<

Kloster

Zisterzienserinnenkloster Heiligengrabe

Bild eines Klosters - Zisterzienserinnenkloster Heiligengrabe

1287 gründete vermutlich Markgraf Otto V. von Brandenburg beim Ort Techow das Kloster ‘Zum Heiligen Grabe‘. Anlass der Gründung war ein Blutwunder infolge eines Hostienfrevels, wie eine Flugschrift von 1521 berichtet. Zeitgleich suchte man mit dem Neubau der Heiliggrabkapelle Heiligengrabe als Wallfahrtsort zu etablieren. Nach der Reformation bestand Heiligengrabe als evangelisches Kloster fort und wurde 1742 in ein adliges Damenstift umgewandelt. Noch heute lebt und arbeitet hier ein Frauenkonvent.

Icon eines Kalenders für Klosterland-Veranstaltungen

Zisterzienserinnenkloster Heiligengrabe

Stiftgelände 1

16909 Heiligengrabe

Gründungsjahr

1287

Ordenszugehörigkeit

Ziesterzienser

Klosteranlage

Die Anlage vermittelt noch heute ein bemerkenswert geschlossenes Bild eines mittelalterlichen Klosters. Das Zentrum bilden die ehemalige Kloster- und heutige Stiftskirche sowie die angrenzenden Klausurbauten. In der westlich davon gelegenen Heiliggrabkapelle mit repräsentativen Stufengiebeln und neugotischer Ausmalung befindet sich eine Heilig-Grab-Anlage aus dem 13. Jahrhundert. Kurien-, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude des 18. und 19. Jahrhunderts vervollständigen den Komplex eindrucksvoll.

Lage und Umgebung

Heiligengrabe liegt im Osten der Prignitz, einer historisch geprägten Landschaft zwischen Berlin und Hamburg, deren Vielfalt vom Biosphärenreservat der Flusslandschaft Elbe im Westen bis hin zu einer der größten Heidelandschaften Europas, der Kyritz-Ruppiner Heide, im Osten reicht. Idyllische Dörfer, mittelalterlich geprägte Städte, eine vielfältige Museumslandschaft sowie Kirchen und Klöster laden zu kulturellen Entdeckungen ein. Zahlreiche Radwanderwege machen die Region zu einem Paradies für Touristen.

Highlights

Westlich der Klosterkirche steht die Heiliggrabkapelle. Der repräsentative Saalbau, der 1520 an der Stelle von zwei Vorgängerbauten vollendet wurde, verfügt an den Stirnseiten über reich gestaltete Stufengiebel. Das Innere des vierjochigen Raumes wird durch eingezogene Strebepfeiler gegliedert, die ein Sterngewölbe tragen. Die neugotische Ausmalung erfolgte 1903/04. 1986 wurde unter dem Fußboden ein Grabgewölbe freigelegt, das wohl schon zur Zeit der Klostergründung als Heilig-Grab-Anlage entstand.

Im Nordwesten des Landes Brandenburg, in der historischen Landschaft der Prignitz, liegt Heiligengrabe.  Seit 1928 führt der Ort, der ursprünglich Techow hieß, diesen Namen. Benannt wurde er nach dem ehemaligen Nonnenkloster und späterem evangelischen Frauenstift Zum Heiligen Grabe, das im Jahr 1287 hier gegründet wurde. Die ehemalige Klosteranlage, die in einer von Bachläufen und kleineren Wäldern geprägten, landschaftlich reizvollen und ruhigen Umgebung gelegen ist, beeindruckt durch ihre bauliche Geschlossenheit, die sie als besterhaltene in ganz Brandenburg gelten lässt. Seit 1998 ist das Ensemble als Denkmal nationaler Bedeutung eingestuft.

Wenngleich natürlich auch in Heiligengrabe jede Zeit ihre Spuren hinterlassen hat, so ist doch die einzigartige Erhaltung der Anlage nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass die historischen Gebäude seit jeher ununterbrochen bewohnt und genutzt wurden. Seit über 700 Jahren leben, arbeiten und beten hier Frauengemeinschaften. Auch heute gibt es einen kleinen evangelischen Frauenkonvent, der unter Leitung einer Äbtissin nach Grundsätzen der Zisterzienserinnen und einer selbstgegebenen geistlichen Ordnung lebt. Das Kloster Stift zum Heiligengrabe ist eine Einrichtung der evangelischen Kirche und eine Stiftung des öffentlichen Rechts.

Besucherinnen und Besucher des Kloster Stift zum Heiligengrabe finden hier vielfältige touristische, kulturelle und religiöse Angebote vor. Im Rahmen von Führungen können die Klostergebäude besichtigt werden, darüberhinaus lädt die parkähnliche Anlage zu Spaziergängen ein. Das Museum, zunächst im Stifthauptmannshaus und seit 2014 im Ostflügel der Klausur untergebracht, hat mit seinen Ausstellungen, z.B. zu Aspekten preußischer Frauengeschichte oder zum Heiligen Grab und nicht zuletzt auch mit seiner Dauerausstellung zur Kloster- und Stiftsgeschichte überregionale Aufmerksamkeit erlangt. Jedes Jahr von Juni bis in den Advent lädt die Konzertreihe im Kloster Stift zum Heiligengrabe Besucherinnen und Besucher zu atmosphärischen Konzerten u. a. in die Stiftskirche oder die Heiliggrabkapelle bei freiem Eintritt ein. Den Andachten der Konventualinnen können Gäste ebenso beiwohnen, wie Vorträge, Kurse oder Seminare zu Themen der Selbstfindung oder zu meditativen Übungen, aber auch zu klösterlichen Handwerkstechniken und theologischen Fragestellungen besuchen. Übernachtungsgästen stehen direkt auf dem Stiftsgelände Gäste- und Herbergszimmer zur Verfügung. Im ehemaligen Stifthauptmannshaus befindet sich eine Gemeinschaftsschule mit Schwerpunkten u.a. in der musischen Bildung, außerdem bietet die Jugendbauhütte Brandenburg/Berlin auf dem Stiftsgelände jungen Menschen die Möglichkeit der beruflichen Orientierung in der Denkmalpflege.

Das Zentrum des im Westen des Ortes Heiligengrabe gelegenen ehemaligen Klosters und heutigen Damenstiftes bilden die mittelalterliche Kirche und die Klausurbauten sowie die westlich der Kirche gelegene Heiliggrabkapelle. Die Klosterkirche entstand wohl um 1300 als erstes Gebäude nach der Gründung. Die Langhauswände der einschiffigen Kirche bestehen größtenteils aus Feldsteinen, die Fenster- und Türeinfassungen, die Strebepfeiler und Traufgesimse aus Backsteinen. Die Westfassade, ebenfalls vorwiegend aus Feldsteinen gemauert, wird durch die in Backsteinen ausgeführte Mittelachse mit dem Hauptportal und einem darüber liegenden Spitzbogenfenster gegliedert. Der sich darüber erhebende Stufengiebel mit fünf spitzbogigen Blenden wurde zu Beginn des  20. Jahrhunderts nach alten Formen rekonstruiert. Das Chorpolygon ist in Backsteinen ausgeführt. Die zisterziensischen Bautraditionen entsprechende Nüchternheit des turmlosen Kirchenbaus setzt sich auch im Innenraum fort. Das Langhaus wird von einem einfachen Kreuzrippengewölbe überspannt. Die westlichen fünf Joche boten der heute nicht mehr vorhandenen Nonnenempore Raum, dementsprechend finden sich hier jeweils zwei übereinanderliegende Fenster.

Die sich im Norden an die Klosterkirche anschließenden Klausurbauten mit dem überbauten Kreuzgang bilden eine nahezu quadratische geschlossene Anlage. Nach jüngeren bauarchäologischen Untersuchungen entstand zunächst der Ostflügel im engen zeitlichen Zusammenhang mit dem Kirchenbau, danach der Nordflügel, und anschließend, ebenfalls im 14. Jahrhundert, der Westflügel. Der Westteil des Nordflügels ist geprägt durch einen Umbau durch F. A. Stüler in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Heiliggrabkapelle westlich  der Klosterkirche, die mindestens einen Vorgängerbau an dieser Stelle hatte, wurde wohl 1512 geweiht. Vollendet war sie möglicherweise erst in den 1520er Jahren. Der rechteckige vierjochige Bau mit innenliegenden Strebepfeilern, auf denen ein Sterngewölbe aufsetzt, verfügt an den Stirnseiten über reich gegliederte Stufengiebel. Die neugotische Ausmalung und Ausstattung im Inneren gehen auf  eine Renovierung 1903/04 zurück. Im Jahr 1986 kam im westlichen Bodenbereich der Kapelle bei Bauarbeiten ein überwölbtes Scheingrab zutage, das als Heilig-Grab-Anlage aus der Entstehungszeit der ursprünglichen Heiliggrabkapelle interpretiert wird.

Weitere Gebäude auf dem Stiftsgelände stammen vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert, darunter Kurien der Stiftsdamen um den sogenannten Damenplatz, Wirtschaftsgebäude sowie das spätklassizistische Stiftshauptmannshaus aus dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts, in dem sich heute eine Schule befindet.

Der Überlieferung nach gründete der Askanier Otto V. (der Lange) von Brandenburg, ein Cousin und Mitregent des brandenburgischen Markgrafen Otto IV., im Jahr 1287 ein Kloster beim Ort Techow und siedelte hier Zisterzienserinnen aus Neuendorf in der Altmark an. Zur Klostergründung sind keine schriftlichen Quellen erhalten. Die älteste erhaltene Urkunde aus dem Jahr 1306 berichtet vom Verkauf des Ortes Breitenfeld an das Kloster Techow, in einer Urkunde von 1317 ist erstmals vom Kloster zum Heiligen Grab die Rede. Die älteste Erwähnung des Gründungsdatums stammt aus einer mit Holzschnitten illustrierten Flugschrift, die im Jahr 1521 in Rostock gedruckt wurde und die Gründungslegende des Klosters wiedergibt. Nach dieser Legende soll ein Jude eine Hostie aus der Techower Dorfkirche gestohlen haben. Beim Versuch, diese Hostie aus Sorge vor Entdeckung beim Richtplatz außerhalb des Ortes zu vergraben, begann sie zu bluten. Durch das Blut an seinen Händen verraten, wurde der Dieb überführt und hingerichtet. Auf der Techower Richtstätte errichtete man nun eine Kapelle und das Kloster, und die bald darauf dorthin verbrachte Hostie begann, Wunder zu bewirken.

Die Illustrationen der Flugschrift von 1521 dienten als Vorbild für die unter der Äbtissin Anna von Rohr im Jahr 1532 entstandenen 15 Tafelbilder, die die Gründungslegende erzählen und von denen sechs Tafeln erhalten sind, die heute in der Stiftskirche betrachtet werden können. Die Überlieferung fügt sich in ein häufiges Schema der Judenfeindlichkeit des späten Mittelalters ein, in dem insbesondere der Hostienfrevel als Anschuldigung und Anlass für Verfolgung diente. Darüberhinaus sollte durch die Legende die lange Tradition einer Heilig-Blut-Wallfahrt nach Heiligengrabe vermittelt werden. Tatsächlich ist in Heiligengrabe zunächst aber von einer liturgischen Verehrung des Heiligen Grabes auszugehen. Die im 15. Jahrhundert an anderen Orten (z.B. in Wilsnack) immer mehr anwachsenden Heilig-Blut-Wallfahrten dürften wohl die Motivation dafür gewesen sein, einem möglichen Bedeutungsverlust von Heiligengrabe ebenfalls durch ein Wunderblut entgegenzuwirken.

Mit Einführung der Reformation in Brandenburg setzte sich auch in Heiligengrabe im Jahr 1543 die neue Kirchenordnung durch. Das ehemalige Kloster wurde in ein evangelisches Damenstift umgewandelt, wobei es dem Konvent gelang, sich dem Verlust seiner Güter und Besitzrechte weitestgehend zu widersetzen. War Heiligengrabe nun zunächst ein Ort der Gemeinschaft adliger unverheirateter Stiftsdamen, kamen im 19. Jahrhundert neue Funktionen wie eine Erziehungsanstalt,  ein Waisenhaus und weitere soziale Einrichtungen hinzu. Nach dem 2. Weltkrieg wirkten hier für lange Jahre Friedenshort-Diakonissen. Seit 1996 lebt, betet und arbeitet wieder ein kleiner Frauenkonvent im Kloster Stift zum Heiligengrabe.

Kontakt

 

E-Mail
Telefon
Internet

Lage