Kloster

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Klarissinnenkloster Ribnitz

1. Allgemein

Ortsname
Ribnitz
Institution des Mitglieds
keine Angaben
Arten Mitarbeitende in Tourismus und Kultur
keine Angaben
HaupteigentĂŒmer*In auf dem KlostergelĂ€nde
keine Angaben
Weitere EigentĂŒmer*Innen auf dem KlostergelĂ€nde
keine Angaben

2. Geschichte

GrĂŒndungsjahr
keine Angaben
GrĂŒndungsorden
Klarissen
Auflösung
keine Angaben
Jahr der Auflösung
keine Angaben
Fand eine Wiederbesiedlung statt?
keine Angaben
Wiederbesiedlung Typ
keine Angaben
Wiederbesiedelung Beschreibung
keine Angaben
Zentrale Begebenheiten
keine Angaben

3. Baulichkeiten

Geschlossenes Bild der Klosteranlage
keine Angaben
Klosterkirche vorhanden
keine Angaben
Weitere GebÀude aus Klosterzeit
keine Angaben
Vorherrschender Architekturstil
keine Angaben
Vorherrschendes Baumaterial
keine Angaben
PrÀgende bauliche ErgÀnzungenaus nachklösterlicher Zeit
keine Angaben

4. Denkmalpflege

KlostergelÀnde ist FlÀchendenkmal
keine Angaben
Denkmalpflege Status
keine Angaben
GebÀuderekonstruktion seit Mitte 20. Jahrhundert
keine Angaben
GebÀuderekonstruktion
keine Angaben
NutzungsÀnderungen seit etwa 1990
keine Angaben
NutzungsÀnderungen
keine Angaben

5. Nutzung

Nutzung der Klosterkirche
keine Angaben
Arten Nutzer*innen auf dem KlostergelÀnde
keine Angaben

6. Kultur

Kulturelles Zentrum
keine Angaben
Ausstellungen werden angeboten
keine Angaben
Ausstellungen
keine Angaben

7. SpiritualitÀt

Eine geistliche Gemeinschaft ist im Kloster ansÀssig
keine Angaben
Lebens- und Wohnorte der Gemeinschaftsmitglieder
keine Angaben
Kirchengemeinde an Klosterkirche ansÀssig
keine Angaben
Konfession Kirchengemeinde
keine Angaben
Gibt es weitere Gottesdienstorte?
keine Angaben
Weitere Gottesdienstorte sind
keine Angaben
Gibt es weitere Formen spirituellen Engagements?
keine Angaben
Formen des weiteren spirituellen Engagements
keine Angaben
Liegt das Kloster an Pilgerwegen?
keine Angaben
Angebundene Pilgerwege
keine Angaben
Kloster ist Wallfahrtsort
keine Angaben
Beschreibung des Wallfahrtsortes
keine Angaben

8. Wissenschaft

Kloster mit wissenschaftlicher Arbeit in den Bereichen Religion, Klosterkultur, Denkmalpflege, Ordensforschung oder Geschichte
keine Angaben
Formen wissenschaftliche Anbindung
keine Angaben
Gibt es andere wissenschaftliche AktivitÀten?
keine Angaben
Andere Wissenschaftliche Arbeit
keine Angaben

9. Tourismus

Ist Klosteranlage offen fĂŒr touristische Nutzung
keine Angaben
Gibt es ein gastronomisches Angebot
keine Angaben
Werden Klosterprodukte vermarktet?
keine Angaben

10. Klosterkultur

Sind Arbeitsbereiche mit einem Bezug zur Klosterkultur dauerhaft ansÀssig?
keine Angaben
Formen der Klosterkultur
keine Angaben
Formen der Klosterkultur Beschreibung
keine Angaben

11. Vernetzung

Kloster arbeitet in Netzwerken mit
keine Angaben
Art von Netzwerken
keine Angaben

12. Kernkompetenzen

Kloster verfĂŒgt Kernkompetenzen in
keine Angaben
Beschreibung Kernkompetenzen und weitere Ansprechpartner
keine Angaben
Bild eines Klosters - Klarissinnenkloster Ribnitz

Klarissinnenkloster Ribnitz

Im Kloster 1-2

18311 Ribnitz-Damgarten

GrĂŒndungsjahr

Ordenszugehörigkeit

Klarissinnen

Auf Initiative Annas von Sachsen-Wittenberg stifteten sie und ihr Mann Heinrich II. der Löwe von Mecklenburg 1323/24 das Klarissenkloster. Es blieb das einzige dieses Ordens in Mecklenburg. Die Äbtissinnen stellte fast ausschließlich das Haus Mecklenburg. 1572 wurde das Kloster als evangelisches Landeskloster den LandstĂ€nden ĂŒberwiesen. 1920 wurde es aufgelöst, 1961 starb die letzte Domina Olga von Oertzen.

VideoportrÀt Ribnitz

Klosteranlage

Nur die Kirche aus der zweiten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts und Teile der Klostermauer sind mittelalterlich. Die Kirche ist einschiffig mit sechs Jochen. Im Inneren fallen seit Renovierungsarbeiten 1835/40 neugotische Holzeinbauten auf. Der Westteil der Kirche wird durch die Nonnenempore dominiert. Der West- und SĂŒdflĂŒgel wurden im 18. und 19. Jahrhundert zu DamenstiftshĂ€usern umgebaut. Weitere DamenstiftshĂ€user aus dieser Zeit befinden sich westlich und sĂŒdlich der Kirche.

Lage und Umgebung

Die kleine Stadt Ribnitz liegt an der Ostsee sĂŒdlich der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und ist gut auf Touristen eingestellt. Das Kloster selbst befindet sich am Ă€ußersten sĂŒdostlichen Stadtrand der historischen Altstadt. Nicht weit entfernt im SĂŒdosten von Ribnitz liegt die Vogelparkregion Recknitztal. Somit kann ein Besuch des Klosters sowohl mit einem Stadtaufenthalt als auch mit AusflĂŒgen in die Natur verbunden werden.

Highlights

Die renovierte Klosteranlage wartet gleich mit zwei Dauerausstellungen auf. In der Klosterkirche gibt es eine Ausstellung zur Geschichte des Klarissen- und des Landesklosters. Hier kann man auf der gut erhaltenen Nonnenempore die „Ribnitzer Madonnen“ bewundern. Im „Nonnenstaub“ unter dem ChorgestĂŒhl wurden außerdem eine Brille, ein lateinisches Gebetsbuch u.v.m. gefunden. In den ehemaligen KonventsgebĂ€uden befindet sich das Deutsche Bernsteinmuseum – „Gold des Nordens“.

Galerie

Das Kloster

Herzogstöchter, Nonnenstaub und Bernstein – das sind wohl die Schlagworte, die einem beim ehemaligen Kloster Ribnitz zuerst auffallen. Aber auch die NĂ€he zur Ostsee ist attraktiv fĂŒr einen Urlaub. Wer also Entspannung am Strand von Fischland-Darß-Zingst mit einem kulturellen Ausflug bereichern möchte, ist in Ribnitz genau richtig. Die wenig mehr als 15.000 Einwohner zĂ€hlende Stadt[1] weiß um ihren touristischen Wert. Auf ihrer gut gepflegten Homepage prĂ€sentiert sie sich als „Bernsteinstadt“ sowie „Juwel vor der OstseekĂŒste“ und stellt außerdem nĂŒtzliche Informationen fĂŒr Touristen bereit[2]. Warum also nicht alles miteinander verbinden – Kloster, Sandstrand und Bernstein?

Das ehemalige Nonnenkloster Ribnitz ist als Klarissenkloster das einzige seiner Art in Mecklenburg[3]. WĂ€hrend die ĂŒbrigen elf Frauenklöster Mecklenburgs anderen Gewohnheiten folgten (vor allem der benediktinisch-zisterziensischen), entschieden sich Heinrich II. von Mecklenburg und seine zweite Frau Anna von Sachsen-Wittenberg fĂŒr die franziskanische Variante. Das vom „Löwen“ – wie Heinrich II. auch genannt wurde – und seiner Frau Anna 1323/24 relativ spĂ€t gegrĂŒndete Kloster gereichte anfangs nicht unbedingt zur Freude der Stadt und ihres Klerus‘. Zu groß war die Sorge, gewachsene Strukturen könnten dadurch gestört werden. Das Singen unflĂ€tiger Lieder vor den Klostermauern war nicht die einzige Idee, die keusch lebenden Jungfrauen wieder zu vertreiben. Das Kloster konnte sich dennoch durchsetzen und wurde hĂ€ufig von einer Äbtissin aus dem Hause Mecklenburg gefĂŒhrt. 1572 wurde es als evangelisches Landeskloster an die LandstĂ€nde ĂŒbergeben und teilte somit das Schicksal von Dobbertin und Malchow. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges 1918 zog sich die endgĂŒltige Auflösung dahin – ein Kapitel fĂŒr sich. Heute beherbergt die Anlage das „Deutsche Bernsteinmuseum im Kloster Ribnitz“ mit seiner Dauerausstellung „Bernstein – Gold des Nordens“[4]. In der Klosterkirche selbst gibt es eine Dauerausstellung zur Geschichte des Klosters und Stifts zu sehen. DarĂŒber hinaus kann man hier als Besonderheit die Nonnenempore im Westteil bewundern, die die Klausur der Nonnen gewĂ€hrleistete. Die als sog. Nonnenstaub bezeichneten vielfĂ€ltigen Funde in den Ritzen und hölzernen ZwischenrĂ€umen des GestĂŒhls und der Empore sind seit einigen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen. So wurden BĂŒcher, Brillen und Getreidekörner gefunden.

Neben dem Ostseestrand hat die Umgebung Ribnitz‘ im SĂŒdosten um Marlow und Bad SĂŒlze die Vogelparkregion Recknitztal zu bieten, die von Ribnitz aus in ca. einer halben Stunde mit dem Auto zu erreichen ist[5]. Hier kann der Besucher nach der Kultur in Ribnitz die Natur wieder in vollen ZĂŒgen genießen. Wer jedoch noch ein weiteres ehemaliges stĂ€dtisches Frauenkloster in der NĂ€he besichtigen möchte, kann ins ca. 40 km entfernte Rostock fahren. Im ehemaligen Kloster Zum Heiligen Kreuz befindet sich heute das „Kulturhistorische Museum Rostock“[6].

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Die Klosteranlage

Das Kloster wurde am Ort des fĂŒrstlichen Hofes in Ribnitz am sĂŒdöstlichen Stadtrand errichtet. ZusĂ€tzlich zum Bau der Kirche begann man mit Abortanlagen und dem Refektorium sowie Dormitorium aus Holz, die bereits 1325 fertig waren[1]. Dem Widerstand der Stadt geschuldet zogen sich die Bauarbeiten jedoch hin, sodass die Kirche mit Chor, Kreuzgang und Kirchhof erst 1330 unter dem Hauptpatrozinium des Heiligen Kreuzes geweiht werden konnte[2] – die beiden Stifter Heinrich II. (†1329) und Anna (†1327) erlebten das nicht mehr. Weitere Baumaßnahmen fĂŒr eine zweite steinerne Kirche (Weihe 1393[3]) und ein neues Dormitorium datieren in die zweite HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts[4]. Die Nonnenempore ist dendrochronologisch auf 1392-1408 datiert[5]. Renovierungs- und Sanierungsarbeiten fanden 1835/40 und in den 1990er und 2000er Jahren statt[6].

Die KonventsgebĂ€ude befanden sich sĂŒdlich der Kirche – im WestflĂŒgel das Dormitorium, im SĂŒdflĂŒgel das Refektorium, von einem OstflĂŒgel wurden nur Fundamente ergraben. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden anstelle des West- und SĂŒdflĂŒgels zwei StiftsdamenhĂ€user gebaut, und bis Ende des 18. Jahrhunderts wurden westlich und sĂŒdlich der Kirche weitere 12 StiftsdamenhĂ€user errichtet. Der Wirtschaftsbereich lag östlich der Kirche. Heute befinden sich im ehemaligen West- und SĂŒdflĂŒgel das Deutsche Bernsteinmuseum, die Galerie des Kunstvereins, die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv[7]. Somit ist nur die Kirche (und Teile der alten Klostermauer) aus mittelalterlicher Zeit erhalten.

Die Kirche ist ein schlichter einschiffiger Backsteinbau mit sechs Jochen und Kreuzrippengewölben. Die Nord- und SĂŒdwand zeigen sechs Spitzbogenfenster, die Ost- und Westwand jeweils eines. Das Fenster in der Ostwand und zwei Fenster in der SĂŒdwand sind zugemauert. Ebenfalls zugemauert ist ein Portal in der SĂŒdwand, durch das ein Zugang vom Kreuzgang zur Nonnenempore möglich war. Von den drei Portalen (im SĂŒden, Westen und Norden) dient heute das Nordportal als Haupteingang[8]. Die Nonnenempore nimmt den westlichen Bereich der Kirche ein[9]. Der Inneneindruck ist seit 1835/40 geprĂ€gt durch neogotische Holzeinbauten. Auf den Giebeln befindet sich jeweils ein TĂŒrmchen[10].

Eine Besonderheit ist das Epitaph der Herzogin Ursula von Mecklenburg (1510-1586), die die letzte Äbtissin war. Ihr Epitaph ist aus Sandstein, wurde 1590 errichtet und 1861 restauriert[11]. Weiter sind die „Ribnitzer Madonnen“ zu nennen. Diese Schnitzfiguren, die berĂŒhmteste wohl die „Löwenmadonna“ (Madonna auf dem Löwenthron)[12], wurden seit 1926 in Vitrinen auf der Empore aufbewahrt und sollten 2001 saniert werden. Die dazu nötige Bodenöffnung des gotischen ChorgestĂŒhles erbrachte eine Reihe spektakulĂ€rer Funde im „Nonnenstaub“: Neben einem mittelniederdeutschen Bittzettel u.a. eine Brille, ein lateinisches Gebetbuch, ein Liederbuch, NĂ€hnadeln und zahlreiche Pflanzenreste. Die Untersuchung dieser Funde zeitigt Erkenntnisse ĂŒber Bildungsstand der Nonnen, ihren Alltag und ihre Essgewohnheiten[13].

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Fußnoten:

[1] Ulpts 1995, S. 115.

[2] Ulpts 1995, S. 115-116 und Meklenburgisches Urkundenbuch 1873, 8. Band, Nr. 5122.

[3] Mecklenburgisches Urkundenbuch 1907, 22. Band, Nr. 12563.

[4] Ulpts 1995, S. 116.

[5] Wiethold 2005, S. 133.

[6] Dehio 2000, S. 449 und Jöns 2005, S. 127.

[7] Raskop 2003, S. 269-270.

[8] Dehio 2000, S. 449 und Schlie 1896, S. 352-353.

[9] Nonnenemporen in Frauenklöstern stellten die Einhaltung der Klausur sicher. Der Zugang zur Westempore innerhalb der Ribnitzer Kirche könnte vermutlich wie in Zarrentin mit Hilfe eines sĂŒdlichen Laufganges erfolgt sein. Siehe SchlĂŒter 2001, S. 70-76.

[10] Dehio 2000, S. 449.

[11] Schlie 1896, S. 353.

[12] Dehio 2000, S. 450.

[13] Wiethold 2005; Jöns 2005; Raskop 2003; Löffler 2014.

Quellen:

Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen KunstdenkmĂ€ler. Mecklenburg-Vorpommern, bearb. von Hans-Christian Feldmann, MĂŒnchen 2000, S. 449-450. (Dehio 2000)

Jöns, Hauke: Neue Forschungen zum „Nonnenstaub“ aus dem Klarissenkloster zu Ribnitz, Mecklenburg-Vorpommern, in: Ericsson, Ingolf / Atzbach, Rainer (Hgg.): Depotfunde aus GebĂ€uden in Zentraleuropa – Concealed Finds from Buildings in Central Europe (Bamberger Kolloquien zur ArchĂ€ologie des Mittelalters und der Neuzeit; 1 / ArchĂ€ologische Quellen zum Mittelalter; 2), Berlin 2005, S. 125-130. (Jöns 2005)

Löffler, Anette: Überlegungen zum Buchbestand des Klarissenkonvents Ribnitz anhand der mittelalterliche Handschriftenfragmente aus dem NonnengestĂŒhl, in: Mecklenburgische JahrbĂŒcher 129 (2014), S. 19-44. (Löffler 2014)

Raskop, Gabi: Klarissenkloster Ribnitz – Die Funde aus den FußbodenhohlrĂ€umen des NonnengestĂŒhls – Ein Vorbericht, in: Kimminus-Schneider, Claudia / Schneider, Manfred (Hgg.): Klöster und monastische Kultur in HansestĂ€dten. BeitrĂ€ge des 4. wissenschaftlichen Kolloquiums Stralsund. 12. bis 15. Dezember 2001 (Stralsunder BeitrĂ€ge zur ArchĂ€ologie, Geschichte, Kunst und Volkskunde in Vorpommern; IV), Rahden/Westfalen 2003, S. 269-276. (Raskop 2003)

Schlie, Friedrich: Die Kunst- und Geschichts-DenkmĂ€ler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. I. Band. Die Amtsgerichtsbezirke Rostock, Ribnitz, SĂŒlze-Marlow, Tessin, Laage, Gnoien, Dargun, Neukalen, Schwerin 1896, S. 352-363. (Schlie 1896)

SchlĂŒter, Britta: Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Zarrentin in Mecklenburg. Zur Baugeschichte von Kirche und Kloster, Hamburg 2001. (SchlĂŒter 2001)

Ulpts, Ingo: Die Bettelorden in Mecklenburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Franziskaner, Klarissen, Dominikaner und Augustiner-Eremiten im Mittelalter (Saxonia Franciscana; 6), Werl 1995. (Ulpts 1995)

Verein fĂŒr Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde (Hg.): Mecklenburgisches Urkundenbuch (anfangs Meklenburgisches Urkundenbuch), 25 Bde., Schwerin 1863-1936/1977. (Mecklenburgisches Urkundenbuch)

Wiethold, Julian: Botanische Funde aus der Nonnenempore des Klarissenklosters von Ribnitz, Kr. Nordvorpommern, und aus dem Haus Mönchstr. 38, Hansestadt Stralsund – Zwei Beispiele fĂŒr die Auswertung und Interpretation von botanischen Funden aus GebĂ€uden, in: Ericsson, Ingolf / Atzbach, Rainer (Hgg.): Depotfunde aus GebĂ€uden in Zentraleuropa – Concealed Finds from Buildings in Central Europe (Bamberger Kolloquien zur ArchĂ€ologie des Mittelalters und der Neuzeit; 1 / ArchĂ€ologische Quellen zum Mittelalter; 2), Berlin 2005, S. 131-146. (Wiethold 2005)

Geschichte

UrsprĂŒnglich war Ribnitz ein wendisches Fischerdorf an der RecknitzmĂŒndung. 1257 ist das lĂŒbische Stadtrecht belegt, und die Stadtkirche St. Marien reicht bis 1225-1250 zurĂŒck[1]. Die Initiative zur GrĂŒndung des Klarissenklosters 1323/24[2] ging auf die mecklenburgische Landesherrin Anna von Sachsen-Wittenberg (†1327) zurĂŒck. Aus ihrer vorherigen Ehe mit Friedrich dem Lahmen von Meißen kannte sie die Klarissenklöster Seußlitz und Weißenfels, die als Vorbilder fĂŒr Ribnitz dienten[3]. 1329 kamen aus Weißenfels vier Nonnen nach Ribnitz[4]. Sie folgten der Ordensregel Papst Urbans IV. von 1263[5]. Die erste Weihe ist 1330 belegt[6]. Als Klarissenkloster war Ribnitz einzigartig im gesamten Herrschaftsbereich Heinrichs II. des Löwen von Mecklenburg (†1329), diente der HerrschaftsreprĂ€sentation und des Gebetsgedenkens, und auch der Standort selbst wurde in der kleinen Stadt an der Grenze zum FĂŒrstentum RĂŒgen bewusst gewĂ€hlt[7]. Heinrichs II. Tochter Beatrix wurde wie weitere Vertreterinnen des mecklenburgischen Hauses Ribnitzer Äbtissin[8].

Stadt und Klerus wehrten sich anfangs gegen das Kloster, da man eine Verschiebung des KrĂ€ftegleichgewichts fĂŒrchtete[9]. Das Kloster wurde im Laufe der Zeit mit reichlich Besitz und Stiftungen bedacht[10], was von seiner großen Anerkennung beim Adel und in LĂŒbeck zeugt. Das meiste davon wurde 1669 an den Landesherren verkauft[11]. Seit dem 18. Jahrhundert war Ribnitz finanziell von Dobbertin abhĂ€ngig[12].

Im Zuge der Reformation wurde Ribnitz 1572 den LandstĂ€nden ĂŒberwiesen. Es entging dadurch der Auflösung, diente nun als eines der drei evangelischen Landesklöster weiterhin dem geistlichen Leben und der christlichen Erziehung, der Konvent lebte fortan unter einer neuen Klosterordnung und wurde von einer Domina geleitet[13]. AnwĂ€rterinnen schrieben sich ab 1694[14] in Listen ein, die immer lĂ€nger wurden, sodass schließlich der Eintritt ins Stift erst im reiferen Alter erfolgte. Die Frauen warteten ihr ganzes Leben lang auf die Aufnahme und die damit verbundenen Hebungen, die oft der einzige Lebensunterhalt im Alter und durch die Auflösung 1920 bedroht waren[15]. Die sog. Versorgungsfrage ist somit im 20. Jahrhundert in den Kontext der Sozial- und Altenhilfe zu rĂŒcken[16]. Oft wird angenommen, dass bereits die GrĂŒndung von Frauenklöstern nur der Versorgung geschuldet war. Doch wird man damit diesen geistlichen und wirtschaftlichen Zentren zumindest im Mittelalter nicht gerecht[17].

Die endgĂŒltige Aufhebung erfolgte 1920[18]. Über die AnsprĂŒche der schon gelisteten Expektantinnen und Konventualinnen wurden 1921-24 Prozesse gefĂŒhrt mit dem Ergebnis, dass ein NachrĂŒcken weiterhin möglich war[19]. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Wohnungsfrage immer drĂ€ngender, sodass die Konventualinnen ihre zugesprochenen Wohnungen mit FlĂŒchtlingen teilten oder teilen sollten.

Mit dem Tod der letzten Domina Olga von Oertzen 1961 geht die Geschichte des Klosters Ribnitz zu Ende.

Quellen - Bitte hier klicken

Fußnoten:

[1] Bei der Wieden 1996, S. 91.

[2] Meklenburgisches Urkundenbuch 1872, 7. Band, Nr. 4556.

[3] Huschner 2008a, S. 30.

[4] Techen 1909, S. 22-23 und Huschner 2008a, S. 19.

[5] Berg 2009, Sp. 113 und Ulpts 1995, S. 129.

[6] Meklenburgisches Urkundenbuch 1873, 8. Band, Nr. 5122.

[7] Huschner 2008a, S. 24 und 29.

[8] Ulpts 1995, S. 232-233 und Techen 1909, S. 191 sowie Creutz 1983, S. 416.

[9] Huschner 2008b, S. 339.

[10] Ulpts 1995, S. 205-228.

[11] Attula 2008, S. 296.

[12] Ebd., S. 300.

[13] So in den sog. Sternberger Reversalen vom 2. Juli 1572: „Zum Vierten ĂŒberweisen wir unserer Landschaft die drei Jungfrauenklöster Dobbertin, Ribnitz und Malchow dergestalt, daß sie zu christlicher ehrbarer Auferziehung der inlĂ€ndischen Jungfrauen, so sich darin zu begeben Lust hĂ€tten, angewandt und gebrauchet werden, und die Landschaft Macht haben soll, einen Amtmann, Vorsteher oder Verwalter, doch vermittelst unserer Confirmation und BestĂ€tigung darin zu setzen und aus erheblichen Ursachen wieder zu enturlauben [
]“ Aus: Wiggers / Wiggers 1848, S. 87. Zur Klosterordnung s. ebd., S. 93-111.

[14] Löschner 2008, S. 36.

[15] 1919 schreibt Marie von Pentz: „[
] Bei meiner ganzen Erziehung und Ausbildung resp. Nichtausbildung ist stets die Altersversorgung des Klosters in Berechnung gezogen. FĂ€llt diese Versorgung fort, so ist damit die bittere Not da [
].“ Aus: Attula 2008, S. 307.

[16] Über die Funktionen der evangelischen Landesklöster des 16. Jahrhunderts schreiben die Herren Wiggers noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts: „Ihre [der Klöster; CvH] Aufgabe war daher, ganz wie frĂŒher, die zwiefache in gemeinsamem tĂ€glichen Gottesdienst sich selbst und andere Zuhörer und Theilnehmer zu erbauen und ein heranwachsendes Geschlecht in der Furcht Gottes aufzuziehen und mit tĂŒchtigen, dem weiblichen Berufe entsprechenden Kenntnissen und FĂ€higkeiten auszurĂŒsten. Ein von diesem kirchlichen getrennter Zweck bloßer materieller Versorgung einer Anzahl von unverheiratheten Frauenzimmern lag der Ueberweisung um so mehr fern, als es der ĂŒberall vorangestellte, wenn auch nicht mit derselben Entschiedenheit praktisch ausgefĂŒhrte Grundsatz der FĂŒrsten war, daß alles Kirchengut fĂŒr kirchliche und verwandte Zwecke erhalten bleiben sollte.“ Aus: Wiggers / Wiggers 1848, S. 112.

[17] Zur sog. Versorgungsfrage Gerchow / Marti 2005, S. 150: „In der Rede von der ,Versorgung‘ von Frauen im mittelalterlichen Kloster sind demnach mindestens zwei problematische Aussagen enthalten: eine bis zum 14. Jahrhundert nicht in den Quellen belegte Annahme adliger ExklusivitĂ€t von Frauenklöstern zum Zwecke der standesgemĂ€ĂŸen ,Versorgung‘ sowie die ebenso wenig in den Quellen begrĂŒndete Annahme eines FrauenĂŒberschusses im Mittelalter, die Frauenklöster als sozial-karitative Anstalten im Sinne von ArmenhĂ€usern, ArbeitshĂ€usern oder HospitĂ€lern begreift. [
] Ein drittes Defizit der Versorgungsthese ist evidentermaßen die Nichtbeachtung beziehungsweise das Nichternstnehmen einer religiösen Motivation von Frauen zum Leben in Kloster oder Stift.“

[18] Löschner 2008, S. 49 und Attula 2008, S. 303-308.

[19] Attula 2008, S. 307-308.

Quellen:

Attula, Axel: Das Mecklenburger Landeskloster Ribnitz von 1900 bis zum Tod seiner letzten Domina Olga von Oertzen 1961, in: Ders. / Stadt Ribnitz (Hgg.): 775 Jahre Ribnitz – 750 Jahre Damgarten. BeitrĂ€ge zur neueren Stadtgeschichte, Ribnitz-Damgarten 2008, S. 296-325. (Attula 2008)

Berg, Dieter: Art. Klarissen, in: Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche, Bd. 6, Freiburg i. Br. 2009 (Sonderausgabe), Sp. 113-114. (Berg 2009)

Creutz, Ursula: Art. Ribnitz Bez. Rostock Ldkr. Ribnitz-Damgarten, in: Dies. (Bearb.): Bibliographie der ehemaligen Klöster und Stifte im Bereich des Bistums Berlin, des Bischöflichen Amtes Schwerin und angrenzender Gebiete (Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte; 26), Leipzig 1983, S. 416-420. (Creutz 1983)

Gerchow, Jan / Marti, Susan: „Nonnenmalereien“, „Versorgungsanstalten“ und „Frauenbewegung“ – Bausteine einer Rezeptionsgeschichte der mittelalterlichen Religiosen in der Moderne, in: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn / Ruhrlandmuseum Essen (Hgg.): Krone und Schleier. Kunst aus mittelalterlichen Frauenklöstern. Ruhrlandmuseum: Die frĂŒhen Klöster und Stifte 500-1200. Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland: Die Zeit der Orden 1200-1500. Eine Ausstellung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, in Kooperation mit dem Ruhrlandmuseum Essen ermöglicht durch die Kunststiftung NRW, MĂŒnchen 2005, S. 142-154. (Gerchow / Marti 2005)

Huschner, Wolfgang: Heinrich II. von Mecklenburg, Anna von Sachsen-Wittenberg und die Klarissen, in: Mecklenburgische JahrbĂŒcher 123 (2008), S. 7-31. (Huschner 2008a)

Huschner, Wolfgang: Die GrĂŒndung des Klarissenklosters Ribnitz (1323//24-1331). Eine landesherrliche Stiftung gegen stĂ€dtischen und weltgeistlichen Widerstand, in: Ders. / Rexroth, Frank (Hgg.): Gestiftete Zukunft im mittelalterlichen Europa. Festschrift fĂŒr Michael Borgolte zum 60. Geburtstag, Berlin 2008, S. 333-351. (Huschner 2008b)

Löschner, Reinhard: Die Evangelischen Landesklöster Mecklenburgs seit der Reformation Dobbertin, Malchow und Ribnitz, in: Mecklenburgia sacra 11 (2008), S. 35-80. (Löschner 2008)

Techen, Friedrich (Bearb.): Die Chroniken des Klosters Ribnitz (Mecklenburgische Geschichtsquellen; 1), Schwerin 1909. (Techen 1909)

Ulpts, Ingo: Die Bettelorden in Mecklenburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Franziskaner, Klarissen, Dominikaner und Augustiner-Eremiten im Mittelalter (Saxonia Franciscana; 6), Werl 1995. (Ulpts 1995)

Bei der Wieden, Helge: Art. Ribnitz (Kr. R.-Damgarten), in: Schmidt, Roderich / Ders. (Hgg.): Handbuch der historischen StÀtten Deutschlands. Zwölfter Band. Mecklenburg, Pommern (Kröners Taschenausgabe; 315), Stuttgart 1996, S. 91-93. (Bei der Wieden 1996)

Verein fĂŒr Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde (Hg.): Mecklenburgisches Urkundenbuch (anfangs Meklenburgisches Urkundenbuch), 25 Bde., Schwerin 1863-1936/1977. (Mecklenburgisches Urkundenbuch)

Wiggers, Julius / Wiggers, Moritz: Geschichte der drei mecklenburgischen Landesklöster Dobbertin, Malchow und Ribnitz. 1. HĂ€lfte: Von der Stiftung der drei Klöster bis zur Überweisung derselben an die StĂ€nde im Jahre 1572, Rostock 1848. (Wiggers / Wiggers 1848)

Kontakt

Kloster Ribnitz und Stadtgeschichtliche Sammlung
Im Kloster 1-2
18311 Ribnitz-Damgarten

Telefon +49 (0)3821 8897667
E-Mail museum@kloster-ribnitz.de
Internet www.kloster-ribnitz.de

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