Kloster

Zisterzienserkloster Dobrilugk

Bild eines Klosters - Zisterzienserkloster Dobrilugk

Das 1165 gestiftete Kloster Dobrilugk gilt als ältestes Zisterzienserkloster im heutigen Land Brandenburg. Bis zu Beginn des 13. Jh. entstanden Klosterkirche, Klausur und Wirtschaftsgebäude. Großzügige Stiftungen mehrten den Besitz des Klosters im Umland. 1541 erfolgte im Zuge der Reformation die Aufhebung des Klosters. Im 30jährigen Krieg geplündert und zerstört, wurde die Klosterkirche im 17. Jh. als Schlosskirche neu geweiht und das Abthaus zu einem Wasserschloss im Renaissancestil umgebaut.1852 brannten die Klausurgebäude des ehemaligen Klosters fast vollständig nieder. Das erhaltene Refektorium wurde zu DDR-Zeiten als Kulturhaus genutzt. Ende des 20. Jhs. ermöglichten die Stadtverwaltung und der Förderverein Schloß Doberlug e.V. umfassende Restaurierungsmaßnahmen der Anlage.

Icon eines Kalenders für Klosterland-Veranstaltungen

Zisterzienserkloster Dobrilugk

Schlossplatz

03253 Doberlug-Kirchhain

Gründungsjahr

1165

Ordenszugehörigkeit

Zisterzienser

Klosteranlage

Neben der Klosterkirche und dem Refektorium, dem Speisesaal der Mönche, sind von der ehemaligen Klosteranlage Dobrilugk noch Reste der Bausubstanz des Abthauses im Keller und Erdgeschoss von Schloss Doberlug erhalten; ebenso die Klosterkirche St. Marien, eine der frühesten gewölbten Zisterzienserbauten in Brandenburg. Von den barocken Einbauten sind noch die Orgelempore und die Fürstenloge vorhanden. Die farbige Ausmalung, die Verglasung und das Chorgestühl im Renaissancestil entstanden dagegen erst im Rahmen der Kirchenrestaurierung 1905-1909.

Lage und Umgebung

Im Südwesten Brandenburgs in den Niederungen der Kleinen Elster gelegen, befindet sich das ehemalige Zisterzienserkloster Dobrilugk in unmittelbarer Nähe des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft. Die im August purpurn blühenden Wiesen sind Lebensraum zahlreicher seltener Vogelarten.

Highlights

Die Doppelstadt Doberlug-Kirchhain mit ihrem Schloss, dem Renaissance-Rathaus der Klosterkirche St. Marien und dem einzigen Weißgerbermuseum Europas bieten Besuchern Baukunst von der Romanik bis zum Barock. In den zur Jahrtausendwende sanierten Räumen des Schlosses und des Refektoriums finden Ausstellungen und Kulturveranstaltungen statt. Im Umland lassen sich auf Kremserfahrten und Fahrradtouren die Niederlausitzer Heidelandschaft und der „Kleine Spreewald“ erkunden.

Das ehemalige Zisterzienserkloster Dobrilugk

Umgeben von der Heidelandschaft

Im Südwesten Brandenburgs, in den Niederungen der Kleinen Elster, wurden 1950 die eigenständigen Ortschaften Doberlug und Kirchhain zu einer Doppelstadt vereint. Kirchhain hatte sich über die Jahrhunderte seit dem Mittelalter von einem Klosterdorf zu einer Gerberstadt entwickelt und präsentiert sich heute mit seiner Stadtkirche, dem Marktplatz mit Renaissance-Rathaus und dem einzigen Weißgerber-Museum Deutschlands. Die Klosterkirche Sankt-Marien, das Schloss und die barocke, Planstadt des südlichen Stadtteils Doberlug bieten Besuchern Baukunst von der Romanik bis zum Barock.[1]

Der Name „Doberlug“ hat seinen Ursprung im sorbischen Dobry Ług und bedeutet „gutes Wiesenland“.[2] Eine Bezeichnung die für eine Stadt in der Niederlausitz, deren Heidelandschaft sich Ende August in ein purpurnes Blütenmeer verwandelt, nicht passender gewählt sein könnte. Es sind Calluna-Heiden, die sich durch eine 30jährige militärische Nutzung herausgebildet haben und für den heutigen Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft namensgebend waren. Wo früher Panzer rollten helfen heute zünftig gekleidete Schäfer mit ihren Heidschnuckenherden das Zuwachsen der Heide zu verhindern, die Lebensraum zahlreicher seltener Vogelarten ist. Auf Kremserfahrten und Radtouren lässt sich in der Niederlausitz aber nicht nur gutes Wiesenland erkunden. Blaubeerreiche Wälder, romantische Streuobstwiesen und sagenhafte Moorlandschaften bereichern ebenso die Landschaft wie die in rekultivierten Tagebaurestlöchern entstandenen Naherholungsgebiete und der „Kleine Spreewald“ am Zusammenfluss der Schwarzen und der Kleinen Elster.[3]

Umgeben von der Heidelandschaft

Der Name Dobraluh wurde erstmals in der Chronik des Thietmar von Merseburg im Zusammenhang mit dem Heerzug Heinrichs II. im 11. Jahrhundert erwähnt.[4] Er bezeichnete jedoch keine Siedlung, sondern eine großräumige Lichtung in den unermesslichen Wäldern, auf welcher ein guter Übergang durch die Niederungen der Kleinen Elster möglich war. Diesen Ort wählte der Wettiner Dietrich von Landsberg, Markgraf der Ostmark, für eine Niederlassung der Zisterziensermönche, die sich Mitte des 12. Jahrhunderts hier ansiedelten. Tradiert wird der 01. Mai 1165 als Gründungsdatum.[5] Zwar fehlt eine Gründungsurkunde, ein lyrisches Zeugnis aus der Gründungsphase des Klosters ist der Nachwelt jedoch erhalten geblieben.

Der mittelalterliche Minnesänger Walther von der Vogelweide, im Winter 1210 zur Untätigkeit gezwungen und aufs Strohlager geworfen, wünschte sich in einem Vokalspiel den Sommer herbei und die Arbeit an frischer Luft: „Durch mein Liegen bin ich träge geworden wie eine Sau. Mein glattes Haar ist mir struppig geworden. Lieber Sommer, wo bist du? Wahrhaftig, lieber sähe ich Feldbestellung. Ehe ich in solcher Falle lange eingeklemmt sein möchte wie jetzt, würde ich lieber Mönch in Dobrilugk.“[6]

Quellen - Bitte hier klicken

Fußnoten:

  1. SCHULZ, Horst: Schlösser und Gärten in der Mark. Doberlug-Kirchhain. Berlin 2000, S. 1; http://www.doberlug-kirchhain.de/seite/176917/idealstadt-doberlug.html.
  2. KÖRNER, Siegfried: Ortsnamenbuch der Niederlausitz. Berlin 1993, S. 141.
  3. Zum Naturpark Niederlausitzer vgl. http://www.naturpark-nlh.de; http://www.reiseland-brandenburg.de/themen/natur/nationale-naturlandschaften/naturpark-niederlausitzer-heidelandschaft.html; http://www.elbe-elster-land.de/de/land-natur/natur-erleben/artikel-naturpark-niederlausitzer-heidelandschaft.html. Einen einführenden Vorabeindruck und eine Übersichtskarte bietet das Faltblatt des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft: http://naturpark-nlh.de/fileadmin/Naturpark_Niederlausitz/photos/Downloads/Basisfaltblatt_NPNLH_2010.pdf .
  4. MERSEBURGENSIS, Thietmar: Die Chronik des Thietmar von Merseburg. Nach der Übersetzung von J. C. M. LAURENT, J. STREBITZ und W. WATTENBACH. Neu übertragen und bearbeitet und von Robert HOLTZMANN. Halle 2007, S. 130 [Buch VI, 22.].
  5. LEHMANN, Rudolf: Die ältere Geschichte des Cisterzienserklosters Dobrilugk in der Lausitz. Kirchhain 1917, S. 14f.; SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 1.
  6. Im Original: „Ich bin verlegen als ein sû:/ mîn slehn hâr ist mit worden rû./ süezer sumer, wâ bist dû? Jâ saehe ich gerner veltgebû./ Ê deich lange in selher drû/ beklemmet waere als ich bin nû, ich wurde ê münch ze Toberlû“ (VOGELWEIDE, Walther von der: Vokalspiel [1210]. In: ders.: Die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Urtext mit Prosaübersetzung von Hans BÖHM. Berlin 1964, S. 120-126, Zitat S.122f.).

Quellen:

  • KÖRNER, Siegfried: Ortsnamenbuch der Niederlausitz. Berlin 1993.
  • LEHMANN, Rudolf: Die ältere Geschichte des Cisterzienserklosters Dobrilugk in der Lausitz. Kirchhain 1917.
  • MERSEBURGENSIS, Thietmar: Die Chronik des Thietmar von Merseburg. Nach der Übersetzung von J. C. M. Laurent, J. Strebitzki und W. Wattenbach. Neu übertragen und bearbeitet und von Robert Holtzmann. Halle 2007.
  • SCHULZ, Horst: Schlösser und Gärten in der Mark. Doberlug-Kirchhain. Berlin 2000.
  • VOGELWEIDE, Walther von der: Die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Urtext mit Prosaübersetzung von Hans BÖHM. Berlin 1964.
  • http://www.doberlug-kirchhain.de
  • http://www.naturpark-nlh.de/
  • http://www.elbe-elster-land.de/de/land-natur/natur-erleben/artikel-naturpark-niederlausitzer-heidelandschaft.html
  • http://www.klosterkirchengemeinden-doberlug.de

Die Klosteranlage

Anlage und Nutzung der ehemaligen Klostergebäude

Neben der Klosterkirche und dem überformten zweischiffigen Refektorium, dem Speisesaal der Mönche, sind vor der ehemaligen Klosteranlage Dobrilugk heute nur noch Reste der Bausubstanz des Abthauses im Keller des Westflügels und im Erdgeschoss des Nordflügels von Schloss Dobrilug erhalten. Das Abthaus lag im Südosten der sich südlich an die Klosterkirche anschließenden Klausurgebäude. Vom Ostflügel, der eigentlichen Klausur, blieb nach dem Brand 1852 nur die an das Querschiff der Klosterkirche angelehnte kreuzgratgewölbte Sakristei erhalten, an die sich der Kapitelsaal und die Arbeitsräume der Mönche anschlossen. Zunächst das Auditorium, Ort für Hand- und Schreibarbeiten, gefolgt von einem Durchgang zum Klosterhospital (Infirmarium), einem weiteren allgemeinen Arbeitsraum (Camera), an den sich der Karzer (Arestzelle) und das Kalefactorium, die Wärmestube der Mönche, anschlossen. Auch im Konversenflügel im Westen der Anlage folgte die Raumaufteilung dem Prinzip, profan genutzte Räumlichkeiten möglichst weit von der Kirche entfernt einzurichten. Der Westflügel gliederte sich von Norden nach Süden in den Tagesraum und den Speisesaal der Konversen, gefolgt von Lagerräumen (Cellarium), einer eigenen Schreibstube und der Küche. Bei archäologische Ausgrabungen konnten im Jahr 2000 Reste des 1670 abgerissenen Kreuzganges mit einer Breite von 4 m ermittelt werden.[1]

Die Klosterkirche

Neben Lehnin und Altzella ist die Klosterkirche St. Marien eine der frühesten gewölbten Zisterzienserbauten im heutigen Land Brandenburg. Die kreuzförmige Pfeilerbasilika wurde aus Backstein errichtet und umfasst ein fünfjochiges Langhaus mit ausgeschiedener Vierung und einen annähernd quadratischen Chor mit kaum eingezogener Apsis.[2] Während die Gliederung der halbkreisförmigen Hauptapsis mit ihren drei Rundbogenfenstern am Außenbau typische romanische Formen in der Gesims- und Frieszone und im Inneren eine Gestaltung mit Halbsäulen und Würfelkapitellen aufweist, sind die Fenster des Langhauses barock verändert.[3] Von den barocken Einbauten sind die Orgelempore von 1670 und die in den 1670er Jahren im südlichen Kreuzarm eingebrachte Fürstenloge erhalten.

Die farbige Ausmalung, die Verglasung und das Chorgestühl in frühbarockem bzw. Renaissancestil entstanden dagegen erst im Rahmen der Kirchenrestaurierung 1905 nach Entwürfen von Carl Weber.[4] Während der Restaurierungsarbeiten wurden Reste des romanischen Schmuckfußbodens und die Fundamente der einstmals nördlich und südlich angefügten Nebenchöre wiederentdeckt mit deren Abriss 1622 eine Besonderheit der Zisterziensischen Architektur verloren ging, vor allem, weil die Chöre vermutlich doppelstöckig waren.[5]

Mit dem Abschluss der Sanierungarbeiten 1909 erhielt St. Marien ihre heutige liturgische Ausstattung; neben Orgel, Kanzel und Taufe, vor allem den ursprünglich aus der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Senftenberg stammenden Hauptaltar (Mitte 18. Jahrhundert), den Passionsaltar mit der Darstellung der Geißelung in der Sakristei sowie die Schnitzfigur der Mondsichelmadonna (Ende 15. Jahrhundert). Im nördlichen Querschiff sind Epitaphe und Grabdenkmäler des 17. und 18. Jahrhunderts zu besichtigen.[6]

Quellen - Bitte hier klicken

Fußnoten:

  1. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 432; LEHMANN: ältere Geschichte, S. 111f.
  2. Schrage gibt die Maße mit Länge ca. 64 m; Mittelschiff ca. 8,2 m breit und 18,6m hoch an; SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S.431.
  3. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 15.
  4. 1906-08 entstand auch kursächsische Doppelwappen des Gründers der Schlosskirche, Herzog Christian I. am Apsisbogen; vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 15f.
  5. ebd. S. 14; SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 432. Der heute vor allem im Chor sichtbare Fußboden ist Resultat von Neuverlegung originaler romanischer und wohl nachgebrannter Schmucksteine; vgl. ebd., S. 433.
  6. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S.432f. Das große Doppeldenkmal des Erbauers des ersten Schlosses Heinrich von Gersdorff (+1557) und seiner Frau Mechelt (+1554) wird nicht in St. Marien sondern in der Gersdorfschen Gruft in der Kirchhainer Stadtkirche aufbewahrt; SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S.16.

Quellen:

  • LEHMANN, Rudolf: Die ältere Geschichte des Cisterzienserklosters Dobrilugk in der Lausitz. Kirchhain 1917.
  • SCHRAGE, Gertraud E.: Dobrilugk. Zisterzienser, In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 1 Berlin 2007, S. 425-442.
  • SCHULZ, Horst: Schlösser und Gärten in der Mark. Doberlug-Kirchhain. Berlin 2000.

Lage und Umgebung

Niederlausitzer Heidelandschaft

Doberlug-Kirchhain ist eine Doppelstadt und liegt zentral im Landkreis Elbe-Elster im Süden Brandenburgs. Nördlich der Stadt liegt der 484 km² umfassende Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Die Kleine Elster durchquert die Stadt von Nordosten nach Südwesten. Die Umgebung der Stadt ist sehr grün, unter anderem wird sie durch den Doberluger Forst und Baggerseen (Hennersdorf) geprägt.

Die Stadt ist von Berlin (112 km), Dresden (78 km), Leipzig (99 km) und Cottbus (63 km) mit dem Zug erreichbar.

Weitere Informationen zur Lage und Umgebung finden Sie HIER. Ausführliche Informationen folgen in Kürze.

Quellen - Bitte hier klicken

  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder. Köln 2000.
  • www.barnim.de
  • www.dhm.de/ausstellungen/burg-und-herrschaft/brandenburg/start.htm
  • www.eberswalde.de
  • www.oderberg.info
  • www.schiffshebewerkndf.de
  • www.schorfheide-chorin.de
  • www.uckermark.de

Touristisches Angebot

Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft

Das ehemalige Zisterzienserkloster Dobrilugk liegt mitten im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Ergänzend zur 1. Brandenburgischen Landesausstellung im Jahr 2014 machen verschiedene Angebote diese Kultur- und Naturlandschaften rund um Doberlug-Kirchhain erlebbar. Zum Beispiel kann man “Auf den Spuren der Mönche von Dobrilugk” wandern und endtecken, wie die Mönche die Gegend ums Kloster urbar gemacht und bewirtschaftet haben.

1. Brandenburgische Landesausstellung

Die Erste Brandenburgische Landesausstellung wird im Jahr 2014 in der Doppelstadt Doberlug-Kirchhain auf dem ehemaligen Klostergelände stattfinden, einem für das Thema der großen Ausstellung authentischen Ort.

“Als weltweit erste kulturhistorische Ausstellung wird die Erste Brandenburgische Landesausstellung die spannungsreiche Beziehungsgeschichte der Nachbarländer Preußen und Sachsen erzählen. Diese war von kulturellem und wirtschaftlichem Austausch bestimmt, doch auch von Rivalität bis hin zu offener Feindschaft. Hochkarätige Kunstwerke, einmalige Geschichtszeugnisse und mediale Anwendungen lassen Szenen der wechselvollen preußisch-sächsischen »Beziehungskiste« lebendig werden. Im Mittelpunkt steht die Zeit von der Mitte des 17. bis zum 19. Jahrhundert. […] Schauplatz und zugleich Herzstück der Ausstellung ist Schloss Doberlug, das ehemals zum Besitz der Kurfürsten von Sachsen zählte. Mit der Landesausstellung wird das sorgfältig sanierte Renaissanceschloss, die »sächsische Perle Brandenburgs«, erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.” (Quelle)

Geschichte

Das Kloster in vorreformatorischer Zeit

Es ist kein romantisiertes Bild des mittelalterlichen Klosterlebens, wenn von der Vogelweide das Mönchsdasein in Dobrilugk dem harten Winter und einem Lager von Stroh vorzieht. Die Zisterzienser, die 1165 aus Volkerode in Thüringen nach Dobrilugk aufbrachen, um hier die älteste Zisterze im heutigen Land Brandenburg zu gründen, fanden ein sumpfiges und von zahlreichen Bächen durchzogenes Gebiet vor, das sie in den folgenden Jahrzehnten in entbehrungsreicher Arbeit urbar zu machen begannen.[1] Mit ihnen kamen deutsche Siedler aus dem Westen, die gemeinsam mit sorbischen Bauern Dörfer im Umkreis des Klosters gründeten.

Nachdem die Slaweneinfälle der Jahre 1178-1180 eine kontinuierliche Bau- und Siedlungstätigkeit verzögert hatten,[2] entstanden seit 1184 neben den Arbeiten an der Klosterkirche und der Klausur ein Viehhof, die Klostermühle und weitere Wirtschaftsgebäude, darunter Back- und Brauhaus, Stutenhof, Fischerstube und Schmiede, Gärten und Schäfereien. Vorkommen von Ziegelerde begünstigten die Errichtung von Backsteingebäuden, sodass bereits 1209, im Jahr der Beisetzung der Markgräfin Elisabeth von Meißen, Apsis und Teile des Kirchenschiffes fertiggestellt gewesen sein müssen.[3]

Großzügige Stiftungen mehrten den Besitz des Klosters,[4] zu dem im 13. Jahrhundert 18 Dörfer, zahlreiche Mühlen, ein Weinberg und die Hälfte der Markgrafenheide südöstlich des Klostergebiets gehörten. Die klösterliche Eigenwirtschaft sowie die Verlehnung von Klosterdörfern ermöglichten es den Mönchen, ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts umfangreiche Zins- und Geldgeschäfte zu betreiben.[5] Nichtsdestotrotz blieb das Leben rau und das Kloster zahlreichen Bedrängungen ausgesetzt: 1318 beteiligte sich der Abt Ulrich von Dobrilugk an der Ermordung des Burggrafen Hermann von Golßen. Zwischen 1404 und 1410 wurde das Klostergebiet durch Gefolgsleute der Quitzows heimgesucht und verwüstet. 1528 überfiel Nickel von Minckwitz das Klostergebiet und richtete erheblichen Schaden an.[6] Er war der erste Vorbote der nahenden Reformation.

Das Kloster seit der Reformation bis Heute

Im August 1541 ließ der protestantische Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen das zum katholischen Böhmen gehörende Kloster besetzen und sorgte für die Aufhebung des Konvents im darauffolgenden Jahr.[7]

1551 gelangten die Herren von Gersdorf in den Besitz des verpfändeten Klosters. Während ihnen die Konventsgebäude als Viehstall und Gefängnis dienten,[8] begannen sie das südöstlich von Klausur und Kirche gelegene Abthaus zu einem kleinen Wasserschloss im Renaissance-Stil umzubauen, welches aber erst 1676 unter der Herrschaft Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg fertiggestellt werden konnte.[9]

Unter seiner Regentschaft wurde 1673-1676 auch die im Schmalkaldischen Krieg 1546 geplünderte und im 30jährigen Krieg erheblich zerstörte Klosterkirche zur Hof- und Schlosskirche umgebaut und 1676 neu geweiht. Nachdem Kurfürst Johann Georg I. die Herrschaft Dobrilugk 1624 in ein Amt umwandelte dienten die Klostergebäude Verwaltungszwecken. Ein Brand im November 1852 zerstörte schließlich die Anlage, nur das Refektorium im Südflügel und die Kirche blieben vom Feuer verschont.[10] 1945 fungierte das Schloss als Unterkunft sowjetischer Truppen und Flüchtlinge. 1956-1989 nutzte die Nationale Volksarmee das Schloss als Kaserne und das ehemalige Refektorium als Kulturhaus. Auf dem Gelände entstanden Garagen, Werkstätten, Lagergebäude und Sozialeinrichtungen, die seit 1996 ebenso mühsam abgetragen werden mussten wie die Betonschicht über Park- und Rasenflächen.[11]

Während der Förderverein Schloß Doberlug e.V. sich gemeinsam mit der Stadtverwaltung für notwendige Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen stark machte, in deren Rahmen 1997-1999 der Schlosshof neu gepflastert und die Räume des Schlosses und des Refektoriums für Ausstellungen und Veranstaltungen hergerichtet werden konnten,[12] hält in der Klosterkirche St. Marien die Gemeinschaft der Evangelischen Zisterzienser-Erben in Deutschland das geistliche Erbe der Zisterzienser wach.[13] 1905-1909 tiefgreifend restauriert und seit Mitte der 1990er Jahre unter Begleitung von Restauratoren und Archäologen nochmals grundsaniert, dient sie der evangelischen Kirchengemeinde des Ortsteils Doberlug als Gotteshaus.[14]

Quellen - Bitte hier klicken

Fußnoten:

  1. LEHMANN: ältere Geschichte, S.21, S. 70 und S. 74f.; SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 4.
  2. LEHMANN: ältere Geschichte, S. 17; SCHRAGE, Gertraud E.: Dobrilugk. Zisterzienser, In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 1 Berlin 2007, S. 425-442.
  3. Diese Annahme basiert auf der Tatsache, dass weltliche Personen nicht im Chor bestattet werden durften. Vgl. LEHMANN: ältere Geschichte, S. 94 und S. 110; SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 429 und S. 431.
  4. Stiftungen dienten nicht nur dem materiellen, sondern auch dem leiblichen Wohl des Konvents. Während im Klosteralltag der Genuss von Fleisch, Fett, fremde Gewürze – vor allem Pfeffer – verboten war, aber auch Fisch, Eier, Milch und Käse nicht auf die Speisekarte gehörten, konnten Stiftungen den Mönchen sogenannte Pitanzien, also Extraspeisen, verschaffen. So bestimmte Otto IV. von Ileburg 1297 u.a., dass nach seinem Ableben sein Todestag jährlich mit einem bonum servitium gefeiert werden solle, das aus Wein, Met oder Luckauer Bier, Dreikornbrot, frischer Butter, Eiern und Fischen bestand. Vgl. Urkunde Otto des IV. von Ileburg [23.07.1297]. In: LEHMANN, Rudolf (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Dobrilugk und seiner Besitzungen. Leipzig/ Dresden 1941, Nr. 91, S. 82f.; LEHMANN: ältere Geschichte, S. 104-106.
  5. Ausführlich zum Klosterbesitz und der Wirtschaftsordnung vgl. LEHMANN: ältere Geschichte, S. 27-35 und S. 61-96) Ebd. auch ein Verzeichnis der Dobrilugker Mönche und Äbte von 1202-1368 (ebd. S. 97-102). Schrage führt Belege an, dass Dobrilugk selbst in Zeiten der Regression erfolgreiche Geschäfte abschloss. Erst Geldforderungen König Ferdinands, der 1534 zur Unterstützung seiner Türkenabwehr die damals ungeheure Summe von 4.300 Rheinischen Goldgulden vom Dobrilugker Konvent forderte, der dazu eine Reihe von Dörfern verpfänden und bei verschiedenen Personen Kredite aufnehmen musste, stürzten Dobrilugk in Finanzkrise; vgl. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 426 und S. 429; LEHMANN: ältere Geschichte, S. 39f.
  6. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 425f. Wegen der unsicherer politischen Lage floh Abt Heinrich Monch 1534 aus Dobrilugk und nahm neben zwei dutzend Pferden auch Rüstungen und wertvolle Kleinodien mit (u.a. eine silberne mit Perlen und Edelsteinen besetzte Monstranz, zwei große silberne Siegel der Abtei, eine große Petschaft, einen silbervergoldeten Bischofsstab, fünf Ringe, eine vergoldete Schale, zwei vergoldete Kelche mit Patenen und einige Heiligenstatuen (vgl. ebd., S. 433).
  7. Nach langwierigen Verhandlungen ging der säkularisierte und zur Herrschaft Dobrilugk erhobene Klosterbesitz, zu dem im Jahr 1542 29 Ortschaften gehörten, an Böhmen zurück; vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 4.
  8. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 427. Die Kapelle in der sich ursprünglich die Grablege der Herren von Köckeritz befand wurde als Hundezwinger genutzt. Auch einige Wettiner wurden in Dobrilugk bestattet, von deren Gräbern heute ebenso nichts mehr erhalten ist (ebd. S. 431 und S. 433) In den Räumlichkeiten, die Mitte des 15. Jahrhunderts die Klosterbibliothek mit einer bedeutenden Sammlung von Schriften beherbergten, befanden sich bereits 1551 keine Bücher mehr. Sie wurden in eine Getreidekammer umgewandelt (ebd. S. 435). Der Friedhof des Klosters, an der Nordseite der Kirche gelegen, wurde zeitgleich mit Bauarbeiten am Schloss zum Lustgarten mit Orangerie und Gewächshaus umgestaltet (SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 13).
  9. Zur 125jährigen Baugeschichte des Schlosses vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 4-6. Eine ausführliche Baubeschreibung der kastellartigen vierflügeligen Schlossanlage ebd. S. 7-10.
  10. Durch die Selbstentzündung von Torfvorräten brannten der Mönchs- und Konversenflügel ab. Nur das Refektorium und die Klosterkirche konnten gerettet werden; vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 15. Nach dem Brand wurden die Reste des Ost- und Westflügels zur Steingewinnung abgetragen. Auch die Fundamente wurden weitgehend ausgeräumt; vgl. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 427 und S. 432.
  11. Insgesamt wurden 5000 t Beton und Mauerwerk abgebrochen und recycelt; vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 20.
  12. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 21. Im Sommer 2014 findet in Schloss Doberlug unter dem Titel „Wo Preußen Sachsen küsst. Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft“ die erste Brandenburgische Landesaustellung statt: http://www.brandenburgische-landesausstellung.de/Ausstellung.html .
  13. Regelmäßige Jahrestreffen, so 2000 in Doberlug, fördern die Zusammenarbeit von evangelischen Kirchengemeinden, Klöstern, Konventen und Kommunitäten an Zisterzienserkirchen in ganz Deutschland. Im Jahr 2015 findet das 23. Jahrestreffen in Doberlug statt; vgl. http://www.evangelische-zisterzienser-erben.de .
  14. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 432.

Quellen:

  • LEHMANN, Rudolf: Die ältere Geschichte des Cisterzienserklosters Dobrilugk in der Lausitz. Kirchhain 1917.
  • LEHMANN, Rudolf (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Dobrilugk und seiner Besitzungen. Leipzig/ Dresden 1941.
  • SCHRAGE, Gertraud E.: Dobrilugk. Zisterzienser, Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried u.a.(Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 1. Berlin 2007, S. 425-442.
  • SCHULZ, Horst: Schlösser und Gärten in der Mark. Doberlug-Kirchhain. Berlin 2000.
  • http://www.evangelische-zisterzienser-erben.de.
  • http://www.brandenburgische-landesausstellung.de/Ausstellung.html .

Kontakt

Touristinformation
Schlossplatz 1
03253 Doberlug-Kirchhain

E-Mail touristinfo@doberlug-kirchhain.de
Telefon +49 (0)35322 – 688850 oder 6888512
Internet www.doberlug-kirchhain.de
Internet www.klosterkirchengemeinden-doberlug.de

Lage

Themen

Teilen auf