumberger Mühle bei Angermünde gibt es Ausstellungen zum Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin. Hier kommen wissbegierige Naturliebhaber interessante Informationen.

Eine Stadt, wie aus dem Bilderbuch

Die Innenstadt von Angermünde lädt zur Besichtigung, aber vor allem zum Verweilen ein. Die schmucke Altstadt mit dem Markt, dem Rathaus und der historischen Stadtbebauung ist bereits an sich ein Blickfang. Jedes der liebevoll sanierten Häuser hat seine eigene Geschichte. Die Ratswaage in der Brüderstraße 20, ein Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert beherbergte ursprünglich die städtische Waage und die Eichgewichte- und -maße, die seit der Vergabe durch Friedrich Wilhelm I. 1714 in Angermünde galten. Das Fachwerkhaus vom Ende des 17. Jahrhunderts im Hohen Steinweg 16 steht als einziges Haus in Angermünde mit dem Giebel zu Straße.

Die zahlreichen Denkmäler der Stadt, wie die St. Marienkirche oder den Pulverturm kann man bei einem gemütlichen Spaziergang, aber auch mit einer organisierten Stadtführung, z.B. dem „Aben(d)teuerlichen Stadtrundgang“, besichtigen. In der Kirche kann man die 1744 eingeweihte barocke Orgel von Joachim Wagner bewundern und ihren Klang bei den Angermünder Sommerkonzerten genießen.

Der Klosterplatz und die ehemalige Franziskanerkirche sind Präsentationsfläche für kulturelle Veranstaltungen der Stadt. Hier finden Konzerte, Chorauftritte und Theateraufführungen statt. Die Kirche selbst bietet zudem Raum für Ausstellungen sowie für Tagungen oder Seminare.

Zahlreiche Veranstaltungen sind bereits fester Bestandteil des städtischen Kulturlebens. Die Sommersaison beginnt im Mai mit der Regionalmesse „Wirtschafts- und Kulturtage“. Danach folgen das Mittsommertheater der Uckermärkischen Bühnen Schwedt im Juni und das Uckermärkische Blasmusikfest im Juli. Das Jahresende und die Weihnachtszeit werden im Dezember mit einem Kunstmarkt dem traditionellen Gänsemarkt gefeiert.

Gute Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in Angermünde und auch in den umliegenden Ortschaften auf dem Land. Ähnlich verhält es sich mit Restaurants und Cafés, die man auch mitten in der historischen Altstadt von Angermünde findet.

Angermünde erreicht man mit der Bahn, dem RE 3, auf der Strecke von Berlin nach Szczecin (Stettin). Von Berlin oder Prenzlau ist die Stadt über die A11 problemlos zu erreichen.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • ag-historische-stadtkerne.de
  • angermünde.de
  • angermuender-sommerkonzerte.de
  • blumberger-muehle.de
  • brodowin.de
  • dhm.de/ausstellungen/burg-und-herrschaft/brandenburg/start.htm
  • eiszaitland-am-oderrand.de
  • historischerstadtkern.de
  • nationalpak-unteres-odertal.eu
  • schorfheide-chorin.de
  • wildpark-schorfheide.de

Geschichte

Mönche und Bettler

Die Franziskaner waren die einzige Ordensgemeinschaft, die sich im mittelalterlichen Angermünde niederließ. Man geht davon aus, dass die Klostergründung um 1250 erfolgte und schreibt die Stifterrolle dem Markgrafen Johann I. zu, auch wenn keine genaue Überlieferung vorliegt. Das erste sichere Datum, 1299, steht im Zusammenhang mit einem Provinzialkapitel – einer Generalversammlung der Konvente der jeweiligen Ordensprovinz – das in diesem Jahr in Angermünde stattfand.

Da die Franziskaner, ähnlich wie andere Bettelorden, nach dem Armutsprinzip lebten, war ihnen sowohl Privatbesitz als auch Grundbesitz verboten. Die Angermünder bestritten ihren Unterhalt tatsächlich durch Betteln und durch die Vergütung ihrer geistlichen Dienste.

Brüder-Inquisitoren

Zwei wichtige Ereignisse gehören zur Geschichte der Franziskaner in Angermünde. Eins davon ist die Beteiligung der Mönche an der Verfolgung und an den Prozessen gegen die als Häretiker geltenden Waldenser. Das andere betrifft direkt das klösterliche Leben, denn Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster Teil der Observanzbewegung.

Die Verfolgung der Waldenser in der Uckermark ist mit Verfolgungswellen in ganz Europa verbunden. Die Gründung der Inquisition durch Papst Georg IX. im Jahr 1231 trug dazu bei, dass der Kampf gegen die sogenannten Ketzer, an dem sich Dominikaner, aber auch Franziskaner maßgeblich beteiligten, systematisiert und intensiviert wurde.

Bei zwei märkischen Inquisitionsprozessen waren Mönche aus Angermünde anwesend. Das erste Mal wurden 1336 die Waldenser in Angermünde als Ketzer angeklagt.

Ob die Beschuldigung tatsächlich von den Angermünder Franziskanern ausging, ist nicht sicher. Tatsache ist, dass 14 Menschen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt und verbrannt wurden. Im zweiten Fall nahm ein Franziskaner aus Angermünde 1458 an einem Verhör im Inquisitionsverfahren gegen die Bewohner von Kerkow und Klein Ziethen teil.

Zurück zu den Armutsidealen

Waren die als häretisch bezeichneten Lehren oft Versuche, die Kirchenlehre zu reformieren, so war die Observanzbewegung ein ähnlicher Versuch, die Ordensregel der Franziskaner auf ihrem Ursprung zurückzuführen. Durch die Bewegung, die aus dem Konflikt um das Armutsideal erwachsen war, spaltete sich der Franziskanerorden in die Konventualen und die Observanten auf. Die Letzteren kritisierten das Engagement des Ordens in Politik und Wissenschaft und forderten eine Rückkehr zu den ursprünglichen Idealen.

Der Beginn der Reformbewegung wird auf 1368 datiert. Der Konvent von Angermünde schloss sich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Observanzbewegung an und lebte bis zur Aufhebung des Klosters in Zuge der Reformation nach dieser Regel. 1556 enteignete Kurfürst Joachim II. das Kloster . Die Anlage blieb bis 1567 in den Händen der Familie Flanß, danach wurde sie von der Stadt Angermünde erworben.

Die Schäden des Dreißigjährigen Krieges trugen dazu bei, dass die Konventsgebäude bis um 1800 vollständig abgebrochen wurden. Erhalten blieb nur die Klosterkirche, die mehrfach saniert und als Kirche, Lager, Feuerwehrräume dienend, seit 1997 Kulturzentrum der Stadt ist.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BLASCHKE, Wolfgang: Angermünde. Franziskaner: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 96–105.
  • ERBSTÖSSER, Martin: Ketzer im Mittelalter. Leipzig 1984.
  • KUTZ, Dietrich: Zur Ketzergeschichte der Mark Brandenburgs und Pommerns vornehmlich im 14. Jahrhundert. Luziferianer, Putzkeller und Waldenser. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 16–17/1986, S. 56–94.
  • MERLO, G. G.: Waldenser, Waldensertum. In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. VIII, Sp. 1953–1955.
  • PÁSZTOR, E.: Franziskaner. Spiritualenbewegung; Observanten und Konventualen. In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. IV, Sp. 805–806.
  • PELLEGRINI, L: Franziskaner. Allgemeine Struktur des Ordens (Entstehung, Verfassung, Ordensleben). In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. IV, Sp. 800–806.
  • UTZ TRAMP, Kathrin: Von Häresie zur Hexerei. „Wirkliche“ umd imaginären Sekten im Spätmittelalter. Hannover 2008.

Kontakt

Stadt Angermünde
Markt 24
16278 Angermünde

Telefon +49 (0)3331 260093
E-Mail angermuende@klosterland.de
Internet www.angermuende.de

Lage

Teilen

Themen