Kloster

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Zisterzienserinnenkloster Heiligengrabe

1. Allgemein

Ortsname
Heiligengrabe
Institution des Mitglieds
Stiftung
Arten Mitarbeitende in Tourismus und Kultur
ehrenamtlich
fest
frei
HaupteigentĂŒmer*In auf dem KlostergelĂ€nde
Stiftung
Weitere EigentĂŒmer*Innen auf dem KlostergelĂ€nde
keine Angaben

2. Geschichte

GrĂŒndungsjahr
1287
GrĂŒndungsorden
Zisterzienserinnen
Auflösung
anderes
Jahr der Auflösung
1742
Fand eine Wiederbesiedlung statt?
Nein
Wiederbesiedlung Typ
nie wiederbesiedelt
Wiederbesiedelung Beschreibung
keine Wiederbesiedlung, sondern dauerhafte Nutzung
Zentrale Begebenheiten
laut GrĂŒndungslegende des 16. Jahrhunderts GrĂŒndung im Jahr 1287; nach Reformation ÜberfĂŒhrung in Damenstift und zeitweilige Vertreibung des Konvents; 1742 offizielle Erhebung in Damenstift; 1847-1945 Schule fĂŒr adlige MĂ€dchen; 1945 Besetzung durch russische Truppen und Einzug des schlesischen Diakonissenschwesternschaft "Friedenshort" (1946-1998); parallel dazu Fortbestand des alten Konvents zu DDR-Zeiten

3. Baulichkeiten

Geschlossenes Bild der Klosteranlage
ja
Klosterkirche vorhanden
ja
Weitere GebÀude aus Klosterzeit
barocke WohnhÀuser der Stiftsdamen, sog. "Damenplatz" (erbaut ab ca. 1720); klassizistisches Stiftshauptmannshaus (heute Freie Schule); "Heilig-Grab-Kapelle (ca. 1520); Wirtschaftshof mit Stallungen und ehemal. BrauereigebÀude (2. H. 19. Jh.); GerichtsgebÀude (18. Jh.); RestaurantgebÀude mit anschl. Hotel und Wohn- und WirtschaftsgebÀude der Diakonissen (ca. 1985)
Vorherrschender Architekturstil
Gotik
Barock
Vorherrschendes Baumaterial
Backstein
PrÀgende bauliche ErgÀnzungenaus nachklösterlicher Zeit
keine Angaben

4. Denkmalpflege

KlostergelÀnde ist FlÀchendenkmal
Ja
Denkmalpflege Status
FlÀchendenkmal
GebÀuderekonstruktion seit Mitte 20. Jahrhundert
Ja, und weitere in Planung
GebÀuderekonstruktion
bereits getan: WohnhĂ€user am Damenplatz grundlegend saniert und vermietet; die gesamte Abtei wurde einer grundlegenden Sanierung unterzogen und z.T. mit einem neuen Nutzungskonzept (Verwaltung, SeminarrĂ€ume, Dormitorium, Museum etc.) verbunden; die "HĂŒllensanierung" weiterer GebĂ€ude auf dem KlostergelĂ€nde ist weitestgehend abgeschlossen; in Planung: Innenausbau und Nutzungskonzept
NutzungsÀnderungen seit etwa 1990
Ja, und weitere in Planung
NutzungsÀnderungen
ja und in Planung: Ausbau des 2. OG der Abtei (W+N) mit Herbergszimmern fĂŒr Seminar- und Tagungsteilnehmer (weiterer Ausbau geplant); OstflĂŒgel der Abtei zum Museum (Dauerausstellung); ehemaliges BrauereigebĂ€ude und Teile des Wirtschaftshofes in Nutzung der JugendbauhĂŒtte Brandenburg; ehemaliges "Stiftshauptmannshaus" (2001-2015 Museum mit Dauerausstellung) zum SchulgebĂ€ude umgewidmet; 1 Wohnhaus am "Damenplatz" (sog."Lindeiner-Kurie") zum Klosterladen umfunktioniert; "Wulffen-Kurie" zum Wohn- und SeminargebĂ€ude fĂŒr Teilnehmer an geistl. Seminarprogrammen ertĂŒchtigt

5. Nutzung

Nutzung der Klosterkirche
Gottesdienste
Konzerte
Arten Nutzer*innen auf dem KlostergelÀnde
Kirche
geistliche Gemeinschaft
private Firmen
Beherbung
Sonstiges

6. Kultur

Kulturelles Zentrum
Ja: Klosteranlage, die sich ihrem SelbstverstÀndnis nach als kulturelles Zentrum der Region begreift
Ja: Klosteranlage, die sich ihrem SelbstverstÀndnis nach als kulturelles Zentrum der Region begreift
Ausstellungen werden angeboten
Ja
Ausstellungen
Dauerausstellung und Wechselausstellungen

7. SpiritualitÀt

Eine geistliche Gemeinschaft ist im Kloster ansÀssig
ja
Lebens- und Wohnorte der Gemeinschaftsmitglieder
Klosteranlage
nÀhere Umgebung
weitere Region
Deutschland
Kirchengemeinde an Klosterkirche ansÀssig
keine Angaben
Konfession Kirchengemeinde
keine Angaben
Gibt es weitere Gottesdienstorte?
Ja
Weitere Gottesdienstorte sind
Heiliggrabkapelle, Kreuzgangkapelle
Gibt es weitere Formen spirituellen Engagements?
Ja
Formen des weiteren spirituellen Engagements
geistliche Seminare, Einkehrzeiten, Einkehrzeiten speziell fĂŒr Frauen
Liegt das Kloster an Pilgerwegen?
Ja
Angebundene Pilgerwege
Annenpfad
Kloster ist Wallfahrtsort
Ja
Beschreibung des Wallfahrtsortes
ganzjÀhriger Anziehungsort "Heiliges Grab" in der Heiliggrabkapelle, eingebunden in Pilgerweg Annenpfad

8. Wissenschaft

Kloster mit wissenschaftlicher Arbeit in den Bereichen Religion, Klosterkultur, Denkmalpflege, Ordensforschung oder Geschichte
nein
Formen wissenschaftliche Anbindung
keine Angaben
Gibt es andere wissenschaftliche AktivitÀten?
nein
Andere Wissenschaftliche Arbeit
keine Angaben

9. Tourismus

Ist Klosteranlage offen fĂŒr touristische Nutzung
ja
Gibt es ein gastronomisches Angebot
Nein, nur weiter entfernt
In Planung
Werden Klosterprodukte vermarktet?
Ja

10. Klosterkultur

Sind Arbeitsbereiche mit einem Bezug zur Klosterkultur dauerhaft ansÀssig?
Ja
Formen der Klosterkultur
Obdach geben (GĂ€stehaus, ObdachlosenunterkĂŒnfte, Pilgerherberge etc.)
Bildung ermöglichen (Schule, KiTa, Bibliothek, pÀdagogische Programme etc.)
Ratsuchenden helfen
Inklusion ermöglichen
Landwirtschaft betreiben
GĂ€rten gestalten
Handwerklich tÀtig sein
Kreativ tÀtig sein
Schöpfung erhalten
Sonstiges
Formen der Klosterkultur Beschreibung
keine Angaben

11. Vernetzung

Kloster arbeitet in Netzwerken mit
Ja
Art von Netzwerken
Tourismus
Kultur
Klosternetzwerke

12. Kernkompetenzen

Kloster verfĂŒgt Kernkompetenzen in
Religion
Kultur
Beschreibung Kernkompetenzen und weitere Ansprechpartner
kulturelle Angebote, geistliche Seminare, Einkehrzeiten
Bild eines Klosters - Zisterzienserinnenkloster Heiligengrabe

Zisterzienserinnenkloster Heiligengrabe

StiftgelÀnde 1

16909 Heiligengrabe

GrĂŒndungsjahr

1287

Ordenszugehörigkeit

Zisterzienserinnen

1287 grĂŒndete vermutlich Markgraf Otto V. von Brandenburg beim Ort Techow das Kloster ‘Zum Heiligen Grabe‘. Anlass der GrĂŒndung war ein Blutwunder infolge eines Hostienfrevels, wie eine Flugschrift von 1521 berichtet. Zeitgleich suchte man mit dem Neubau der Heiliggrabkapelle Heiligengrabe als Wallfahrtsort zu etablieren. Nach der Reformation bestand Heiligengrabe als evangelisches Kloster fort und wurde 1742 in ein adliges Damenstift umgewandelt. Noch heute lebt und arbeitet hier ein Frauenkonvent.

VideoportrÀt Heiligengrabe

Klosteranlage

Die Anlage vermittelt noch heute ein bemerkenswert geschlossenes Bild eines mittelalterlichen Klosters. Das Zentrum bilden die ehemalige Kloster- und heutige Stiftskirche sowie die angrenzenden Klausurbauten. In der westlich davon gelegenen Heiliggrabkapelle mit reprÀsentativen Stufengiebeln und neugotischer Ausmalung befindet sich eine Heilig-Grab-Anlage aus dem 13. Jahrhundert. Kurien-, Wirtschafts- und VerwaltungsgebÀude des 18. und 19. Jahrhunderts vervollstÀndigen den Komplex eindrucksvoll.

Lage und Umgebung

Heiligengrabe liegt im Osten der Prignitz, einer historisch geprĂ€gten Landschaft zwischen Berlin und Hamburg, deren Vielfalt vom BiosphĂ€renreservat der Flusslandschaft Elbe im Westen bis hin zu einer der grĂ¶ĂŸten Heidelandschaften Europas, der Kyritz-Ruppiner Heide, im Osten reicht. Idyllische Dörfer, mittelalterlich geprĂ€gte StĂ€dte, eine vielfĂ€ltige Museumslandschaft sowie Kirchen und Klöster laden zu kulturellen Entdeckungen ein. Zahlreiche Radwanderwege machen die Region zu einem Paradies fĂŒr Touristen.

Highlights

Westlich der Klosterkirche steht die Heiliggrabkapelle. Der reprĂ€sentative Saalbau, der 1520 an der Stelle von zwei VorgĂ€ngerbauten vollendet wurde, verfĂŒgt an den Stirnseiten ĂŒber reich gestaltete Stufengiebel. Das Innere des vierjochigen Raumes wird durch eingezogene Strebepfeiler gegliedert, die ein Sterngewölbe tragen. Die neugotische Ausmalung erfolgte 1903/04. 1986 wurde unter dem Fußboden ein Grabgewölbe freigelegt, das wohl schon zur Zeit der KlostergrĂŒndung als Heilig-Grab-Anlage entstand.

Im Nordwesten des Landes Brandenburg, in der historischen Landschaft der Prignitz, liegt Heiligengrabe.  Seit 1928 fĂŒhrt der Ort, der ursprĂŒnglich Techow hieß, diesen Namen. Benannt wurde er nach dem ehemaligen Nonnenkloster und spĂ€terem evangelischen Frauenstift Zum Heiligen Grabe, das im Jahr 1287 hier gegrĂŒndet wurde. Die ehemalige Klosteranlage, die in einer von BachlĂ€ufen und kleineren WĂ€ldern geprĂ€gten, landschaftlich reizvollen und ruhigen Umgebung gelegen ist, beeindruckt durch ihre bauliche Geschlossenheit, die sie als besterhaltene in ganz Brandenburg gelten lĂ€sst. Seit 1998 ist das Ensemble als Denkmal nationaler Bedeutung eingestuft.

Wenngleich natĂŒrlich auch in Heiligengrabe jede Zeit ihre Spuren hinterlassen hat, so ist doch die einzigartige Erhaltung der Anlage nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass die historischen GebĂ€ude seit jeher ununterbrochen bewohnt und genutzt wurden. Seit ĂŒber 700 Jahren leben, arbeiten und beten hier Frauengemeinschaften. Auch heute gibt es einen kleinen evangelischen Frauenkonvent, der unter Leitung einer Äbtissin nach GrundsĂ€tzen der Zisterzienserinnen und einer selbstgegebenen geistlichen Ordnung lebt. Das Kloster Stift zum Heiligengrabe ist eine Einrichtung der evangelischen Kirche und eine Stiftung des öffentlichen Rechts.

Besucherinnen und Besucher des Kloster Stift zum Heiligengrabe finden hier vielfĂ€ltige touristische, kulturelle und religiöse Angebote vor. Im Rahmen von FĂŒhrungen können die KlostergebĂ€ude besichtigt werden, darĂŒberhinaus lĂ€dt die parkĂ€hnliche Anlage zu SpaziergĂ€ngen ein. Das Museum, zunĂ€chst im Stifthauptmannshaus und seit 2014 im OstflĂŒgel der Klausur untergebracht, hat mit seinen Ausstellungen, z.B. zu Aspekten preußischer Frauengeschichte oder zum Heiligen Grab und nicht zuletzt auch mit seiner Dauerausstellung zur Kloster- und Stiftsgeschichte ĂŒberregionale Aufmerksamkeit erlangt. Jedes Jahr von Juni bis in den Advent lĂ€dt die Konzertreihe im Kloster Stift zum Heiligengrabe Besucherinnen und Besucher zu atmosphĂ€rischen Konzerten u. a. in die Stiftskirche oder die Heiliggrabkapelle bei freiem Eintritt ein. Den Andachten der Konventualinnen können GĂ€ste ebenso beiwohnen, wie VortrĂ€ge, Kurse oder Seminare zu Themen der Selbstfindung oder zu meditativen Übungen, aber auch zu klösterlichen Handwerkstechniken und theologischen Fragestellungen besuchen. ÜbernachtungsgĂ€sten stehen direkt auf dem StiftsgelĂ€nde GĂ€ste- und Herbergszimmer zur VerfĂŒgung. Im ehemaligen Stifthauptmannshaus befindet sich eine Gemeinschaftsschule mit Schwerpunkten u.a. in der musischen Bildung, außerdem bietet die JugendbauhĂŒtte Brandenburg/Berlin auf dem StiftsgelĂ€nde jungen Menschen die Möglichkeit der beruflichen Orientierung in der Denkmalpflege.

Das Zentrum des im Westen des Ortes Heiligengrabe gelegenen ehemaligen Klosters und heutigen Damenstiftes bilden die mittelalterliche Kirche und die Klausurbauten sowie die westlich der Kirche gelegene Heiliggrabkapelle. Die Klosterkirche entstand wohl um 1300 als erstes GebĂ€ude nach der GrĂŒndung. Die LanghauswĂ€nde der einschiffigen Kirche bestehen grĂ¶ĂŸtenteils aus Feldsteinen, die Fenster- und TĂŒreinfassungen, die Strebepfeiler und Traufgesimse aus Backsteinen. Die Westfassade, ebenfalls vorwiegend aus Feldsteinen gemauert, wird durch die in Backsteinen ausgefĂŒhrte Mittelachse mit dem Hauptportal und einem darĂŒber liegenden Spitzbogenfenster gegliedert. Der sich darĂŒber erhebende Stufengiebel mit fĂŒnf spitzbogigen Blenden wurde zu Beginn des  20. Jahrhunderts nach alten Formen rekonstruiert. Das Chorpolygon ist in Backsteinen ausgefĂŒhrt. Die zisterziensischen Bautraditionen entsprechende NĂŒchternheit des turmlosen Kirchenbaus setzt sich auch im Innenraum fort. Das Langhaus wird von einem einfachen Kreuzrippengewölbe ĂŒberspannt. Die westlichen fĂŒnf Joche boten der heute nicht mehr vorhandenen Nonnenempore Raum, dementsprechend finden sich hier jeweils zwei ĂŒbereinanderliegende Fenster.

Die sich im Norden an die Klosterkirche anschließenden Klausurbauten mit dem ĂŒberbauten Kreuzgang bilden eine nahezu quadratische geschlossene Anlage. Nach jĂŒngeren bauarchĂ€ologischen Untersuchungen entstand zunĂ€chst der OstflĂŒgel im engen zeitlichen Zusammenhang mit dem Kirchenbau, danach der NordflĂŒgel, und anschließend, ebenfalls im 14. Jahrhundert, der WestflĂŒgel. Der Westteil des NordflĂŒgels ist geprĂ€gt durch einen Umbau durch F. A. StĂŒler in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Heiliggrabkapelle westlich  der Klosterkirche, die mindestens einen VorgĂ€ngerbau an dieser Stelle hatte, wurde wohl 1512 geweiht. Vollendet war sie möglicherweise erst in den 1520er Jahren. Der rechteckige vierjochige Bau mit innenliegenden Strebepfeilern, auf denen ein Sterngewölbe aufsetzt, verfĂŒgt an den Stirnseiten ĂŒber reich gegliederte Stufengiebel. Die neugotische Ausmalung und Ausstattung im Inneren gehen auf  eine Renovierung 1903/04 zurĂŒck. Im Jahr 1986 kam im westlichen Bodenbereich der Kapelle bei Bauarbeiten ein ĂŒberwölbtes Scheingrab zutage, das als Heilig-Grab-Anlage aus der Entstehungszeit der ursprĂŒnglichen Heiliggrabkapelle interpretiert wird.

Weitere GebÀude auf dem StiftsgelÀnde stammen vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert, darunter Kurien der Stiftsdamen um den sogenannten Damenplatz, WirtschaftsgebÀude sowie das spÀtklassizistische Stiftshauptmannshaus aus dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts, in dem sich heute eine Schule befindet.

Der Überlieferung nach grĂŒndete der Askanier Otto V. (der Lange) von Brandenburg, ein Cousin und Mitregent des brandenburgischen Markgrafen Otto IV., im Jahr 1287 ein Kloster beim Ort Techow und siedelte hier Zisterzienserinnen aus Neuendorf in der Altmark an. Zur KlostergrĂŒndung sind keine schriftlichen Quellen erhalten. Die Ă€lteste erhaltene Urkunde aus dem Jahr 1306 berichtet vom Verkauf des Ortes Breitenfeld an das Kloster Techow, in einer Urkunde von 1317 ist erstmals vom Kloster zum Heiligen Grab die Rede. Die Ă€lteste ErwĂ€hnung des GrĂŒndungsdatums stammt aus einer mit Holzschnitten illustrierten Flugschrift, die im Jahr 1521 in Rostock gedruckt wurde und die GrĂŒndungslegende des Klosters wiedergibt. Nach dieser Legende soll ein Jude eine Hostie aus der Techower Dorfkirche gestohlen haben. Beim Versuch, diese Hostie aus Sorge vor Entdeckung beim Richtplatz außerhalb des Ortes zu vergraben, begann sie zu bluten. Durch das Blut an seinen HĂ€nden verraten, wurde der Dieb ĂŒberfĂŒhrt und hingerichtet. Auf der Techower RichtstĂ€tte errichtete man nun eine Kapelle und das Kloster, und die bald darauf dorthin verbrachte Hostie begann, Wunder zu bewirken.

Die Illustrationen der Flugschrift von 1521 dienten als Vorbild fĂŒr die unter der Äbtissin Anna von Rohr im Jahr 1532 entstandenen 15 Tafelbilder, die die GrĂŒndungslegende erzĂ€hlen und von denen sechs Tafeln erhalten sind, die heute in der Stiftskirche betrachtet werden können. Die Überlieferung fĂŒgt sich in ein hĂ€ufiges Schema der Judenfeindlichkeit des spĂ€ten Mittelalters ein, in dem insbesondere der Hostienfrevel als Anschuldigung und Anlass fĂŒr Verfolgung diente. DarĂŒberhinaus sollte durch die Legende die lange Tradition einer Heilig-Blut-Wallfahrt nach Heiligengrabe vermittelt werden. TatsĂ€chlich ist in Heiligengrabe zunĂ€chst aber von einer liturgischen Verehrung des Heiligen Grabes auszugehen. Die im 15. Jahrhundert an anderen Orten (z.B. in Wilsnack) immer mehr anwachsenden Heilig-Blut-Wallfahrten dĂŒrften wohl die Motivation dafĂŒr gewesen sein, einem möglichen Bedeutungsverlust von Heiligengrabe ebenfalls durch ein Wunderblut entgegenzuwirken.

Mit EinfĂŒhrung der Reformation in Brandenburg setzte sich auch in Heiligengrabe im Jahr 1543 die neue Kirchenordnung durch. Das ehemalige Kloster wurde in ein evangelisches Damenstift umgewandelt, wobei es dem Konvent gelang, sich dem Verlust seiner GĂŒter und Besitzrechte weitestgehend zu widersetzen. War Heiligengrabe nun zunĂ€chst ein Ort der Gemeinschaft adliger unverheirateter Stiftsdamen, kamen im 19. Jahrhundert neue Funktionen wie eine Erziehungsanstalt,  ein Waisenhaus und weitere soziale Einrichtungen hinzu. Nach dem 2. Weltkrieg wirkten hier fĂŒr lange Jahre Friedenshort-Diakonissen. Seit 1996 lebt, betet und arbeitet wieder ein kleiner Frauenkonvent im Kloster Stift zum Heiligengrabe.

Kontakt

Kloster Stift zum Heiligengrabe
StiftgelÀnde 1
16909 Heiligengrabe

E-Mail info@klosterheiligengrabe.de
Telefon +49 33962 808-0
Internet www.klosterstift-heiligengrabe.de/

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