Kloster

Zisterzienserkloster Marienwalde

Bild eines Klosters - Zisterzienserkloster Marienwalde

Der Gründungsprozess von Marienwalde dauerte von 1280 bis 1294. Landschenkungen seitens des märkischen Adels unterstützten die wirtschaftliche Entwicklung des Klosters, das seine Blüte in der Askanierzeit bis Anfang des 14. Jhs. hatte. Danach brachen bis zur Übernahme der Neumark durch die Hohenzollern 1454 unruhige Zeiten an – 1347 brannte das Kloster vollständig nieder. Erst 1350 konnten die Mönche die Anlage erneut beziehen. Um 1539 wurde das Kloster säkularisiert und ab 1546 erfolgte die Bewirtschaftung als markgräfliche Domäne. 1690 und 1814 beschädigten erneut Brände die Bauten, weitere Zerstörungen folgten im Zweiten Weltkrieg.

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Zisterzienserkloster Marienwalde

ul. Cystersów 1

73-240 Bierzwnik

Gründungsjahr

1294

Ordenszugehörigkeit

Zisterzienser

Klosteranlage

Die auf einer Anhöhe über dem Küchensee erbaute Backsteinanlage weist bauhistorische Ähnlichkeiten mit dem Mutterkloster in Kolbatz auf. Viele Schmuckelemente zeigen ihren Ursprung in der „Choriner Bauhütte“. Erhalten sind Teile der Kirche sowie des Ost- und Südflügels der Klausur. Archäologische Ausgrabungen förderten eine Krypta im Kirchenchor und architektonische Elemente, wie Wasserkanäle, Warmluftheizung oder einen Brunnen im Friedgarten zu Tage. Zudem entdeckte man Reste einer Wassermühle, Ziegel- und Kalkbrennöfen und einer Schmiede, die von den wirtschaftlichen Aktivitäten der Zisterzienser zeugen. Freigelegte Kellerräume des Westflügels sind rekonstruiert.

Lage und Umgebung

Marienwalde liegt auf einer Ebene, die durch den Drage-Urwald und die Dramburger und Dobiegniewer Seenplatten geprägt ist. Im Drage-Nationalpark erzählen Spuren historischer Teerbrennereien, Glashütten und Kanäle von der regionalen Kulturgeschichte.

Highlights

In der früheren Abtei können Phasen des Wiederaufbaus nachvollzogen werden: Verwilderte Ruinen und in Rekonstruktion befindliche Bauten liegen neben instandgesetzten Objekten. Auf dem Klosterberg wurde ein Naturlehrpfad eingerichtet und mehrsprachige Tafeln erläutern die Ausgrabungen. Die Anlage liegt an der „Europäischen Route der Zisterzienser-Abteien und -Stätten“.

Das ehemalige Zisterziensterkloster Marienwalde

Silva S. Mariae – der Marienwald

Die Region, in der das Kloster Marienwalde gegründet wurde, war im 13. Jahrhundert von Wäldern und feuchten Wiesen geprägt. Nach dem Bericht der Mönche des Mutterklosters Kolbatz „wimmelte das Wasser dort von kriechendem Gewürm, und die Flüsse füllte eine unzählbare Menge von Fröschen, und vor ihnen war niemand sicher. Da kamen die heiligen Sänger, die Mönche, dorthin und von nun wurden die Flüsse frei von den Fröschen und die Wasserschlangen räumten das Feld.“ Die Beschreibung stellt einerseits im Übertragenen Sinne die aufwendige Arbeit dar, das Gebiet für den Klosterbau vorzubereiten. Andererseits ist sie symbolisch zu lesen. Dass ausgerechnet Frösche und Wasserschlagen – im Christentum negativ belegte Tiere – vor Ort angetroffen wurden, betont, wie wichtig die Ankunft der Mönche war. Nun konnte letztendlich die Klosteranlage auf einer Anhöhe, am Rand des Küchensees gebaut werden. Die Mönche nannten sie Silva S. Mariae – Marienwalde.

Mütter und Töchter

Die Gründung der Zisterze hängt mit der Wiedergutmachung für das Kolbatzer Kloster zusammen, das während der Kämpfe zwischen Pommern und Brandenburgern im späten 13. Jahrhundert zahlreiche Schäden erlitten hatte. Der Konvent stellte sich letztendlich auf die Seite der brandenburgischen Markgrafen und unter ihren Schutz. 1286 bekamen die Brüder eine Landschenkung in der Nähe des „Küchensees“ (jezioro Kuchta), um dort eine Filiale ihres Klosters zu gründen. Die großzügige Unterstützung seitens der Markgrafen war für deren Politik mehr als vorteilhaft. So konnten sie ihre Position in der Neumark festigen und die dünn besiedelten Gebiete wirtschaftlich stärken.

Doch auch für den Konvent aus Kolbatz war eine Filiation überaus wichtig. Der Orden der Zisterzienser, der aus der Cluniazensischen Reform hervorgegangen war und seinen Ursprung in der 1098 in Citeaux gegründeten Abtei hatte, verbreitete sich dank des Filiationssystems explosiv in ganz Europa. Das dezentralisierte System, vor allem aber die weiten Entfernungen zwischen den Klöstern und der Zentrale in Frankreich, verlangten nach einem Verwaltungssystem, das es dem Orden erlaubte, weiterhin als Einheit zu erscheinen und zu agieren sowie zudem Kontrolle über die zahlreichen Klostergemeinschaften zu behalten. In der „charta caritatis“, der Ordensverfassung aus dem 12. Jahrhundert, hielt man die Grundlagen des Filiationskonzeptes fest. Die Tochterklöster waren damit den Mutterklöstern unterstellt. Die Äbte trugen die Verantwortung für die Einhaltung der Ordensregel in den Filiationen, aber auch für die Ausstattung der Neugründungen. Die verwandten Abteien bildeten eine Familie und standen im engen Kontakt und personellen Austausch. Sie unterstützen sich gegenseitig und versuchten den Einfluss der Diözesen auf das klösterliche Leben zu minimieren. Die komplexen Verflechtungen stärkten die Position des Ordens und der einzelnen Klöster in der Region und erlaubten es ihnen, umfangreichen Besitz und große Macht zusammenzutragen.

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Verwendete Literatur:

  • JARZEWICZ, Jaroslaw: Gotycka Architektura Nowej Marchii. Budownictwo sakralne w okresie Askańczykow i Wittelsbachow. Poznan 2000
  • MAYER-HAAKE, Arne: Die Entstehung des Zisterzienserordens in Burgund. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 11-19
  • PIOTROWSKI, Robert: Kloster Marienwalde – Nemus s. Marie. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 152-156
  • GAHLBECK, Christian: Marienwalde (Bierzwnik). Zisterzienser. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 871–873.

Klosteranlage

Das ideale Kloster

Der Zisterzienserkonvent – darunter der Abt und zwölf Brüder – kam im Juni 1294 nach Marienwalde. Zu diesem Zeitpunkt war der Bau der 1286 gegründeten Klosteranlage bereits fortgeschritten, so dass die Mönche ihre Arbeit aufnehmen konnten. Zisterzienserklöster lehnten sich in ihrem Aufbau meist an einen Idealplan aus dem 9. Jahrhundert an, der in der Benediktinerabtei St. Gallen entwickelt worden war. Der Plan sah Gebäude vor, die durch die Anordnung der Räume sowie eine klare und durchdachte Zweckbestimmung den Mönchen ein bequemes – wenn auch nicht luxuriöses – den Ordensregeln entsprechendes Leben, Arbeiten und Beten ermöglichte. Die Zisterzienser passten den Idealplan freilich an ihre Bedürfnisse und ihre Ordensregel an und trennten die Klausur in zwei Bereiche. Einer war ausschließlich für die geweihten Brüder zugänglich, der andere stand den Konversen, den Laienbrüdern, zur Verfügung, welche für den Wirtschaftsbetrieb der Klöster verantwortlich waren. So verfügte eine Klosteranlage über eine Kirche und den inneren Bereich mit der Klausur. Dort lagen Kreuzgang, Dormitorium (Schlafraum der Mönche), Refektorium (Speisesaal der Gemeinschaft), Kapitelsaal (Versammlungsraum), Bibliothek, aber auch Küche, Wirtschafts-, Vorratsräume und ein Brunnenhaus. Den Klausurbereich erweiterten Wirtschaftgebäude, Werkstätten, Gärten, Ställe, gegebenenfalls eine Brauerei und andere Nebengebäude. In gesonderten Gebäuden waren Gäste des Hauses, Novizen und das Hospital untergebracht. Der Abt verfügte ebenfalls oft über sein eigenes Abtshaus.

Was noch übrig blieb

Stehen von dem Marienwerder Zisterzienserkloster heute nur noch einige wenige Bauten, wie Teile der Kirche und des Ost- und des Südflügels, kann doch der Aufbau der Anlage dank eines Plans von 1792 sowie intensiver archäologischer Ausgrabungen und baugeschichtlicher Untersuchungen nachvollzogen und rekonstruiert werden. So zeigt sich uns eine typische Zisterzienserklosteranlage mit einer Kirche im Norden und dem daran anschließenden, aus drei Flügeln bestehenden Klosterbereich mit einem Kreuzgang und einem Feldsteinbrunnen im Friedgarten. Die Backsteinanlage, auf einer kleinen Anhöhe über dem Küchensee erbaut, weist bauhistorisch Ähnlichkeiten mit dem Mutterkloster in Kolbatz auf. Viele Bau- und Schmuckelemente zeigen ihren Ursprung in der „Choriner Bauhütte“.

Auch die wirtschaftlichen Aktivitäten der Zisterzienser, die in der Ordensregel fest verankert waren und sich in dem Leitspruch „ora et labora“ widerspiegelt, konnten während der archäologischen Arbeiten auf dem Klostergelände nachgewiesen werden. Unterschiedliche Befunde lassen auf eine Wassermühle, Ziegel- und Kalkbrennöfen, eine Schmiedewerkstatt, einen Speicher und möglicherweise sogar eine Brauerei schließen.

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Verwendete Literatur:

  • BRZUSTOWICZ, Jacek G.: Klasztory cysterskie w Bierzwniku, Pełczycach i Reczu. Choszczno 1995.
  • JARZEWICZ, Jaroslaw: Gotycka Architektura Nowej Marchii. Budownictwo sakralne w okresie Askańczykow i Wittelsbachow. Poznan 2000
  • Piotrowski, Robert: Kloster Marienwalde – Nemus s. Marie. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 198, S. 152-156
  • WITTKOPP, Blandine: Marienwalde (Bierzwnik). Zisterzienser. Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 871–873;

Lage und Umgebung

An der Drage

Für den südlichen Teil der Woiwodschaft Westpommern, zu dem auch die Gemeinde und der Ort Bierzwnik (Marienwalde) gehören, sind – dank der Drage-Ebene (Równina Drawska) mit dem Drage-Urwald (Puszcza Drawska) und den Dramburger und Dobiegniewer Seeplatten (Pojezierze Drawskie i Dobiegnieckie) – dichte Wälder mit Eichen, Buchen, Hainbuchen und Kiefern sowie zahlreiche kleine und große Seen charakteristisch. Alleine in der Gemeinde Bierzwnik gibt es 38 Seen.

Der Fluß Drage (Drawa) teilt die Ebene und bildet malerische Landschaften mit bis zu 30m hohen Schluchten und teilweise unberührter Natur. Im Einzugsgebiet der Drage und des Flusses Płociczna, inmitten des Drawa-Urwaldes wurde 1990 der Nationalpark Drawa (Drawieński Park Narodowy) mit 114,41 km2 Fläche mit dem Ziel gegründet, die Besonderheiten und die Vielfalt der Natur dieser Region zu schützen. Über 1000 Pflanzen- und über 200 Wirbeltierarten, sowie Seen, Torfmoore, Wiesen und ausgedehnte Wälder finden sich im Nationalpark. Besteht das relativ junge Schutzgebiet heute vorwiegend aus Wäldern, so lassen sich hier doch zahlreiche historische Spuren des menschlichen Wirkens entdecken. Überreste von Teerbrennereien, Glashütten, Kanälen oder Holzstapelplätzen und Wegweisern, aber auch von Siedlungen und Friedhöfen erlauben es, den Park nicht nur als Naturschutzgebiet, sondern auch als Kulturlandschaft und Teil der regionalen Kulturgeschichte wahrzunehmen.

Die Schätze der terra transoderana

Während die Anwesenheit der Marienwalder Zisterzienser gehörte diese Region zunächst zur Mark Brandenburg, dann seit 1402 als Teil der Neumark dem Deutschen Orden, um in der Mitte des 15. Jahrhunderts unter die Herrschaft vom Kurfürstentum Brandenburg zu gelangen. Die Städte, die im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung im 13. Jahrhundert gegründet worden waren, wurden Zeugen einer turbulenten Geschichte der„terra transoderana“ bis 1945. Zahlreiche Ortschaften litten sehr bereits während der Hussitenkriege in den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts und des Dreißigjährigen Krieges, aber auch des Zweiten Weltkrieges.

Es lohnt sich, die Umgebung von Bierzwnik zu erkunden und die umliegenden Städtchen und Städte mit ihrer historischen Bebauung zu bereisen. In dem 10 km südöstlich gelegenen Dobiegniew (Woldenberg) kann die spätgotische Stadtkirche bewundert werden. Zu den größeren Ortschaften, die von Bierzwnik aus gut erreichbar sind, gehören im Süden Drezdenko (Driesen) mit den Überresten der Festung des frühen 17. Jahrhunderts, einer barocken Schloß- und Parkanlage und den Fortifikationsanlagen der Netze-Linie aus dem Zweiten Weltkrieg, sowie Strzelce Krajeńskie (Friedberg) mit der Marienkirche aus dem 14. Jahrhundert und beeindruckenden mittelalterlichen Wehranlagen samt Weichhäusern.

Nimmt man von Bierzwnik aus die Straße nach Norden in Richtung Stargard Szczeciński (Stargard in Pommern), so kommt man durch Choszczno (Arnswalde), wo das Mittelalter noch in den Resten der Stadtbefestigung und der gotischen Stadtkirche St. Marien aus dem 14. Jahrhundert entdeckt werden kann.

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Verwendete Literatur:

  • JARZEWICZ, Jaroslaw: Gotycka Architektura Nowej Marchii. Budownictwo sakralne w okresie Askańczykow i Wittelsbachow. Poznan 2000.
  • RYMAR E.: Cystersi na terytorium Nowej Marchii przed i w trakcie jej tworzenia oraz ich stosunki z margrabiami brandenburskimi z dynastii askańskiej. In: STRZELCZYK, Jan (Hrsg.): Historia i kultura cystersów w dawnej Polsce i ich europejskie związki. Poznań 1987, S. 193ff.

 

  • http://www.bierzwnik.pl/ (30.06.2012)
  • http://www.choszczno.pl/ (30.06.2012)
  • http://www.dobiegniew.pl/ (30.06.2012)
  • http://www.dpn.pl/ (30.06.2012)
  • http://www.strzelce.pl/ (30.06.2012)

Touristisches Angebot

Auf den Spuren der Zisterzienser und der Kriegsgefangenen

Die Besucher können sich in Bierzwnik vor allem auf die ehemalige Zisterzienserabtei freuen. Das Kloster wird heute von der katholischen Gemeinde verwaltet und zurzeit aufwendig restauriert. Der Westteil der Kirche sowie der Westflügel des Klosters werden seit 2008 wieder aufgebaut. Die auf dem Gelände durchgeführten archäologischen Grabungen sind sehr gut dokumentiert und die Forschungsergebnisse in Form von mehrsprachigen Tafeln präsentiert.

Die ehemalige Zisterzienserabtei ist Mitglied des Vereins der Polnischen Zisterzienser-Gemeinden und liegt am polnischen Zisterzienserweg – dem „Szlak Cysterski“. Der Verein organisiert jedes Jahr im Sommer „Drei Tage auf dem Zisterzienserweg“, an denen  Konferenzen, Konzerte und weitere kulturelle Ereignisse stattfinden. 2010 konnten beim „Internationalen Jahrmarkt für Zisterzienser-Produkte“ noch aktive Klöster ihre Erzeugnisse anbieten und vorstellen.

Einige benachbarte Ortschaften haben ebenfalls sehenswerte historische Besonderheiten zu bieten. Dobiegniew (Woldenberg) lockt mit einer gotischen Stadtkirche, in Strzelce Krajeńskie (Friedberg) ist das vor allem die sehr gute erhaltene, mittelalterliche Stadtmauer, die mit anderen Denkmälern auf dem „Städtischen Geschichtsweg“ ausgeschildert sind.

Bis 1945 befand sich in Dobiegniew ein Kriegsgefangenenlager für polische Offiziere, das „Offlag II C“. Heute können die Gebäude besichtigt werden und ein Museum erinnert an das Alltagsleben der Gefangenen. Ein Besuch lohnt sich auch im historischen, weiterhin betriebenen Wasserelektrizitätswerk „Kamienna“ aus dem 19. Jahrhundert.

Aktive Erholung

Für Wanderer, Radfahrer oder Wassersportliebhaber bieten die Gemeinde Bierzwnik und ihre Umgebung unzählige Möglichkeiten und eine nahezu unberührte Natur. Der in der unmittelbaren Nähe gelegene Drage-Nationalpark (Drawieński Park Narodowy) verfügt über ein Fuß- und Reitwegenetz von über 100km. Die Gewässer des Parks eignen sich hervorragend für Kanuten. Angler finden genügend ruhige Ecken für ihre Leidenschaft.

Kanufahrer können sich zugleich auf den „Leubuser Masuren“ auf den Weg machen. Der ausgeschilderte Wasserweg erstreckt sich über 75km und führt durch pittoreske Engstellen, Seen und Kanäle bis zu Drage (Drawa) und Netzte (Noteć).

Da Bierzwnik selbst eine kleine Ortschaft ist, dominieren hier ländliche Übernachtungsmöglichkeiten. An den zahlreichen Seen befinden sich Campingplätze. Möchte man länger in der Gegend verweilen, so bietet es sich an, ein Zimmer in einem der Ferienbauernhöfe zu mieten. Vor allem für Menschen, die nicht nur einen Platz zum Schlafen suchen, sondern auch die Natur genießen möchten, ist das empfehlenswert.

Hotels sind in den nahe gelegenen Städten problemlos zu finden. Sowohl in Dobiegniew und Strzelce als auch in Choszczno (Arnswalde) gibt es ein reiches Angebot an Schlafplätzen, auch solche gehobenen Standards. In Bierzwnik steht den Gästen nur eine eingeschränkte Gastronomie zur Verfügung. Werden üppigere Mahlzeiten gewünscht, sollte man in einer der Städte in ein Restaurant einkehren.

Bierzwnik ist sehr gut sowohl mit dem Auto auf der Straße Choszczno – Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) oder mit der Bahn auf der Linie Szczecin (Stettin)–Poznań (Posen) erreichbar.

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Quellen:

http://www.bierzwnik.pl/ (30.06.2012)

http://www.choszczno.pl/ (30.06.2012)

http://www.dobiegniew.pl/ (30.06.2012)

http://www.dpn.pl/ (30.06.2012)

http://www.strzelce.pl/ (30.06.2012)

Geschichte

Kolbatz und seine Tochter Marienwalde

Bereits 1280 erhielten die Zisterzienser in Kolbatz die Zusage, in der Neumark ein Tochterkloster gründen zu dürfen, doch es dauerte noch 14 Jahre, bis der Konvent tatsächlich in Marienwalde einziehen konnte. Die Filiation, die die Markgrafen den Kolbatzer Mönchen versprochen hatten und unterstützten, war ein gut durchdachter Zug ihrerseits. Der Mutterkonvent sollte für die Schäden aus den Pommernkriegen entschädigt und gleichzeitig für die Treue dem markgräflichen Lager gegenüber belohnt werden. Andererseits konnten die Landesherren ihre eigene Macht in dem neuen, infrastrukturell schwachen Gebiet durch eine stabile, ihnen treu ergebene kirchliche Herrschaft und ein starkes wirtschaftliches Zentrum festigen.

Das Kloster erhielt in der Gründungszeit zahlreiche Ländereien auch einheimischen Adels. Diese stellten eine Grundlage für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Konvents dar. Zudem erwiesen sich die Mönche als äußerst zielstrebige Geschäftsleute, die ihren Kernbesitz bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts stetig ausbauten. Der Konvent konzentrierte sich in der Landwirtschaft auf Getreideanbau und Viehzucht. Doch verarbeitete man im Kloster auch Eisen, das wahrscheinlich aus den nahen Raseneisenerzvorkommen stammte.

Krieg und Feuer

Die Blütezeit des Klosters fiel in die askanische Zeit. Nachdem die Brandenburger Askanier zu Beginn des 14. Jahrhunderts ausgestorben waren, brach für Marienwalde eine unruhige Zeit an. Das Kloster wurde in die Kriege zwischen den Wittelsbachern, den Pommern und dem Königreich Polen verwickelt. Seine wirtschaftliche Situation gestaltete sich zu dieser Zeit prekär. Einen tragischen Moment erlebten die Mönche 1347, als das Kloster bei einem Brand vollständig zerstört wurde. Es bedurfte einer neuen Privilegierung seitens des Markgrafen sowie der Unterstützung durch das Mutterkloster, damit die Zisterzienser ihre Tätigkeit in Marienwalde 1352 wieder aufnehmen konnten. Doch schon bald, 1402 wurde die Neumark an den Deutschen Orden verpfändet. Kamen die Zisterzienser mit ihrem neuen Landesherren gut zurecht und übernahmen für ihn sogar diplomatische Funktionen, so litten sie sehr unter den kriegerischen Auseinandersetzungen, die er mit seinen Nachbarn – dem Herzogtum Pommern und dem Königreich Polen – führte. Unter solchen Bedingungen war es dem Kloster unmöglich, erneut zu einer ökonomischen Kraft zu wachsen. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nach der Übernahme der Neumark durch die Hohenzollern, stabilisierte sich die Situation des Klosters wieder. Allerdings war dem Konvent das ruhige Weiterbestehen nicht lange gewährt. Man nimmt an, dass das Kloster um 1539 säkularisiert und der Konvent aufgelöst wurde.

Zerbrochenes Glas

Seit 1546 wurden die Anlage und der klösterliche Landbesitz als markgräfliche Domäne bewirtschaftet. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts richtete man hier eine Glasshütte ein, denn alle Voraussetzungen und Rohstoffe für den aufkommenden Wirtschaftszweig waren vor Ort vorhanden. So wurden hier sowohl einfaches Gebrauchsglas, als auch teure emaillierte Gläser hergestellt.

Die Klosteranlage wurde durch zwei Brände 1690 und 1814 stark zerstört. Dazu kamen Schäden während des Zweiten Weltkrieges. Nach 1945 erhielt der Ort seinen neuen Namen – Bierzwnik. Das ehemalige Kloster bestand bis in die 1960er Jahre als Ruine, seit den 1990er Jahren wird es restauriert.

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Verwendete Literatur:

BRZUSTOWICZ, Jacek G.: Klasztory cysterskie w Bierzwniku, Pełczycach i Reczu. Choszczno 1995.

PIOTROWSKI, Robert: Kloster Marienwalde – Nemus s. Marie. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 198, S. 152-156.

GAHLBECK, Christian: Marienwalde (Bierzwnik). Zisterzienser. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 871–873;

Kontakt

Gemeinde Bierzwnik
Kopernika 2
73240 Bierzwnik

Telefon +48 957 680130
E-Mail bierzwnik@klosterland.pl
Internet www.bierzwnik.pl

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