Kloster

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Franziskanerkloster AngermĂŒnde

1. Allgemein

Ortsname
AngermĂŒnde
Institution des Mitglieds
Stadt
Arten Mitarbeitende in Tourismus und Kultur
ehrenamtlich
HaupteigentĂŒmer*In auf dem KlostergelĂ€nde
Stadt
Weitere EigentĂŒmer*Innen auf dem KlostergelĂ€nde
Kirche

2. Geschichte

GrĂŒndungsjahr
1260
GrĂŒndungsorden
Franziskaner
Auflösung
Reformation 16. Jh.
Jahr der Auflösung
1560
Fand eine Wiederbesiedlung statt?
Nein
Wiederbesiedlung Typ
keine Angaben
Wiederbesiedelung Beschreibung
keine Angaben
Zentrale Begebenheiten
1336 Inquisitionsprozeß in AngermĂŒnde (Verbrennung von 14 Waldensern, Beiname "Ketzer-AngermĂŒnde"); 1420 "Drei-Tage-Schlacht": Franziskaner helfen KurfĂŒrst Friedrich I. die von Pommern besetzte Stadt einzunehmen; 1577 Nutzung als MĂ€dchenschule und als Hospital; 1687 Nutzung durch Hugenotten; 1725 Magazin des MilitĂ€rs; 1767 Abriß aller ĂŒbrigen GebĂ€ude bis auf Klosterkirche; um 1935 erste Sanierungsmaßnahmen; umfassende Sanierungen 1990er; 1999 Neueröffnung fĂŒr kulturelle Zwecke

3. Baulichkeiten

Geschlossenes Bild der Klosteranlage
teilweise
Klosterkirche vorhanden
ja
Weitere GebÀude aus Klosterzeit
keine Angaben
Vorherrschender Architekturstil
Gotik
Vorherrschendes Baumaterial
Backstein, Feldstein
PrÀgende bauliche ErgÀnzungenaus nachklösterlicher Zeit
keine Angaben

4. Denkmalpflege

KlostergelÀnde ist FlÀchendenkmal
Ja
Denkmalpflege Status
FlÀchendenkmal
GebÀuderekonstruktion seit Mitte 20. Jahrhundert
Ja
GebÀuderekonstruktion
Klosterkirche
NutzungsÀnderungen seit etwa 1990
Ja
NutzungsÀnderungen
Seit 1999 Klosterkirche fĂŒr kulturelle Zwecke nutzbar

5. Nutzung

Nutzung der Klosterkirche
Konzerte
Ausstellungen
TheaterauffĂŒhrungen
anderweitige Nutzungen
Arten Nutzer*innen auf dem KlostergelÀnde
Vereine
öffentliche Einrichtungen

6. Kultur

Kulturelles Zentrum
Ja: Klosteranlage, die sich ihrem SelbstverstÀndnis nach als kulturelles Zentrum der Region begreift
Ja: Klosteranlage, die sich ihrem SelbstverstÀndnis nach als kulturelles Zentrum der Region begreift
Ausstellungen werden angeboten
Ja
Ausstellungen
Dauerausstellung und Wechselausstellungen

7. SpiritualitÀt

Eine geistliche Gemeinschaft ist im Kloster ansÀssig
nein
Lebens- und Wohnorte der Gemeinschaftsmitglieder
keine Angaben
Kirchengemeinde an Klosterkirche ansÀssig
keine Angaben
Konfession Kirchengemeinde
keine Angaben
Gibt es weitere Gottesdienstorte?
keine Angaben
Weitere Gottesdienstorte sind
keine Angaben
Gibt es weitere Formen spirituellen Engagements?
In Planung
Formen des weiteren spirituellen Engagements
keine Angaben
Liegt das Kloster an Pilgerwegen?
In Planung
Angebundene Pilgerwege
Jakobsweg, Waldenser- und Hugenottenweg
Kloster ist Wallfahrtsort
keine Angaben
Beschreibung des Wallfahrtsortes
keine Angaben

8. Wissenschaft

Kloster mit wissenschaftlicher Arbeit in den Bereichen Religion, Klosterkultur, Denkmalpflege, Ordensforschung oder Geschichte
nein
Formen wissenschaftliche Anbindung
keine Angaben
Gibt es andere wissenschaftliche AktivitÀten?
nein
Andere Wissenschaftliche Arbeit
keine Angaben

9. Tourismus

Ist Klosteranlage offen fĂŒr touristische Nutzung
ja
Gibt es ein gastronomisches Angebot
Ja, ganzjÀhrig
Werden Klosterprodukte vermarktet?
Nein

10. Klosterkultur

Sind Arbeitsbereiche mit einem Bezug zur Klosterkultur dauerhaft ansÀssig?
Ja
Formen der Klosterkultur
Kreativ tÀtig sein
Sonstiges
Formen der Klosterkultur Beschreibung
im Sommer dient die Kirche als Kulturzentrum der Stadt

11. Vernetzung

Kloster arbeitet in Netzwerken mit
Ja
Art von Netzwerken
Tourismus
Kultur
Klosternetzwerke
Kirche oder religiöse Netzwerke
Bildungspolitik
Wissenschaft
Denkmalpflege

12. Kernkompetenzen

Kloster verfĂŒgt Kernkompetenzen in
keine Angaben
Beschreibung Kernkompetenzen und weitere Ansprechpartner
Verzahnung mit stÀdtischer Verwaltung
Bild eines Klosters - Franziskanerkloster AngermĂŒnde

Franziskanerkloster AngermĂŒnde

Klosterstraße 43a

16278 AngermĂŒnde

GrĂŒndungsjahr

1260

Ordenszugehörigkeit

Franziskaner

Die GrĂŒndung des Klosters erfolgte vermutlich um 1250 unter dem Stifter Markgraf Johann I. Die AngermĂŒnder Franziskanermönche beteiligten sich im 14. Jh. an den Inquisitionsprozessen gegen die als HĂ€retiker geltenden Waldenser. Anfang des 15. Jhs. schloss sich der Konvent der Observanzbewegung an. 1556 wurde das Kloster im Zuge der Reformation durch KurfĂŒrst Joachim II. enteignet und der Konvent aufgehoben. 1567 erwarb die Stadt AngermĂŒnde die Anlage.

Klosteranlage

Die Franziskaner errichteten ihre Klosteranlage im sĂŒdöstlichen Teil der Stadt direkt an der Stadtmauer. Der Komplex setzte sich aus der Kirche und einer zweifachen Klausuranlage zusammen, die aus zwei Klausurhöfen und einem MittelflĂŒgel bestand. Die Bauten erlitten im DreißigjĂ€hrigen Krieg starke SchĂ€den und wurden bis 1800 abgetragen. Heute ist noch die Klosterkirche erhalten, die bis 1990 u.a. als Kirche, Lager, Heimatmuseum und Feuerwehrdepot diente. Heute wird das GebĂ€ude als stĂ€dtisches Kulturzentrum genutzt.

Lage und Umgebung

AngermĂŒnde liegt in der sĂŒdöstlichen Uckermark zwischen den zwei grĂ¶ĂŸten Naturschutzgebieten der Region. Die Stadt ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „StĂ€dte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg“ und wartet mit einer sanierten Altstadt, mittelalterlichen Stadtstrukturen und HandwerkshĂ€usern aus dem 17. bis 19. Jh. auf. Sehenswert sind auch die Stadtpfarrkirche St. Marien aus dem 13. Jh. und Teile der Stadtmauer mit dem Pulverturm.

Highlights

Der Lettner der ehemaligen Klosterkirche zwischen Hauptschiff und Chor ist fast vollstĂ€ndig original erhalten und damit eine Besonderheit in Brandenburg. Herausragend sind auch die Wandmalereien aus dem 13.  bis 15. Jh. und die verzierte Sakristei. Der „AngermĂŒnder Klostersommer” belebt die Kirche mit vielfĂ€ltigen Kulturveranstaltungen.

Das ehemalige Franziskanerkloser AngermĂŒnde

Waldenser – die Armen Christi

1336 wurden in AngermĂŒnde 14 Menschen zum Tode verurteilt und auf dem Marktplatz verbrannt. Dieses Ereignis brachte der Stadt den Beinamen „Ketzer-AngermĂŒnde“, denn bei den Hingerichteten handelte es sich um AnhĂ€nger einer als HĂ€resie verfolgten Lehre – um Waldenser.

Sie waren neben den Katharern eine der wichtigsten hĂ€retischen Gruppen des Mittelalters, die seit ihrer Entstehung in Frankreich in den 70er Jahren des 12. Jahrhunderts bis zur Reformation aktiv blieb. Die meisten HĂ€resien waren dagegen durch die intensive TĂ€tigkeit der Inquisition bereits im 13. Jahrhundert ausgerottet worden. Vor allem unter armen Stadtbewohnern erfreuten sich die Waldenser eines großen Zuspruchs, was vor dem Hintergrund der starken sozialen Unterschiede in den StĂ€dten des Hochmittelalters verstĂ€ndlich ist. Die „Pauperes Christi“ (Armen Christi), wie sie sich selbst nannten, predigten ursprĂŒnglich die RĂŒckkehr zur Armut und zum apostolischen Leben, nicht jedoch gegen die Lehren der Kirche. Da die katholische Kirche durch das Auftreten des BegrĂŒnders der Bewegung, Petrus Valdes, ihr Predigtmonopol gefĂ€hrdet sah, belegte Papst Lucius III. die Waldenser 1184 mit dem Kirchenbann. SpĂ€ter stigmatisierte man sie als HĂ€retiker. Aus der anfĂ€nglichen Waldensergemeinschaft gingen unterschiedliche Gruppen hervor, die sich in ganz Europa verbreiteten. Einige von ihnen radikalisierten sich und lehnten die sieben Sakramente sowie u.a. die Heiligenverehrung und den Glauben an das Fegefeuer ab. Sie lebten in kleinen Gruppen, meist im Verborgenen, verzichteten auf jeglichen Luxus oder gar persönliches Eigentum, betrieben weiterhin die untersagte Laienpredigt und passten sich nach außen der Gesellschaft an, um den Verfolgungen zu entgehen.

Die 14 Waldenser, die in AngermĂŒnde verbrannt wurden, bezichtigte man der Teufelsanbetung. Der Prozess war angeblich durch die AngermĂŒnder Franziskaner angeregt worden.

Franziskaner – die MinderbrĂŒder

Die StĂ€rke der Bettelorden lag zweifellos in ihrem unmittelbaren Kontakt zur Bevölkerung, der sich durch ihre TĂ€tigkeit als Seelsorger und Prediger entfaltete. Aus diesem Grund setzte das Papsttum die Dominikaner und Franziskaner gerne im Kampf gegen die HĂ€resien ein, sei es als Volksprediger – wie Berthold von Regensburg – sei es als BrĂŒder-Inquisitoren.

Dabei entgingen die Franziskaner selbst nur knapp einer Verurteilung als HĂ€retiker. Ihre AnsĂ€tze und Ideale waren denen der Waldenser recht Ă€hnlich. Die Gruppe, die sich um 1208 um Franz von Assisi gebildet hatte, wollte in Armut und im Einklang mit dem Evangelium leben, um ihren Mitmenschen zu helfen. Zu dieser Zeit war – anders als 20 Jahre zuvor – die grundsĂ€tzliche Haltung der Kirche gegenĂŒber Armutsbewegungen nicht mehr völlig ablehnend. Die Bereitschaft von Franziskus, sich den kirchlichen Hierarchien unterzuordnen, fĂŒhrte dazu, dass Papst Honorius III. die Gemeinschaft 1223, nach anfĂ€nglichen Schwierigkeiten, offiziell als Orden der MinderbrĂŒder („Fratres Minores“) anerkannte.

So spielten die Bettelorden nicht nur eine aktive Rolle im Kampf gegen die HĂ€resien. Die Anerkennung der Armutsbewegung als Gegenströmung zu den als ketzerisch eingestuften Gruppierungen bot den Menschen, die nach dem Armutsideal leben wollten, eine Nische im Rahmen der Kirche. Die Orden bildeten seitdem eine BrĂŒcke zwischen dieser und dem einfachen Volk und sprachen den „unorthodoxen“ Bewegungen ihre Existenzberechtigung ab.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BLASCHKE, Wolfgang: AngermĂŒnde. Franziskaner. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 96–105.
  • ERBSTÖSSER, Martin: Ketzer im Mittelalter. Leipzig 1984.
  • ESSER, Kajetan: AnfĂ€nge und ursprĂŒngliche Zielsetzungen des Ordens der MinderbrĂŒder. Leiden 1966.
  • MERLO, G. G.: Waldenser, Waldensertum. In: Lexikon des Mittelalters. MĂŒnchen 2003, Bd. VIII, Sp. 1953–1955.
  • MOLLAT, Michel: Die Armen im Mittelalter. MĂŒnchen 1987.
  • PELLEGRINI, L: Franziskaner. Allgemeine Struktur des Ordens (Entstehung, Verfassung, Ordensleben). In: Lexikon des Mittelalters. MĂŒnchen 2003, Bd. IV, Sp. 800–806.

Klosteranlage

Ein Kloster am Rande der Stadt

Die AngermĂŒnder Franziskaner errichteten ihre Klosteranlage im sĂŒdöstlichen Teil der mittelalterlichen Stadt, direkt an der Stadtmauer, unweit des Hohen Tores. Die Klosterkirche stand im Norden. An die SĂŒdseite der Kirche lehnte sich die zweifache Klausuranlage aus zwei Höfen und einem MittelflĂŒgel. Der MittelflĂŒgel entstand zeitgleich mit der Kirche und dem westlichen Hof und bildete zunĂ€chst das Zentrum des Klosters. Dort waren das Dormitorium, das Refektorium und der Kapitelsaal untergebracht. Wie viele der Brandenburgischen Klöster erlitt auch die Franziskaneranlage in AngermĂŒnde große SchĂ€den wĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges. Vor allem die KonventsgebĂ€ude wurden stark beschĂ€digt und teilweise abgetragen. Das Baumaterial verwendete man fĂŒr den Wiederaufbau der Stadt. Noch bis um 1800 konnten einige RĂ€ume als Herberge genutzt werden. Danach wurden die KlostergebĂ€ude jedoch immer weiter zurĂŒck gebaut. Die Steine wurden fĂŒr andere Baumaßnahmen verwendet, u. a. fĂŒr den Fabrikbau in der Klosterstraße und der Schleusenstraße. So erinnert heute nur noch ein MauerstĂŒck an die Klausur.

Lettner und Wandmalereien

Doch die ehemalige Klosterkirche ist noch vorwiegend original erhalten und gibt Zeugnis von der Geschichte der Franziskanermönche in AngermĂŒnde. Sie ĂŒberstand den DreißigjĂ€hrigen Krieg und wurde 1699 in Stand gesetzt. Im 18. Jahrhundert diente sie teilweise als Kirchenraum, teilweise dem MilitĂ€r als Magazin und GefĂ€ngnis. Im 19. Jahrhundert wurde sie, je nach Verwendungszweck, mehrfach umgebaut und verlor dabei völlig ihre ursprĂŒngliche Bestimmung.

So beherbergte das GebĂ€ude nacheinander die Feuerwehr, das Heimatmuseum, unterschiedliche StadtĂ€mter und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es erneut als Lagerraum verwendet. Erst 1984 folgten erneute denkmalpflegerische Maßnahmen.

Die zweischiffige Hallenkirche wurde um 1300 aus Backsteinen errichtet. An einigen Stellen ist noch der Feldstein-VorgĂ€ngerbau zu entdecken. Der Bau ist asymmetrisch und besteht aus einem breitem Hauptschiff und einem schmaleren Seitenschiff. Der Baudekor der AußenwĂ€nde weist auf enge Verbindungen mit der „Choriner BauhĂŒtte“ hin. Im 15. Jahrhundert erhielt die Kirche nachtrĂ€glich u.a. das Gewölbe und ein neues Dachwerk.

Die Besonderheit der Kirche besteht nicht nur in dem schlichten doch eindrucksvollen Außendekor, sondern ist im Rauminneren zu suchen. Dazu gehören die Reste der ersten Wandbemalung aus dem spĂ€ten 13. Jahrhundert, die noch den Feldsteinbau schmĂŒckten, aber auch spĂ€tgotische Fresken aus dem 15. Jahrhundert und die polychromen Malereien auf den Gewölben der Sakristei. Einzigartig in Brandenburg ist der gotische Lettner aus Backstein. Die Trennwand zwischen dem Haupthaus und dem Chor, die den Bereich der Klostergemeinschaft von der „Leutkirche“ trennen sollte, datiert ins 14. Jahrhundert.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder. Köln 2000.
  • SCHUMANN, Dirk: AngermĂŒnde. Franziskaner. Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 98–99.

Lage und Umgebung

Eine Stadt mitten in der Natur

Die Stadt AngermĂŒnde liegt in der sĂŒdöstlichen Uckermark, zentral zwischen den zwei grĂ¶ĂŸten Naturschutzgebieten der Region, dem UNESCO-BiosphĂ€renreservat Schorfheide-Chorin und dem Nationalpark Unteres Odertal. Beide Schutzgebiete umfassen fĂŒr die Uckermark charakteristische und doch Ă€ußerst unterschiedliche Landschaften.

Das BiosphÀrenreservat prÀgen vor allem Seen und das dicht bewaldete Gebiet der Choriner Schorfheide, aber auch historische Spuren der Kulturlandschaft. Im Nationalpark Unteres Odertal ist die Oderaue mit ihren wechselhaften Landschaften, Flussaltarmen, Wiesen, WÀldern, sowie der besonderen Fauna und Flora unter Schutz gestellt.

Die wechselvolle, geologisch interessante Landschaft mit GrundmorĂ€ne, EndmorĂ€ne, Sander und Urstromtal, die sich wĂ€hrend der Vereisung der Weichselzeit vor ca. 15.000 Jahren bildete, war die Motivation zur GrĂŒndung des Nationalen Geoparks Eiszeitland am Oderrand. Das Besucherzentrum in Groß Ziethen dient mit ausfĂŒhrlichen Informationen zum glazialen Landschaftsraum und zur Eiszeit.

AngermĂŒnde selbst hat außer der ehemaligen Franziskanerklosterkirche eine wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges kaum zerstörte und schön sanierte Altstadt, mit gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtstrukturen und HandwerkshĂ€usern aus der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert zu bieten. AngermĂŒnde ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft StĂ€dte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg. Diese vereinigt StĂ€dte, die es sich zum Ziel gesetzt haben, ihren wertvollen Baubestand zu schĂŒtzen, aber auch in ein modernes Stadtbild einzubinden und ins Bewusstsein der Stadtbewohner zu rufen.

Über der Stadt AngermĂŒnde ragt die Stadtpfarrkirche St. Marien auf. Der Bau datiert in die erste HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts. Als Besonderheit der dreischiffigen Hallenkirche mit Sterngewölbe zeigt sich der mĂ€chtige Westturm aus Granitquadern. Zur mittelalterlichen Stadt gehörte auch das Hospital „Zum Heiligen Geist“ an ihrem sĂŒdwestlichen Rand. Das Hospital wurde 1336 errichtet und wĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Kriegs bis auf die Kapelle zerstört. Der dreijochige Bau mit einem Sterngewölbe, ĂŒberdauerte bis heute. Stadtmauern sind nur noch abschnittsweise vorhanden. Hervorzuheben ist der Pulverturm – auch Storchenturm genannt – mit seinem spitzen Steindach im SĂŒden. Die UrsprĂŒnge der Stadt spiegeln sich in der Ruine der askanischen Burg wider, deren spĂ€rliche Reste im Nordwesten der Altstadt zu finden sind.

Burgen als Grenzsicherung

In der heutigen Stadtgemarkung von AngermĂŒnde liegen zwei Ortschaften mit weiteren bemerkenswerten mittelalterlichen Burgruinen. Greiffenberg, nördlich der Stadt, im ehemaligen gleichnamigen StĂ€dtchen, wurde im Verlauf des 13. Jahrhunderts errichtet und war ursprĂŒnglich die Burg der Familie von Greiffenberg. Die Anlage ist rechteckig mit einem Haupthaus im Norden, einem runden Flankierungsturm in der Nord-Ost-Ecke und einem mĂ€chtigen eckigen Torhaus im Westen. Heute sind noch die Überreste aller Bauten und der Ringmauer zu sehen.

Die Burganlage in Stolpe an der Oder stellt einen anderen Burgtypus dar. Es handelt sich um einen auf und in einen kĂŒnstlichen HĂŒgel gebauten runden Backsteinturm, der von mehreren Wallanlagen umgeben ist. Der sog. „GrĂŒttpott“ wurde höchstwahrscheinlich von den Pommern unter dĂ€nischer Lehnshoheit um 1200 errichtet und sollte der Grenzsicherung gegen die Mark Brandenburg dienen. Fertiggestellt wurde der Bau wohl in der Mitte des 13. Jahrhunderts, bereits unter der Herrschaft der Askanier. 1446 wurde das Obergeschoss des Turms, der zu dieser Zeit unter pommerscher Lehnshoheit stand, wĂ€hrend einer Belagerung von KurfĂŒrst Friedrich II. zerstört. Bemerkenswert sind die von diesem Kampf herrĂŒhrenden Waffenfunde, von denen einige im Brandenburgischen ArchĂ€ologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel zu sehen sind.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BREITLING, Stefan: Adelssitze zwischen Oder und Elbe 1400–1600. Braubach 2005.
  • HOLST, Jens Christian: The Tower named „GrĂŒttpott“ at Stolpe upon Oder. In: JENSEN, Brigitte FLØE/WILLE-JØRGENSEN, Dorthe (Hrsg.): Expansion? – Integration? Danish-Baltic Contacts 1147–1410 AD. Vordingborg 2009, S. 95–118.
  • KRAUSKOPF, Christof: Gegen den KurfĂŒrsten. Waffenfunde aus dem Obergeschoss des GrĂŒtzpotts bei Stolpe an der Oder. In: aedificatio terrae. Festschrift fĂŒr Eike Gringmuth-Dallmer zum 65. Geburtstag. Rahden/Westfalen 2007, S. 247–254.
  • SCHÜTZ, Antonia: Die hoch- und spĂ€tmittelalterlichen Burgen und Adelssitze in der Uckermark, Land Brandenburg. Bestandsaufnahme und vergleichende Untersuchungen vom spĂ€ten 12. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Berlin 2006.
  • ag-historische-stadtkerne.de
  • dhm.de/ausstellungen/burg-und-herrschaft/brandenburg/start.htm
  • historischerstadtkern.de
  • landesmuseum-brandenburg.de
  • nationalpak-unteres-odertal.eu
  • schorfheide-chorin.de

Touristisches Angebot

Benachbarte Naturschutzgebiete

In der NĂ€he von AngermĂŒnde wartet erholsamer Naturgenuss. Dazu laden beide benachbarten Naturschutzgebiete ein. Im Nationalpark Unteres Odertal kann aktive Erholung beim Wandern und Radfahren mit Naturbeobachtung kombiniert werden. Flussauen, Trockenwiesen und Waldgebiete sind Brut- und ÜberwinterungsstĂ€tte fĂŒr zahlreiche, auch vom Aussterben bedrohte Vogelarten. Ausgeschilderte Wanderwege, thematische Wanderrouten und organisierte Wanderungen ermöglichen es, die Natur mit ihren Besonderheiten kennenzulernen.

Über gute Fahrrad- und Wanderwege verfĂŒgt auch das UNESCO-BiosphĂ€renreservat Schorfheide-Chorin. Sie erlauben sowohl mehrtĂ€gige AusflĂŒge, als auch kurze Tageswanderungen entlang der Seen und an vielen historischen DenkmĂ€lern vorbei. Besonders interessant erscheint eine Wanderung mit einem der LandschaftsfĂŒhrer, die sich auf unterschiedliche Themengebiete spezialisiert haben und den Touristen ihr Wissen und ihre Erfahrung anbieten. Viele Gemeinden und Vereine, wie der Wildpark Schorfheide, das Informationszentrum Blumberger MĂŒhle des Naturschutzbundes oder das Ökodorf Brodowin, sind im BiosphĂ€renreservat aktiv.

UNESCO-Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin

Im Juni 2011 hat die UNESCO-Kommission dem bestehenden Buchenurwald-Erbe der Welt in den Karpaten auch einen deutschen Anteil hinzugefĂŒgt. Der Buchenwald Grumsin kann seinen Beitrag dazu leisten, er ist als grĂ¶ĂŸtes Naturentwicklungsgebiet des BiosphĂ€renreservates Schorfheide-Chorin seit 1990 nutzungsfrei und zeigt bereits Zeichen fĂŒr den Beginn einer natĂŒrlichen Waldentwicklung. Ungestörtheit und WeitlĂ€ufigkeit des Waldes bieten Seeadler, Kranich und Schwarzstorch eine Heimat, seltene Orchideen finden ihren sehr speziellen Standort ebenso wie die Sumpfcalla im Erlenbruch oder das Torfmoos in den Mooren. Im Informations- und Besucherzentrum Geopark in Groß Ziethen und im NABU Informationszentrum Blumberger MĂŒhle bei AngermĂŒnde gibt es Ausstellungen zum Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin. Hier kommen wissbegierige Naturliebhaber interessante Informationen.

Eine Stadt, wie aus dem Bilderbuch

Die Innenstadt von AngermĂŒnde lĂ€dt zur Besichtigung, aber vor allem zum Verweilen ein. Die schmucke Altstadt mit dem Markt, dem Rathaus und der historischen Stadtbebauung ist bereits an sich ein Blickfang. Jedes der liebevoll sanierten HĂ€user hat seine eigene Geschichte. Die Ratswaage in der BrĂŒderstraße 20, ein Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert beherbergte ursprĂŒnglich die stĂ€dtische Waage und die Eichgewichte- und -maße, die seit der Vergabe durch Friedrich Wilhelm I. 1714 in AngermĂŒnde galten. Das Fachwerkhaus vom Ende des 17. Jahrhunderts im Hohen Steinweg 16 steht als einziges Haus in AngermĂŒnde mit dem Giebel zu Straße.

Die zahlreichen DenkmĂ€ler der Stadt, wie die St. Marienkirche oder den Pulverturm kann man bei einem gemĂŒtlichen Spaziergang, aber auch mit einer organisierten StadtfĂŒhrung, z.B. dem „Aben(d)teuerlichen Stadtrundgang“, besichtigen. In der Kirche kann man die 1744 eingeweihte barocke Orgel von Joachim Wagner bewundern und ihren Klang bei den AngermĂŒnder Sommerkonzerten genießen.

Der Klosterplatz und die ehemalige Franziskanerkirche sind PrĂ€sentationsflĂ€che fĂŒr kulturelle Veranstaltungen der Stadt. Hier finden Konzerte, Chorauftritte und TheaterauffĂŒhrungen statt. Die Kirche selbst bietet zudem Raum fĂŒr Ausstellungen sowie fĂŒr Tagungen oder Seminare.

Zahlreiche Veranstaltungen sind bereits fester Bestandteil des stĂ€dtischen Kulturlebens. Die Sommersaison beginnt im Mai mit der Regionalmesse „Wirtschafts- und Kulturtage“. Danach folgen das Mittsommertheater der UckermĂ€rkischen BĂŒhnen Schwedt im Juni und das UckermĂ€rkische Blasmusikfest im Juli. Das Jahresende und die Weihnachtszeit werden im Dezember mit einem Kunstmarkt dem traditionellen GĂ€nsemarkt gefeiert.

Gute Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in AngermĂŒnde und auch in den umliegenden Ortschaften auf dem Land. Ähnlich verhĂ€lt es sich mit Restaurants und CafĂ©s, die man auch mitten in der historischen Altstadt von AngermĂŒnde findet.

AngermĂŒnde erreicht man mit der Bahn, dem RE 3, auf der Strecke von Berlin nach Szczecin (Stettin). Von Berlin oder Prenzlau ist die Stadt ĂŒber die A11 problemlos zu erreichen.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • ag-historische-stadtkerne.de
  • angermĂŒnde.de
  • angermuender-sommerkonzerte.de
  • blumberger-muehle.de
  • brodowin.de
  • dhm.de/ausstellungen/burg-und-herrschaft/brandenburg/start.htm
  • eiszaitland-am-oderrand.de
  • historischerstadtkern.de
  • nationalpak-unteres-odertal.eu
  • schorfheide-chorin.de
  • wildpark-schorfheide.de

Geschichte

Mönche und Bettler

Die Franziskaner waren die einzige Ordensgemeinschaft, die sich im mittelalterlichen AngermĂŒnde niederließ. Man geht davon aus, dass die KlostergrĂŒndung um 1250 erfolgte und schreibt die Stifterrolle dem Markgrafen Johann I. zu, auch wenn keine genaue Überlieferung vorliegt. Das erste sichere Datum, 1299, steht im Zusammenhang mit einem Provinzialkapitel – einer Generalversammlung der Konvente der jeweiligen Ordensprovinz – das in diesem Jahr in AngermĂŒnde stattfand.

Da die Franziskaner, Ă€hnlich wie andere Bettelorden, nach dem Armutsprinzip lebten, war ihnen sowohl Privatbesitz als auch Grundbesitz verboten. Die AngermĂŒnder bestritten ihren Unterhalt tatsĂ€chlich durch Betteln und durch die VergĂŒtung ihrer geistlichen Dienste.

BrĂŒder-Inquisitoren

Zwei wichtige Ereignisse gehören zur Geschichte der Franziskaner in AngermĂŒnde. Eins davon ist die Beteiligung der Mönche an der Verfolgung und an den Prozessen gegen die als HĂ€retiker geltenden Waldenser. Das andere betrifft direkt das klösterliche Leben, denn Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster Teil der Observanzbewegung.

Die Verfolgung der Waldenser in der Uckermark ist mit Verfolgungswellen in ganz Europa verbunden. Die GrĂŒndung der Inquisition durch Papst Georg IX. im Jahr 1231 trug dazu bei, dass der Kampf gegen die sogenannten Ketzer, an dem sich Dominikaner, aber auch Franziskaner maßgeblich beteiligten, systematisiert und intensiviert wurde.

Bei zwei mĂ€rkischen Inquisitionsprozessen waren Mönche aus AngermĂŒnde anwesend. Das erste Mal wurden 1336 die Waldenser in AngermĂŒnde als Ketzer angeklagt.

Ob die Beschuldigung tatsĂ€chlich von den AngermĂŒnder Franziskanern ausging, ist nicht sicher. Tatsache ist, dass 14 Menschen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt und verbrannt wurden. Im zweiten Fall nahm ein Franziskaner aus AngermĂŒnde 1458 an einem Verhör im Inquisitionsverfahren gegen die Bewohner von Kerkow und Klein Ziethen teil.

ZurĂŒck zu den Armutsidealen

Waren die als hĂ€retisch bezeichneten Lehren oft Versuche, die Kirchenlehre zu reformieren, so war die Observanzbewegung ein Ă€hnlicher Versuch, die Ordensregel der Franziskaner auf ihrem Ursprung zurĂŒckzufĂŒhren. Durch die Bewegung, die aus dem Konflikt um das Armutsideal erwachsen war, spaltete sich der Franziskanerorden in die Konventualen und die Observanten auf. Die Letzteren kritisierten das Engagement des Ordens in Politik und Wissenschaft und forderten eine RĂŒckkehr zu den ursprĂŒnglichen Idealen.

Der Beginn der Reformbewegung wird auf 1368 datiert. Der Konvent von AngermĂŒnde schloss sich in der ersten HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts der Observanzbewegung an und lebte bis zur Aufhebung des Klosters in Zuge der Reformation nach dieser Regel. 1556 enteignete KurfĂŒrst Joachim II. das Kloster . Die Anlage blieb bis 1567 in den HĂ€nden der Familie Flanß, danach wurde sie von der Stadt AngermĂŒnde erworben.

Die SchĂ€den des DreißigjĂ€hrigen Krieges trugen dazu bei, dass die KonventsgebĂ€ude bis um 1800 vollstĂ€ndig abgebrochen wurden. Erhalten blieb nur die Klosterkirche, die mehrfach saniert und als Kirche, Lager, FeuerwehrrĂ€ume dienend, seit 1997 Kulturzentrum der Stadt ist.

Quellen - Bitte hier klicken

Quellen:

  • BLASCHKE, Wolfgang: AngermĂŒnde. Franziskaner: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 96–105.
  • ERBSTÖSSER, Martin: Ketzer im Mittelalter. Leipzig 1984.
  • KUTZ, Dietrich: Zur Ketzergeschichte der Mark Brandenburgs und Pommerns vornehmlich im 14. Jahrhundert. Luziferianer, Putzkeller und Waldenser. In: Jahrbuch fĂŒr die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 16–17/1986, S. 56–94.
  • MERLO, G. G.: Waldenser, Waldensertum. In: Lexikon des Mittelalters. MĂŒnchen 2003, Bd. VIII, Sp. 1953–1955.
  • PÁSZTOR, E.: Franziskaner. Spiritualenbewegung; Observanten und Konventualen. In: Lexikon des Mittelalters. MĂŒnchen 2003, Bd. IV, Sp. 805–806.
  • PELLEGRINI, L: Franziskaner. Allgemeine Struktur des Ordens (Entstehung, Verfassung, Ordensleben). In: Lexikon des Mittelalters. MĂŒnchen 2003, Bd. IV, Sp. 800–806.
  • UTZ TRAMP, Kathrin: Von HĂ€resie zur Hexerei. „Wirkliche“ umd imaginĂ€ren Sekten im SpĂ€tmittelalter. Hannover 2008.

Kontakt

Stadt AngermĂŒnde
Markt 24
16278 AngermĂŒnde

Telefon +49 (0)3331 260093
E-Mail angermuende@klosterland.de
Internet www.angermuende.de/

Lage