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Die Rose – mehr Symbol als Natur

Unser Menschsein wird im Alltag in Sichtbarem, Anfassbarem und Materiellem klar. Aber reicht das aus? Wir suchen immer nach „mehr“, nach „darüber hinaus“, nach so etwas wie „Sinn“. Diese Dimension können wir in Gegenständen finden, die uns etwas bedeuten. Sie gehen über das Praktische hinaus und werden zu Zeichen. Sie bringen Dinge zusammen, die wir oft erst einmal getrennt wahrnehmen. Sym-ballein – zusammenwerfen – so leitet man das griechische Wort „Symbol“ ab.

Unser Menschsein wird im Alltag in Sichtbarem, Anfassbarem und Materiellem klar. Aber reicht das aus? Wir suchen immer nach „mehr“, nach „darüber hinaus“, nach so etwas wie „Sinn“. Diese Dimension können wir in Gegenständen finden, die uns etwas bedeuten. Sie gehen über das Praktische hinaus und werden zu Zeichen. Sie bringen Dinge zusammen, die wir oft erst einmal getrennt wahrnehmen. Sym-ballein – zusammenwerfen – so leitet man das griechische Wort „Symbol“ ab.

Foto: Katharina Heberer

Eine Rose wäre im ersten Sinn ein Gewächs der Gattung Rosacae, dass sich durch die typischen Merkmale Stacheln, Hagebutten und unpaarig gefiederte Blätter definiert. Aus diesem Grund verschenkt aber niemand eine solche Pflanze an einen geliebten Menschen. „Rose ist eine Rose ist eine Rose“ schreibt die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein und macht in der vertiefenden Wiederholung mehr über das Wesen eines Rosengeschenks deutlich als die botanische Definition.

Solche „vertieften Dinge“ entstehen in einem bewussten Kontext. Das ist typisch benediktinische Dimensionsweitung: Aus der alltäglichen Nahrungsaufnahme wird ein Mahl. Werkzeuge gibt es nicht nur in der Handwerkskiste, sondern auch mental. Weltveränderung – und nichts anderes ist unsere alltägliche Arbeit – hat Teil am Schöpferplan Gottes. Natur ist in dieser Betrachtung nicht nur eine Ressource, die wir beliebig ausbeuten. Sie ist ein Geschenk, dass wir nutzen, und dann – wie die Werkzeuge – gereinigt und gepflegt an die nächste Generation weitergeben (vgl. in der Benediktusregel Kapitel 32: „Der Abt führe ein Verzeichnis über all diese Dinge. So weiß er was er gibt und was er zurückhält, wenn die Brüder einander in den zugewiesenen Aufgaben ablösen.“). Wir übernehmen Verantwortung für unser Tun. Das meint, dass wir eine Antwort geben, wenn uns jemand fragt: warum hast du das getan? Technisch wird die Menschheit immer allmächtiger, ethisch werden wir ärmer und in erschreckendem Maße bewusstloser. Dürfen wir alles tun, was wir können?

Alle Dinge – auch die alltäglichen – sollen „wie heiliges Altargerät“ behandelt werden (Benediktusregel Kapitel 31). Nachhaltige Wertschöpfung gelingt nur im engen Zusammenhang mit Wertschätzung. Welt ist mehr als nur Oberfläche. Das Göttliche wohnt in uns und unter uns, auch wenn es sich nicht oft und dann nur zart schimmernd zu erkennen gibt.

Menschen sind folglich mehr als Produktionsfaktoren. Sie sind unsere Schwestern und Brüder, weil wir in Gott an einen gemeinsamen Vater glauben. Wir sind also Verwandte hinsichtlich unserer Herkunft und füreinander verantwortlich hinsichtlich unserer Zukunft. Wir sind genau darin Gottes Ebenbild. Immer wenn es an der Tür klopft, sagt der Mönch als Eintrittswort „Benedicite! – segne!“. Es ist nie ausgeschlossen, dass unerkannt und unbemerkt Gott oder seine Boten – wie bei Abraham die Engel – vor der Tür stehen und um Einlass bitten.

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